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Waldbewirtschaftung Wolfschlugen: Klima macht Bäumen und Förstern Stress

Bei der Waldbewirtschaftung läuft auch in der Gemeinde Wolfschlugen vieles anders als geplant

Ein Problem unserer hiesigen Wälder durch zuletzt mehrere zu trockene Jahre: das Absterben der Kronen von Buchen. „Die problematischen klimatischen Bedingungen werden uns weiter beschäftigen“, kündigte Martin Auracher, Revierleiter vom Forstamt Leinfelden-Echterdingen in der Sitzung am Montag an. Foto: NZ-Archiv

Viel Diskussionsbedarf hatte der Gemeinderat am Montagabend in Wolfschlugen zum Thema Wald, ehe der Betriebsplan vom Forstamt des Landratsamts Esslingen für das Jahr 2021 schließlich vom Gremium einstimmig abgesegnet wurde. Die Leiterin der Unteren Forstbehörde, Cordula Samuleit, und Revierleiter Martin Auracher zogen eine Zwischenbilanz.

WOLFSCHLUGEN. „Der Wald leidet und wir müssen etwas tun“, führte Cordula Samuleit, Leiterin der Unteren Forstbehörde im Landratsamt Esslingen, ins Thema ein. Eines der größten Themen für das Forstamt sei die Klimaveränderung. In der Zehn-Jahres-Planung sei das achte Jahr erreicht. „Und einiges ist anders gelaufen als gedacht.“

Martin Auracher, Revierleiter vom Forstamt Leinfelden-Echterdingen, dem auch der Gemeindewald von Wolfschlugen zugeordnet ist, erläuterte die deutlichen „optischen Auswirkungen“ der Waldarbeit in der Nähe von Sportplatz und Waldfriedhof. „Die Maßnahmen waren auch im Rückblick absolut notwendig.“ Für die aktuell laufenden zehn Jahre sei insgesamt die Ernte von 4085 Festmetern Holz geplant gewesen. Nach acht Jahren sei aber schon der Vollzug von 5350 Festmetern zu verzeichnen. „Wir können deshalb aber nicht jetzt schon einpacken und gehen“, so Auracher. Denn von den bisher geschlagenen Bäumen seien 67 Prozent der „zufälligen Nutzung“ zuzuordnen. Darunter fallen Sturmholz, Käferholz, Dürreschäden und Pilzschäden. „Die zufälligen Nutzungen mussten notwendigerweise gemacht werden.“ Von der eigentlich geplanten Durchforstung, um den Bestand zu steuern, konnte hingegen in den acht Jahren „nicht mal die Hälfte der Planung vollzogen“ werden.

Im Bereich der Neupflanzung seien 0,6 Hektar vorgesehen gewesen. Tatsächlich seien es dann 1,1 Hektar geworden.

Zu beklagen sei das großflächige Absterben der Kronen von Altbuchen durch zuletzt mehrere zu trockene Jahre. „Die problematischen klimatischen Bedingungen werden uns weiter beschäftigen“, kündigte Auracher an. Zu Beginn des Jahres 2021 seien im Stillert und am Riedbrunnenweg noch weitere „Verkehrssicherungsmaßnahmen“ nötig. Auf zwei Hektar sollen zudem Eichen gefördert werden. Diese heimische Baumart habe aus heutiger Sicht die größten Zukunftschancen.

Der Betriebsplan des Forstamts geht von Einnahmen in Höhe von 14 400 Euro und Ausgaben von 20 500 Euro aus, was ein Minus von 6100 Euro ergibt. Abgesehen von Brennholz-Erlösen seien die Holzpreise „derzeit ziemlich schlecht“.

Gemeinderat Michael Kazmaier (Unabhängige Wählervereinigung) fragte, ob die Durchforstung und das Setzen auf Eichen tatsächlich sinnvoll ist. „Wir können die Natur auch Natur sein lassen. Die Stärkeren setzen sich durch.“

Forstleute wollen vor allem die Eichen fördern

Auracher betonte, dass die Eichen gefördert werden müssten. „Die Esche wird nach heutigem Stand nicht ewig überleben.“

Ellen Balz (CDU) freut sich über die Aufforstung. „Für mich ist positiv rübergekommen, dass Sie versuchen, den Wald schonend für die Zukunft sicher zu machen.“ Andreas Broß (SPD) sprach sich dagegen aus, nur noch Eichen zu pflanzen. „Wir wollen keine Monokultur. Eine Mischung ist am besten.“

Dem widersprach Cordula Samuleit nicht. „Wir wollen unseren Nachkommen ein breites Potpourri weitergeben. Wir wollen viele Baumarten haben, um das Risiko zu streuen. Auch Exoten aus dem Mittelmeerraum wollen wir probieren. Es gab immer Zeiten, in denen man einen Baumartenwechsel macht. Früher wussten wir aber nicht, dass einige Baumarten wegen Klimastress sterben. Wir wissen auch heute nicht, was die Zukunft bringt.“ Samuleit betonte zudem: „Pflegemaßnahmen im laufenden Betrieb sind elementar wichtig. Das ist Gestaltung für die Zukunft.“

Die Leiterin der Forstbehörde wies auch darauf hin, dass es in diesem Jahr keinen Monat gegeben hat, der im Durchschnitt nicht mindestens ein Grad Celsius über dem Allzeit-Mittelwert gelegen hat. Zudem komme die Niederschlagsmenge in keinem Monat annähernd an den langjährigen Mittelwert heran. „Es kann passieren, dass wir in nicht zu ferner Zukunft den Wald mit Wasser gießen müssen.“ Ein Hauptziel sei es, den Wald „möglichst langfristig zu erhalten“, ergänzte Revierleiter Auracher.

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