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Kandidatenvorstellung in Frickenhausen: Welche Pläne hat Simon Blessing?

Simon Blessing ist seit mehr als 15 Jahren amtierender Bürgermeister. Der einzige Kandidat für die Wahl am 8. März stellte sich vor und beantwortete Fragen von Bürgern und NTZ-Redaktionsleiter Kai Müller.

Simon Blessing (rechts) im Gespräch mit NTZ-Redaktionsleiter Kai Müller. Foto: Markus Brändli

FRICKENHAUSEN. Etwa 60 Bürgerinnen und Bürger hatten sich am Donnerstagabend in der Festhalle in Frickenhausen eingefunden, um den amtierenden Bürgermeister Simon Blessing bei seiner Vorstellungsrunde zu hören. Auffällig war dabei, dass vor allem Menschen mittleren und höheren Alters anwesend waren. Jugendliche und junge Erwachsene fehlten fast vollständig. Anlass war die bevorstehende Bürgermeisterwahl am 8. März, bei der Blessing als einziger zugelassener Kandidat erneut ins Amt gewählt werden will.

Der 55-jährige Amtsinhaber lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Frickenhausen und hat seine Familie zur Veranstaltung mitgebracht. In seiner Rede verband er persönliche Eindrücke mit politischer Bilanz: „Ich kenne Frickenhausen, Tischardt und Linsenhofen nicht nur aus Akten und Plänen, sondern aus vielen persönlichen Gesprächen, von Begegnungen und Projekten“, sagte er und erhielt dafür zustimmendes Nicken aus dem Publikum.

Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2010 hat Blessing die Gemeinde maßgeblich mitgeprägt. In den vergangenen Jahren wurde das Erich-Scherer-Zentrum zu einem modernen Bildungs- und Begegnungsort weiterentwickelt, mit neuem Schulraum, einer Mensa und erweiterten Schulsozialangeboten, um Chancengleichheit zu stärken. Die Betreuung von Kindern sei ihm ein besonderes Anliegen. Unter seiner Führung seien die Kindergarteneinrichtungen erweitert und saniert worden, stets mit dem Ziel, Familien trotz steigender Kosten nicht über Gebühr zu belasten.

Veränderungen in den Ortskernen

Auch die Ortskerne von Frickenhausen und Tischardt haben sich verändert. Barrierefreie Begegnungszonen seien entstanden, um ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen besser in das Gemeindeleben einzubinden. Einrichtungen wie die Tagespflege, der mobile Pflegedienst und der Pflegestützpunkt würden dazu beitragen, dass ältere Menschen länger mobil und selbstbestimmt im Ort bleiben könnten. Blessing sagte, dass ihm der direkte Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern wichtig sei: „Ich nehme regelmäßig an Vereinsfesten, Jubiläen und Hauptversammlungen teil. Nicht als Pflichttermin, sondern aus Überzeugung.“

Unter seiner Verantwortung habe man die medizinische Grundversorgung langfristig sichern können. Zahnarztpraxen, ein dm-Drogeriemarkt und weitere Geschäfte siedelten sich neu an, was Blessing als Beleg für die Attraktivität des Standorts Frickenhausen wertet. Der Glasfaserausbau sei auf alle Ortsteile ausgeweitet worden, unter anderem auch auf Linsenhofen, das lange darauf gewartet hatte.

Die Bürgerinnen und Bürger konnten dem Amtsinhaber auch Fragen stellen. Foto: Markus Brändli

Was Blessing in Zukunft umsetzen möchte

In seiner Rede nannte er mehrere Zukunftsprojekte, mit denen er die Gemeinde in den kommenden Jahren weiterentwickeln möchte. Dazu zählt die Gestaltung des ehemaligen Ziegelei-Areals, auf dem ein Ganztageskindergarten, Wohnraum, ein Pflegeheim und Gewerbeflächen entstehen sollen. Weitere Infrastrukturmaßnahmen stehen an, darunter die Sanierung von Gemeindestraßen, der Bau zusätzlicher Ladestationen für E-Fahrzeuge und die Fortsetzung der Ortskernsanierung mit finanzieller Unterstützung von Bund und Land.

Auch ökologische Fragen will Blessing stärker in den Fokus rücken. Er sprach sich für Photovoltaikanlagen auf kommunalen Gebäuden, mehr Bäume in den Ortszentren und eine konsequente Anpassung an die Folgen des Klimawandels aus. Zudem will er die Verwaltung weiter modernisieren, Bürgersprechstunden auch in Zukunft anbieten und das Erich-Scherer-Zentrum zu einem zentralen Ort für Bevölkerungsschutz und Versorgung im Krisenfall ausbauen.

Konkrete Anliegen aus dem Publikum

Nach seiner Rede beantwortete Blessing Fragen aus den Reihen des Publikums und des Moderators Kai Müller, des Redaktionsleiters der Nürtinger/Wendlinger Zeitung. Dabei kamen persönliche und fachliche Fragen auf.

Zum Thema Finanzen erklärte Blessing, dass er angesichts der stetigen Investitionen ruhig schlafen könne, auch wenn pandemiebedingte Ausfälle von Gewerbesteuereinnahmen den Haushalt zeitweise belastet hätten. Durch nachträgliche Steuereinnahmen sei es jedoch gelungen, wichtige Projekte zu realisieren, und er zeigte sich dankbar für die stabile Gewerbesteuerbasis.

Simon Blessing blickte auf seine Amtszeit zurück und nannte Ziele für eine weitere Periode. Foto: Markus Brändli

Auf die Frage nach dem Erreichen der 10.000-Einwohner-Grenze, sagte Blessing lächelnd: Würde diese Marke erreicht, stiege er automatisch in die nächste Gehaltsstufe auf. Gleichzeitig machte er deutlich, dass er nicht davon ausgehe, dies innerhalb der kommenden acht Jahre zu schaffen, eben auch weil die letzten beiden Zensus-Zählungen die Einwohnerzahl immer nach unten korrigiert haben.

Was wünscht sich der Amtsinhaber?

Ein wiederkehrendes Thema war die Entwicklung der Ortsmitte. Blessing räumte ein, dass es trotz guter Lage bisher nicht gelungen sei, einen Gastronomiebetrieb anzusiedeln. Hohe Investitionen und ein erheblicher Zeitbedarf für den künftigen Gatsronomen stellten Hürden dar, doch er wolle weiter aktiv nach Lösungen suchen. Positiv hob er hervor, dass die neue Tiefgarage sehr gut angenommen werde und ein großer Teil des neuen Wohnraums inzwischen entweder verkauft oder zur Vermietung angeboten werde.

Auch konkrete Alltagsprobleme wurden angesprochen: Eine Bürgerin kritisierte die späte Verabschiedung des Haushaltsplans, die Blessing auf personelle Engpässe in der Kämmerei zurückführte. Er suche aktiv Personal und rief zur Unterstützung auf. Beschwerden über parkende Lkw in Wohnstraßen und Engstellen im Verkehr wolle er ernst nehmen. Er kündigte an, gemeinsam mit dem Gemeinderat Lösungen zu prüfen.

Zum Abschluss fragte Kai Müller, welche drei Wünsche er für seine nächste Amtszeit habe. „10.001 Einwohner“, lautet seine eher scherzhafte Antwort. Danach nannte er den Wunsch nach verlässlicheren Haushaltseinnahmen, einem zusätzlichen Kämmerer zur besseren Finanzplanung und die Hoffnung, dass Krisen künftig nacheinander statt gleichzeitig auftreten, um die Belastung für die Gemeinde und deren Bürger zu reduzieren.

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