Großbettlingen
Großbettlingen wartet weiter auf schnelles Netz
Die Deutsche Glasfaser wird keine Glasfaserkabel im Ort verlegen. Es ist schon die dritte Absage im Kreis.
GROSSBETTLINGEN. Die Einwohner von Großbettlingen fühlen sich vor den Kopf gestoßen: Der seit Jahren geplante Glasfaserausbau in der 4200-Seelen-Gemeinde im Albvorland kommt nun doch nicht. All jenen, die mit der Deutschen Glasfaser einen Vertrag über einen schnellen Internetanschluss abgeschlossen haben, teilte das Unternehmen jetzt schriftlich mit, es nehme „Abstand von dem Ausbauvorhaben“.
Lapidar werden die Kunden darüber informiert, dass das Unternehmen den Vertrag „mit diesem Schreiben als beendet“ betrachte. Eine Kündigung ihrerseits sei nicht erforderlich. Es folgt der freundliche Hinweis, dass den Betroffenen durch den Rückzug „keinerlei Verpflichtungen gegenüber der Deutschen Glasfaser“ entstünden. „Wir bitten für die entstandenen Unannehmlichkeiten um Entschuldigung.“
Für unentschuldbar hält Großbettlingens Bürgermeister Christopher Ott indes, dass die Firma aus Nordrhein-Westfalen es nicht für nötig erachtet hatte, auch die Gemeindeverwaltung, mit der immerhin eine Kooperationsvereinbarung besteht, zu informieren. Von den Plänen habe er erst aus der Bürgerschaft erfahren, kritisiert Ott scharf. Er habe daraufhin von der Deutschen Glasfaser eine Stellungnahme eingefordert. An diesem Donnerstag ist das Schreiben dann im Rathaus eingetroffen.
So fällt die Stellungnahme des Unternehmens aus
„Die Deutsche Glasfaser sieht zum aktuellen Zeitpunkt keine Möglichkeit, den Netzausbau in Großbettlingen eigenwirtschaftlich umzusetzen“, wird Regionalmanager Kai Hölscher darin zitiert. Zur Begründung heißt es seitens des Unternehmens: Vor dem Hintergrund der derzeitigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen habe die Deutsche Glasfaser die Umsetzung des Ausbaus in der Gemeinde vertiefend geprüft. „Diese erneute Analyse hat ergeben, dass ein eigenwirtschaftlicher Ausbau unter den aktuellen Voraussetzungen nicht darstellbar ist. Die zu erwartenden Kosten übersteigen die ursprüngliche Kalkulationsgrundlage deutlich.“
Im Vorfeld jedes Projekts führt die Deutsche Glasfaser üblicherweise eine umfangreiche Analyse der technischen Machbarkeit sowie der Wirtschaftlichkeit durch. „Zentrale Bestandteile sind dabei eine vorgelagerte Nachfragebündelung zur Ermittlung des lokalen Interesses sowie Maßnahmen zur genauen Baukostenkalkulation, etwa durch Befahrungen mit Mobile-Mapping-Fahrzeugen“, wird in der Stellungnahme erläutert. „Ein besonderes Augenmerk liegt zudem auf der Prüfung der Kostenstruktur unter Berücksichtigung von Preisentwicklung, Materialverfügbarkeit und Baukapazitäten.“
So könnte es weitergehen
Wie es mit dem Glasfaserausbau in Großbettlingen nun weitergehen wird, steht bisher nicht fest. „Wir sind jetzt auf die Telekom zugegangen“, berichtet der Bürgermeister. Die habe Gesprächsbereitschaft signalisiert, eine schnelle Entscheidung sei jedoch nicht zu erwarten. Ott hat aber eine gute Nachricht: Zumindest im geplanten Neubaugebiet Kirchertäcker III wolle die Telekom Glasfaserkabel verlegen. „Wir erhoffen uns davon positive Effekte für die Bestandsgebiete.“
Großbettlingen ist kein Einzelfall im Landkreis Esslingen. Erst in der vergangenen Woche machten die gleichen Schreiben in den Gemeinden Erkenbrechtsweiler und Lenningen die Runde. Auch dort gab die Deutsche Glasfaser ihren Rückzug vom geplanten Netzausbau bekannt. Möglicherweise zieht die wirtschaftliche Lage des Unternehmens noch Kreise. In Dettingen, Hochdorf und Owen ist der Netzausbau den Firmenangaben zufolge derzeit „in der Bauphase“, aktiv ist das Netz aber noch nicht. In Oberboihingen befinde man sich „in Prüfung“, die Planungsphase hat also noch nicht einmal begonnen.
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