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Wenn der Bürgermeister von Schlaitdorf mit den Kollegen zum Saxofon greift

Starker Ausgleich zum kommunalpolitischen Alltag: Das Bürgermeister-Blasorchester Baden-Württemberg hat sich jüngst im Musikzentrum Baden-Württemberg in Plochingen gegründet. Neben Sascha Richter ist aus dem Landkreis auch Ralf Barth aus Denkendorf dabei.

Spielen zusammen im Bürgermeister-Blasorchester Baden-Württemberg: Sascha Richter aus Schlaitdorf (rechts) und Ralf Barth aus Denkendorf. Foto: urh

SCHLAITDORF. Im Rathaus spielen sie die erste Geige, doch hier fällt es ihnen nicht schwer, sich in die musikalische Gemeinschaft einzufügen: Die Bürgermeister Sascha Richter aus Schlaitdorf und Ralf Barth aus Denkendorf spielen mit im Bürgermeister-Blasorchester Baden-Württemberg. „Was Bayern kann, das können wir auch“ – mit diesem Anspruch sei die Idee des Orchesters bei einer Veranstaltung des Gemeindetags Bayern im Oktober 2025 in Nürnberg geboren worden, scherzt Barth. In Bayern gebe es seit einiger Zeit eine Bürgermeister-Blaskapelle. Beim Treffen in Nürnberg spielten auch zehn musikalisch aktive Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus dem Gemeindetag Baden-Württemberg mit. „Ich war mit meiner Klarinette dabei“, erzählt Barth, der Vorsitzender des Kreisverbands Esslingen des Gemeindetags ist.

Schon auf der Heimfahrt habe man Pläne geschmiedet, solch ein Orchester auch in Baden-Württemberg auf die Beine zu stellen. Dann ging alles ganz schnell. Der Gemeindetag Baden-Württemberg hat die Schirmherrschaft übernommen. Als Dirigent konnte Landesmusikdirektor Bruno Seitz, im Hauptberuf Musikschulleiter in Metzingen, gewonnen werden. Dieses Ehrenamt habe er gerne übernommen, sagt der Blasmusikfan. Zumal die Zahl der Mitspielenden beachtlich ist. „Derzeit stehen rund 60 auf meiner Liste, aber es werden immer mehr.“ Sie kommen aus dem ganzen Land und vertreten seien alle Instrumente, die es für ein Blasorchester brauche, so Seitz.

Im Musikzentrum in Plochingen hat sich das Orchester nun zu seiner zweiten Probe getroffen. Dass die vielbeschäftigten Kommunalpolitiker nicht immer vollzählig dabei sein können, ist Seitz klar. Und er weiß, dass auch die Zeit zum privaten Üben bei den Bürgermeistern knapp ist. „Doch ihr Amt erfordert Grips, Resilienz und Standing – das braucht man auch als Musiker“, betont Seitz die guten Voraussetzungen der Mitspieler. Alle seien gute Musiker und spielten zudem häufig auch in anderen Kapellen.

Richter und Barth schaffen das derzeit allerdings nicht mehr. Der Denkendorfer Bürgermeister hat wie sein Schlaitdorfer Kollege schon früh mit der Musik angefangen. Als Siebenjähriger begann er mit dem Akkordeon, stieg dann aber auf die Klarinette um und blieb dieser seither treu. Mehr als 20 Jahre habe er in der Trachtenkapelle Ennabeuren, einem Teilort seines Heimatorts Heroldstatt im Alb-Donau-Kreis, mitgespielt und auch im Vorstand Verantwortung übernommen, berichtet Barth.

Das Blasmusikorchester der Bürgermeister probt in Plochingen unter der Leitung von Landesmusikdirektor Bruno Seitz. Foto: urh

„Seit dem Umzug nach Denkendorf und der Geburt der Kinder und letztlich mit Corona habe ich dann aber aufgehört, dort mitzuspielen, auch wegen der nennenswerten Fahrstrecke auf die Alb“, erzählt Barth, der seit kurzem vierfacher Vater ist. Das Bürgermeisterblasorchester biete nun eine schöne Gelegenheit, die Klarinette wieder öfter herauszuholen. Auch Sascha Richter hat viele Jahre Saxofon im Musikverein Hochdorf gespielt. Doch auch ihn hindern die vielen beruflichen Termine inzwischen, aktiv mitzuspielen. Gerade weil sie wenig Zeit zum Üben haben, kommt es den beiden Bürgermeistern entgegen, dass sie die meisten Musikstücke schon kennen. So funktioniere das meiste auch ohne zu üben, verrät Barth augenzwinkernd.

Das Repertoire ist breit gefächert: von böhmisch-mährischen Klängen über Schlager, Polka, Marsch und Walzer bis hin zu klassischen Stücken. Vorschläge von Orchestermitgliedern würde er jederzeit aufgreifen, betont Seitz.

In erster Linie beteilige er sich wegen der Liebe zur Musik, sagt Barth. Doch das gemeinsame Musizieren ist das eine: Barth schätzt auch, dass er im Orchester Kolleginnen und Kollegen aus dem ganzen Land trifft, mit denen er im Alltag kaum Kontakt habe. Da könne man sich ganz nebenbei auch über Berufliches austauschen. „Dadurch entsteht auf ganz neue Art ein Netzwerk, das über die Freude an der Musik getragen wird.“ Deshalb profitiere man auch beruflich, ist Barth überzeugt. Das unterschreibt auch Richter. Und ergänzt: „Es macht einfach richtig Spaß. Musik verbindet.“

Das landesweite Ensemble vereine amtierende und ehemalige Stadt- und Gemeindeoberhäupter sowie Mitglieder des Landesvorstands des Gemeindetags, um ihre gemeinsame Leidenschaft für die Blasmusik zu leben: „Als Ausdruck gelebter Gemeinschaft über das politische Amt hinaus“, beschreibt Barth das Ziel. Geprobt werde projektabhängig im Musikzentrum in Plochingen, das sich wegen seiner zentralen Lage anbiete. Ihren ersten öffentlichen Auftritt wird die Kapelle am 1. August auf der Landesgartenschau in Ellwangen haben. Weitere Anfragen gebe es bereits. „Doch wir müssen noch darüber beraten, unter welchen Kriterien wir auftreten“, erklärt Barth.

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