Nürtingen
Psychothriller spielt im Fela Nürtingen
Der Autor Kevin Caress legt sein Erstlingswerk „Die OSCAR-Verschwörung“ vor und verarbeitet darin Erinnerungen aus seiner Jugend.
NÜRTINGEN. „Die Welt ist nicht so, wie du glaubst, sie zu sehen. Sie ist so, wie andere sie dich sehen lassen“ – Diesen Satz stellt Kevin Caress seinem Psychothriller „Die OSCAR-Verschwörung – Offenbarungen“ voran und setzt damit gleich den Ton: Im Nürtinger Tiefenbachtal ist die Idylle trügerisch und im dichten Wald lauern böse Geheimnisse.
Der Autor findet Inspiration für seine düstere Geschichte im Nürtinger Fela, wo er in seiner Jugend viel Zeit verbracht hat. Ein bestimmtes Erlebnis hat ihn besonders beeindruckt. Was, wenn der aufregende Fund damals doch nicht harmlos gewesen wäre? Die Idee ließ ihn jahrelang nicht los und es entstand ein Thriller, der den ersten Teil einer Trilogie bilden soll.
Die Hauptfiguren sind drei Freunde, die tief im Wald eine grausame Entdeckung machen, durch die sie ins Fadenkreuz einer Geheimorganisation geraten. In den Hauptfiguren stecken reale Personen, mit denen der Autor damals befreundet war und auch er selbst: Einer der Protagonisten trägt seinen Namen. „Derjenige, der das Vorbild für Achim ist, weiß davon, der von Patti nicht so recht“, erzählt er.
Von der Braike nach Bournemouth
Kevin Caress wurde als Kevin Kießig 1990 in Leipzig geboren und ist in der Braike aufgewachsen. Er arbeitet als Fotograf und ist vor neun Jahren nach Großbritannien ausgewandert. Mit seiner Frau, deren Namen er angenommen hat, lebt er im südenglischen Bournemouth, wo er für die Firma Adobe im Verkauf tätig ist.
Die Grundidee zum Buch gibt es seit 2006: „Sie ist über viele Jahre gewachsen“, erzählt er im Video-Interview und berichtet von dem Erlebnis damals im Fela, das die Geschichte inspiriert hat: Vor etwa 25 Jahren war er mit einigen Freunden im Wald beim Holzsammeln. Dabei entdeckten sie eine kleine Hütte, in der eine Kühltasche voller Fleisch lag: „Wir hatten ein wenig Angst, es war alles ziemlich aufregend.“ Fela-Leiter waren damals noch die unvergessenen Thomas Kreß und Wolfgang Meier: „Ich war bei beiden“, erinnert sich Kevin Caress.
Ab 2006 hat er angefangen zu schreiben: „Ich wollte mich irgendwie ausdrücken als Jugendlicher.“ Zwischendrin blieb die Geschichte auch immer wieder liegen, aber das Schreiben an sich hat Kevin Caress nicht mehr losgelassen. Vor allem hat er sich damit befasst, wie Profis schreiben und ihre Geschichten mit Spannungsbogen aufbauen. Wie man ein Buch grafisch aufbereitet, hat er in seinem beruflichen Umfeld gelernt. Freunde und Familie haben immer mitgeholfen, korrigiert und kritisiert. Zum Schluss gab es ein Lektorat, bevor Kevin Caress das Buch im Selbstverlag über Books on Demand veröffentlichte. Dabei bekommt es eine ISBN und wird auf Bestellung, egal in welcher Buchhandlung, gedruckt.
Das Düstere direkt vor der Haustür
Das Cover ist von Caress selbst gestaltet, es bedient die Ästhetik hochwertiger Thriller, zeigt jedoch kein Nürtinger Motiv: „Zuerst wollte ich alle Ortsnamen verfremden, habe mich dann jedoch dagegen entschieden, damit sich Realität und Fiktion vermischen können.“ Da war das Cover längst fertig und der Autor wollte es nicht zu sehr auf Nürtingen beziehen. Trotzdem steckt ganz viel Nürtingen im Buch: „Eine kleine, verschlafene Stadt, aber überall gibt es dunkle Seiten. Meine Geschichte spielt eben nicht in New York, sondern vor der Haustür.“
Wie arbeitet der Autor? „Das grobe Gerüst hatte ich im Kopf, danach habe ich drauflosgeschrieben und immer wieder etwas Neues eingebaut“, erzählt er. Jeder Charakter hat einen Steckbrief, in dem seine Vorlieben und Eigenschaften festgehalten werden. „An manchen Tagen habe ich richtig Lust zu schreiben und sitze dann acht Stunden am Stück daran.“ Manchmal schreibt er im Zug auf dem Weg ins Büro. So ist das Manuskript auf über 300 Seiten angewachsen. Besonders in den vergangenen anderthalb Jahren hat er intensiv daran gearbeitet und ihm den letzten Schliff gegeben. „Das ist auch ein Ausgleich zu meinem Alltag.“
Wer entdeckt das Geheimnis im Buch?
Inspirationen holt sich Kevin Caress bei anderen Mystery-Autoren: „Ich bin ein großer Fan von Akte X“, sagt er. „Ich liebe es, in eine eigene Welt abzutauchen, da kann man sich entfalten.“ Dann kann die Fiktion mit der realen Welt verflochten werden. Im Buch selbst steckt auch ein Geheimnis, eine Botschaft: „Ich bin gespannt, wer das Easter-Egg findet.“
Auf Youtube gibt es einen Buchtrailer, ein Audiobook oder ein Hörspiel könnten folgen. Ein Filmdrehbuch wäre der große Traum. Kevin Caress ist nicht nur literarisch kreativ, er arbeitet auch an Projekten rund um Design, Technik und Musik. Eine Übersetzung ins Englische ist in Arbeit, ebenso wie der zweite Band, der bereits zu 75 Prozent fertig ist. Als Veröffentlichungstermin ist April angepeilt. Ein dritter Band soll die Hauptgeschichte abschließen, dann sind noch zwei Bände für die Hintergrundgeschichte geplant, wobei das Geschehen aus einer anderen Sicht beleuchtet werden soll. Ideen für weitere Geschichten gibt es bereits.
Die ersten Rückmeldungen zum Buch, das seit Mitte Oktober auf dem Markt ist, seien sehr positiv, berichtet der Autor. „Ich wollte diese Geschichte, die mich über so viele Jahre begleitet hat, in Händen halten“, sagt er. Das ist ihm nun gelungen. Über die Feiertage möchte Kevin Caress nach Nürtingen kommen, wo er nicht nur Eltern und Geschwister sieht, sondern auch seinen Roman in der Buchhandlung Zimmermann, wo er ausliegt. Das Buch mit eigenen Augen im Laden zu sehen, wird sein besonderes Geschenk zu Weihnachten sein.
Das Buch „Die OSCAR Verschwörung – Offenbarungen“ von Kevin Caress hat 310 Seiten, ISBN: 978-3-695-11801-4 und ist als E-Book oder Paperback erhältlich.