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Wer im Kreis Esslingen Pause im Wald macht, lebt künftig (etwas) gefährlicher

Dass der Wald kein Spielplatz ist, weiß eigentlich jedes Kind. Und dennoch: Wer bislang auf einer Sitzbank von einem Ast getroffen wurde, konnte klagen. Warum das künftig anders ist.

Förster Alexander Klein und Forstamtsleiterin Cordula Samuleit beim Vor-Ort-Termin zur Waldgesetzänderung. Foto: Antje Dörr

OBERLENNINGEN. Völlige Sicherheit hat es im Wald noch nie gegeben, aber der Klimawandel sorgt dafür, dass die Gefahr steigt. Durch die zunehmende Trockenheit hängt mehr Totholz in den Bäumen, das sich jederzeit lösen und herabfallen kann. „Das Betreten des Waldes erfolgt auf eigene Gefahr“, steht deshalb im Landeswaldgesetz – was natürlich nicht bedeutet, dass Försterinnen und Förster nicht alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, um die Besucherinnen und Besucher zu schützen. Dass bei Pflegemaßnahmen systematisch alte und kranke Bäume herausgenommen werden, erhöht beispielsweise die Sicherheit. Doch der Wald ist groß, und selbst auf ausgezeichneten Wegen muss man damit rechnen, dass einem ein Ast auf den Kopf fällt.

Auf Sitzgelegenheiten wie Bänken und vor Informationstafeln war das seither anders. Dort sollte man sich sicher fühlen können, und entsprechend war auch das Gesetz ausgestaltet. Jetzt hat die Landesregierung jedoch das Waldgesetz um einen Zusatz ergänzt – zur Freude von Waldbesitzern und der Forstbehörde. Sie sind künftig nicht mehr in der Haftung, wenn etwas passiert. Für Waldbesucher heißt das: Auch Sitzbänke werden künftig auf eigene Gefahr benutzt.

Die Kontrollen waren sehr aufwendig

Um zu demonstrieren, welchen Aufwand Gemeinden und Forstbehörde seither betrieben haben, um die Sicherheit von Bänkle-Nutzern zu gewährleisten, haben Cordula Samuleit, Forstamtsleiterin im Landratsamt, und Förster Alexander Klein zu einer solchen Sitzgelegenheit unweit der Alten Lenninger Steige eingeladen, die an einem alten Waldrandweg liegt. Die Morgensonne bestrahlt den Südhang, von der Bank aus hat man einen herrlichen Blick auf Lenningen. Ringsherum zeugen Baumstümpfe von Pflegearbeiten. „Jede Bank, die von den Gemeinden aufgestellt wurde, ist seither regelmäßig von uns überwacht worden“, erklärt Cordula Samuleit. Das heißt: In einem Radius von 30 Metern, und teilweise darüber hinaus, wurde alles entfernt, was Bank-Nutzern potenziell gefährlich werden konnte. Bäume wurden also gefällt, Totholz mit Hubsteigern entfernt. Der Bauhof sah nach dem baulichen Zustand der Bänke.

Auf diese Weise wurden systematisch alle Sitzgelegenheiten kontrolliert und – aufgrund von Haftungsfragen – die Kontrollen protokolliert. „Es gibt immer wieder Fälle, in denen etwas passiert“, sagt Cordula Samuleit. „Das ist natürlich das Horrorszenario in unserem Beruf. Keiner von uns will dafür verantwortlich sein, dass Menschen verletzt werden oder sogar sterben.“ Die Forstamtsleiterin betont jedoch, dass die Behörde nur nach offiziellen Sitzgelegenheiten der Gemeinden geschaut habe. Für Bänke, die privat aufgestellt wurden, sei man noch nie zuständig gewesen.

Grillplätze und Schutzhütten sollen besonders sicher sein

An Grillplätzen und Schutzhütten wird laut Samuleit weiter aufwendig kontrolliert. „Schutzhütten müssen sicher sein“, lautet die Begründung. Und an Grillplätzen halte man sich in der Regel länger auf als auf Sitzbänken.

Obwohl die Waldbesitzer, also die Gemeinden, im Fall der Fälle künftig nicht mehr haftbar gemacht werden können, werden die Förster weiterhin ein Auge auf die Bänke haben, sagt Alexander Klein. Auch der Zustand der Bänke werde weiterhin kontrolliert. „Wir fahren ja künftig nicht mit Scheuklappen durch den Wald“, sagt Klein. Akute Gefahrenquellen würden weiterhin beseitigt und – wenn es nicht anders geht – Bänke eben auch mal abgebaut beziehungsweise verlegt. „Es kann schon sein, dass sie dann nicht mehr im Schatten stehen, sondern in der Sonne. Sicherheit geht vor“, sagt Cordula Samuleit.

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