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Grippeschutzimpfung: Das rät ein Nürtinger Hausarzt

Jochen Maier, Vorstandsmitglied der Kreisärzteschaft Nürtingen, verrät im Interview, wer sich gegen Grippe impfen lassen sollte und welche Impfungen man generell haben sollte.

Alle Jahre wieder wird es Zeit für eine Grippeschutzimpfung. Wer sollte sich auf jeden Fall impfen lassen? Foto: Adobe Stock/Pedromerino

NÜRTINGEN. Der Grippeimpfstoff ist schon in den meisten Hausarztpraxen eingetroffen. Das gilt auch für die Praxis von Dr. Jochen Maier, die er gemeinsam mit seinem Kollegen Matthias Rauscher in Nürtingen führt. Maier ist stellvertretender Vorsitzender der Ärzteschaft Nürtingen und beantwortet im NTZ-Interview die wichtigsten Fragen zur Grippeschutzimpfung.

Herr Maier, in jedem Herbst lautet die gleiche Frage: Soll ich mich gegen Grippe impfen lassen? Wie lautet Ihre Antwort?

Eindeutig ja.

Wer sollte sich impfen lassen?

Ich würde niemandem von der Grippeimpfung abraten. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt diese für alle Personen ab 60 Jahren, für Menschen mit Vorerkrankungen und für gesunde Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel. Generell ist sie jedoch für alle ratsam, zum Beispiel auch für Gesunde, die sich selbst oder Risikopatienten in ihrer Nähe schützen wollen. Die Impfung hat eine durchschnittliche Schutzwirkung von 50 Prozent und die Kosten werden für alle von den Krankenkassen erstattet.

Bis zu welchem Zeitpunkt ist eine Grippeschutzimpfung sinnvoll?

Viele lassen sich im Oktober und November impfen. Es ist sicherlich sinnvoll, dies vor Weihnachten zu tun. Die Grippewelle erreicht meist rund um Fasching ihren Höhepunkt, somit ist es durchaus sinnvoll, sich eine Impfung noch im Februar verabreichen zu lassen. Wichtig zu wissen: Es ist genügend Impfstoff vorhanden!

Welche Nebenwirkungen muss ich fürchten?

Die Grippeschutzimpfung ist arm an Nebenwirkungen. Möglich ist eine Rötung der Haut an der Einstichstelle, die auch ein wenig schmerzen kann. Grippale Symptome sind eher ungewöhnlich. Möglicherweise kann es gelegentlich zu Unwohlsein kommen.

Hat die Impfmüdigkeit zugenommen?

Nach meiner Erfahrung ist dem in Bezug auf die Grippeimpfung tatsächlich so.

In der Praxis von Jochen Maier, stellvertretender Vorsitzender der Ärzteschaft Nürtingen, ist der aktuelle Grippeimpfstoff schon vorrätig. Foto: Ralf

Wenn ja, was sind die Gründe?

Das ist schwer zu sagen. Vielleicht liegt es daran, dass es heute mehr empfohlene Impfungen gerade für Menschen ab 60 Jahren gibt. Vielleicht sagt sich der eine oder andere: „Jetzt will ich nicht mehr“.

Was sagen Sie Personen, die sich partout nicht impfen lassen wollen?

Das sind Einzelfälle. Ich versuche zu erkunden, ob sie schlechte Erfahrungen gemacht haben. Bei entsprechenden Krankheiten ist das Risiko ohne Impfung höher. Kardiologen raten beispielsweise ganz eindeutig dazu, dass sich Herzpatienten unbedingt impfen lassen sollen. Wer dies aber partout nicht möchte, den überrede ich nicht.

Wird eigentlich noch gegen Corona geimpft?

Ja, auch hier gilt nach wie vor die Empfehlung der Stiko, dass sich Menschen ab 60 Jahren oder chronisch Kranke jedes Jahr im Herbst mit einem, neu an aktuelle Varianten angepassten, MRNA-Impfstoff behandeln lassen sollen. Die Nebenwirkungen nehmen durch die jährliche Wiederholung nicht zu. Falls jemand die Impfung tatsächlich sehr schlecht verträgt, muss man überlegen, ob diese unbedingt notwendig ist.

Generell zum Thema Impfen: Immer mal wieder wird vergessen, Impfungen aufzufrischen. Was ist dann zu tun?

Generell gilt: Jede Impfung zählt, auch wenn der Impfabstand nicht eingehalten wurde. Auch nach fünf Jahren muss man nicht von vorn anfangen. Versäumnisse sind schnell aufholbar und danach gilt man als voll geimpft.

Welche Impfungen dürfen auf keinen Fall fehlen?

Es gibt folgende Basisempfehlungen für Menschen bis 59 Jahre. Sie sollten gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Kinderlähmung geimpft sein. Wer nach 1970 geboren ist, sollte zwei Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) erhalten haben. Personen, die viel in der Natur sind, wird zudem eine FSME (Zecken)-Impfung empfohlen. Menschen, die 60 Jahre und älter sind, sollten gegen Grippe, Corona und Pneumokokken geimpft sein. Hinzu kommen zwei Impfungen gegen Herpes zoster (Gürtelrose). Wer älter als 75 Jahre ist, sollte an eine RSV-Impfung denken, da dieses Virus nicht nur bei Kleinkindern, sondern auch im fortgeschrittenen Lebensalter schwere Atemwegsinfekte verursachen kann.

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