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NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann auf Stippvisite in Kirchheim

Der stellvertretende Parteichef der Bundes-CDU macht auf seiner Tour durchs Ländle halt in der Großen Kreisstadt und besuchte ein Obdachlosenprojekt und den Diakonieladen.

In angeregtem Austausch vor den Räumen am Gaiserplatz: Reinhard Eberst vom Kreisdiakonieverband, NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann und die Kirchheimer CDU-Landtagsabgeordnete Natalie Pfau-Weller (von links). Foto: Sylvia Gierlichs

KIRCHHEIM. „Endlich ein Zuhause“, heißt ein Projekt das in Nordrhein-Westfalen Obdachlose ins Visier nimmt. Es ist ein Projekt, das das Sozialministerium des bevölkerungsreichsten Bundeslandes 2024 ins Leben gerufen hat. Ein Team bestehend aus Sozialarbeitern und Immobilien-Fachkräften bringt Wohnungssuchende und Vermieter zusammen und begleitet alle Parteien auch nach dem Einzug. Nun kam Sozialminister Karl-Josef Laumann nach Kirchheim, um sich ein Obdachlosenprojekt und den Diakonieladen anzusehen.

Das Kirchheimer Projekt ist am Gaiserplatz und trägt die Bezeichnung „Gute Stube“. Mitten in der Stadt. Das hat nicht jedem in Kirchheim gefallen, wie Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader sagt. Doch einen Ort am Stadtrand zu schaffen, das wollte man bei der Stadtverwaltung nicht. Auch Menschen ohne Wohnsitz gehören in die Stadt, findet Bader. Laumann gibt ihm recht. Und zeigt sich beeindruckt, dass die Menschen, die den Platz und die Räume nutzen, diesen Platz auch in Ordnung zu halten. „Funktioniert das?“, will der Minister wissen. Das bestätigt Reinhard Eberst vom Kreisdiakonieverband (KDV). Der Verband hatte das Projekt im Mai 2020 initiiert. Das Gebäude, das im Winter auch als Wärmestube genutzt wird, gehört der Stadt Kirchheim, der KDV ist Mieter. Die Wände übrigens hat der Lenninger Künstler Rainer Hoffelner gestaltet.

Der Minister im Gespräch mit Kirchheimer Obdachlosen

Während der Minister sich die Gute Stube anschaut, kommen immer mehr Menschen vorbei, die sich regelmäßig hier aufhalten. Eine Frau wohnt mittlerweile in einem Pflegeheim in der Nähe, kommt aber mit ihrem Gehwagen regelmäßig zurück an den Gaiserplatz. „Genießen Sie die Sonne?“, fragt Laumann sie und ruckzuck ist er in einem Gespräch mit der Seniorin. Er hat den Vormittag in Mannheim und Mosbach verbracht, Kirchheim ist seine dritte Station im Südwesten, die Vierte führt ihn nach Gaildorf. Ein straffes Programm. Die Kirchheimer CDU-Landtagsabgeordete Natalie Pfau-Weller konnte den prominenten Minister in ihren Wahlkreis locken.

Laumann hört genau hin, als Reinhard Eberst von dem Miteinander am Gaiserplatz berichtet, von dem Netzwerk, das sich dort aufgebaut hat. Es sind nicht nur Sozialarbeiter, die hier regelmäßig vorbeischauen und sich die Nöte der Menschen anhören. Es sind auch die Nutzer des Platzes selbst, die sich umeinander kümmern. Viele sind alkoholkrank. Drogenabhängige allerdings sehe man hier eher nicht, sagt Eberst. Auch, weil diejenigen, die regelmäßig da sind, nicht wollen, dass die gute Stube und der Außenbereich zum Dealen genutzt wird.

In Nordrhein-Westfalen helfen Kümmerer bei der Wohnungssuche

„Wir haben in jedem Landkreis einen Kümmerer, die Obdachlose zu Gesprächen mit Vermietern begleiten“, berichtet Karl-Josef Laumann aus seinem eigenen Bundesland. Eine gute Initiative. Doch nicht jeder will sein Leben wieder in etablierte Bahnen lenken. Manche wollen einfach keine eigene Wohnung. Laumann kann das nicht verstehen, denn in Deutschland, sagt er, habe ja jeder das Recht auf eine warme Wohnung.

Die Schlafplätze für Wohnsitzlose seien nicht sonderlich beliebt. „Viele haben Angst, dass ihnen dort das bisschen, das sie noch besitzen geklaut wird“, berichtet Laumann aus eigenen Gesprächen mit Obdachlosen. „Können Sie nicht dafür sorgen, dass wir Schließfächer haben, wo wir unsere Sachen unterbringen können“, hätten sie ihn gefragt. Der Minister konnte. Und ließ die Schließfächer in den Gefängnissen in Nordrhein-Westfalen bauen. Doch erst jüngst habe eine Frau vor dem Ministerium einen Schlafplatz aufgeschlagen. In einer Zeit, in der Deutschland von einer Kältewelle heimgesucht wurde. Auch sie wollte nicht in eine Unterkunft. Laumanns Mitarbeiter boten der Frau schließlich an, sie könne die Toilette nutzen und Dusche im Ministerium nutzen. Eine menschliche Geste.

Der Diakonieladen ist ein Erfolgsprojekt

Der Diakonieladen ist die zweite Anlaufstelle für Karl-Josef Laumann in Kirchheim. Auf dem Weg dahin kommt auch die Formulierung „Lifestyle-Teilzeit“ zur Sprache, die der CDU-Wirtschaftsflügel in einem Antrag verwendet hatte. Der NRW-Minister findet sie verunglückt. Und verteidigte Menschen die in Teilzeit arbeiten gegen den Vorwurf, faul zu sein. Eltern und pflegende Angehörige seien auf Teilzeitjobs angewiesen.

Im Diakonieladen wird der Minister von Elisa Kerner empfangen. Sie führt durch den Laden und erklärt das Prinzip, nach dem er betrieben wird. Kleidung, Möbel, Einrichtungsgegenstände, die gespendet werden, können dort erworben werden. Von jedermann. Bedürftige Personen erhalten nach Vorlage eines Nachweises einen Rabatt. Durchschnittlich kommen 85 Kunden und 23 Spender täglich in der Hindenburgstraße vorbei. „281 Teile wechseln bei uns täglich den Besitzer“, sagt Kerner und erläutert, dass jedes Teil angeschaut werden müsse. Denn nicht alles, was abgegeben wird, kann wieder an Kunden abgegeben werden. So müssen 38 Tonnen Alttextilien pro Jahr kostenpflichtig entsorgt werden. Hinzu kommen auch noch fünf Tonnen Sperrmüll. Doch der Laden sei auch ein Ort der Begegnung. Und ein Ort, an dem Menschen für den ersten Arbeitsmarkt fit gemacht werden. Laumann zeigt sich beeindruckt. Das Geschenk mit schwäbischen Leckereien, das Natalie Pfau-Weller ihm überreicht, gibt er an Elisa Kerner weiter.

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