Unterensingen
Trauer in Unterensingen um Pfarrer Frieder Bauer
Bauer war von 1982 bis 1998 Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde. Den Ruhestand genoss er mit seiner Frau Ingeborg in Heilbronn, doch die Familie blieb immer mit Unterensingen verbunden.
UNTERENSINGEN. Der frühere Unterensinger Pfarrer Frieder Bauer ist am 16. Februar verstorben. In seinen letzten Tagen war er in die Gemeinde zurückgekehrt, die ihm am Herzen lag und mit deren Menschen er zeit seines Lebens eng verbunden geblieben ist. Nach einem Sturz war er auf Hilfe angewiesen und fand sie im Unterensinger Pflegeheim, ganz in der Nähe seiner Tochter Heike Hümpfner, die mit ihrem Mann Gerhard und den fünf Kindern dort lebt. Die Familie muss acht Monate nach dem Tod ihrer Mutter Ingeborg Bauer, die am 1. Juli starb, den zweiten Trauerfall verarbeiten.
Frieder Bauer wurde am 31. August 1937 in Ludwigsburg geboren und wuchs in Heilbronn als dritter von vier Brüdern auf. Der Vater war Pfarrer, der Großvater als Missionar der Basler Mission in Ghana. „Für meinen Vater war immer klar, dass er Theologe werden wollte“, erzählt Heike Hümpfner. Der Glaube hat ihn begleitet, in seiner Jugend war er Pfadfinder und fand dort eine ganz praktische, handfeste Art, diesen zu leben.
Dank eines Stipendiums konnte Frieder Bauer am Stift Tübingen studieren. Das Vikariat trat er in Ulm an, wo er seine spätere Frau Ingeborg kennenlernte. Sie arbeitete dort als Gemeindehelferin und die beiden leiteten gemeinsam Jugendgruppen und Freizeiten. Die erste Pfarrstelle trat Bauer 1968 in Göttingen-Langenau nahe Ulm an. Im Jahr 1970 konnten die Bauers ihren Sohn Jörg begrüßen, zwei Jahre später Tochter Heike.
Im Jahr 1982 kam die Familie nach Unterensingen in das barocke Pfarrhaus mit großem Garten gegenüber der Michaelskirche. „Unterensingen ist ihm Heimat geworden“, sagt Heike Hümpfner, „ihm hat immer gefallen, wie lebendig die Gemeinde war. Wenn es etwas zu tun gab, dann haben die Menschen mitgezogen.“ Ob Jugendarbeit, Kindergottesdienst oder Seniorenarbeit, der musikalische Pfarrer mit der Gitarre brachte Leichtigkeit und Spaß ins Gemeindeleben. Aber auch vieles, von dem die Gemeinde heute noch profitiert. Da war zum Beispiel der Bau des Gemeindehauses an der Bergstraße, bei dem viele mithalfen, Spenden zu sammeln. Oder die Renovierung der Michaelskirche mit Dach.
Viele Freundschaften gepflegt
In der Freizeit gingen die Bauers gerne zum Wandern in die Berge. Noch 2019 konnten sie eine Hochgebirgstour unternehmen. Sohn Jörg lebt mit seiner Familie in den USA, ein Bruder lebt in Mexiko, beide haben die Bauers besucht.
Nach dem Eintritt in den Ruhestand 1998 zogen die Bauers in das elterliche Haus in Heilbronn, wo Frieder Bauer noch in der Gemeinde mitarbeitete, Konfirmandenunterricht gab, einen Kinderchor leitete oder verhinderte Kollegen im Gottesdienst vertrat. Bis Ostern waren die Eheleute noch jeden Sonntag in der Kirche, bis Inge Bauer nicht mehr konnte.
Große Freude hatte Frieder Bauer an seinem Garten. Jeden Tag ging er zum Laufen in die Weinberge, jeden Tag zweimal eine halbe oder dreiviertel Stunde einfach hinausgehen und nach den Menschen sehen. Die Freundschaften zu pflegen, war den Bauers stets wichtig. Regelmäßige Briefe und Anrufe, eine Liste, damit niemand vergessen wird, der vielleicht gerade ein offenes Ohr besonders dringend braucht. Als Frieder Bauer es gebraucht hat, waren andere für ihn da, die er lange begleitet hat. „Das hat ihm sehr gutgetan“, berichtet Heike Hümpfner. „Er war mit sich im Reinen.“
Die Trauerfeier findet am Freitag, 20. März, 13 Uhr, in der Michaelskirche in Unterensingen statt.