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Offene Weihnachtsfeier in Nürtingen bringt Menschen zusammen

Rund 90 Gäste feierten Heiligabend im katholischen Gemeindehaus in der Vendelaustraße – erstmals getragen von mehreren christlichen Gemeinden.

Rund 90 Gäste feierten gemeinsam Weihnachten im katholischen Gemeindehaus. Foto: Nurijan Fey

NÜRTINGEN. Während viele Menschen den Heiligen Abend im Familienkreis verbrachten, suchten andere bewusst die Gemeinschaft. Für sie öffnete am 24. Dezember das katholische Gemeindehaus seine Türen. Die christliche Arbeitsgemeinschaft der Nürtinger Kirchen hatte zu einer offenen Weihnachtsfeier eingeladen – kostenlos und ohne Voraussetzungen.

Die Feier begann um 17.30 Uhr und endete gegen 21.15 Uhr. Die Uhrzeit war bewusst gewählt, damit die Gäste im Anschluss noch die Weihnachtsgottesdienste in St. Johannes oder in der evangelischen Stadtkirche St. Laurentius besuchen konnten.

Erstmals gemeinsam organisiert

Neu war in diesem Jahr die Struktur der Veranstaltung. „Es war ein Probelauf“, sagte Angelika Sauermann vom Leitungsteam der katholischen Kirchengemeinde. Erstmals wurde die Feier gemeinsam von mehreren christlichen Gemeinden getragen – katholisch, evangelisch und freikirchlich. Mit ein Grund dafür war der Rückgang an Ehrenamtlichen in den vergangenen Jahren. „Allein hätte es keine Gemeinde mehr stemmen können“, so Sauermann. Gemeinsam sei jedoch nicht nur organisatorische Entlastung entstanden, sondern auch gelebte Ökumene.

Ursprünglich trug die Veranstaltung einmal den Titel „Einsame Weihnacht“. Diese Bezeichnung wird heute bewusst nicht mehr verwendet. „Niemand möchte öffentlich als einsam gelten“, erklärte Sauermann. Zudem habe sich der Anspruch verändert. Eingeladen seien längst nicht mehr nur Alleinstehende, sondern alle, die Weihnachten bewusst anders verbringen wollten. Entsprechend vielfältig war die Gästerunde: von Geflüchteten über ältere Menschen, junge Erwachsene und Familien bis hin zu Wohnungslosen. Besonders seit 2015 mit der Ankunft vieler Geflüchteter und aktuell durch die Aufnahme von Ukrainern sei die Vielfalt deutlich gewachsen.

Rund 90 Gäste und 20 Helfende

Ehrenamtliche bereiten die Suppen vor und servieren sie an den Tischen. Foto: Nurijan Fey

In diesem Jahr hatten sich rund 90 Gäste angemeldet, hinzu kamen rund 20 Ehrenamtliche. Mehr Plätze gab es kaum, die Tische waren bewusst in kleinen Gruppen angeordnet. „So entstehen Gespräche“, sagte Sauermann. Jede Tischgruppe wurde von Helfenden begleitet, die den Austausch unterstützten. Das Essen wurde teils von Ehrenamtlichen vorbereitet, teils angeliefert. Die musikalische Gestaltung übernahmen Musikerinnen und Musiker aus verschiedenen Gemeinden.

Weihnachtsbotschaft ohne Kanzel

Das Programm war bewusst einfach gehalten. Es gab weder ein gemeinsames Gebet noch einen Gottesdienst. Dennoch stand die Weihnachtsbotschaft im Mittelpunkt. Die Weihnachtsgeschichte wurde als kurzes Schattenspiel mit Videoelementen – verständlich und berührend. Es folgten ein Weihnachtsquiz, gemeinsames Singen und viel Zeit für Gespräche. Auch spontane Beiträge waren willkommen. So trug in diesem Jahr eine Gruppe ukrainischer Frauen ein ukrainisches Weihnachtslied vor. Der Beitrag spiegelte die kulturelle Vielfalt der Feier wider.

Der schönste Moment? „Wenn die Leute eigentlich bleiben wollen“, sagte Sauermann. Wenn niemand auf die Uhr schaue und Fremde miteinander lachten, dann sei das Ziel erreicht.

Was an diesem Abend gelebt wurde, sei für sie der Kern der christlichen Botschaft: einander sehen, einander hören, Mensch sein: „Das ist für mich gelebtes Christentum.“

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