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Für Wolfschlugens Finanzen geht es ans Eingemachte

Für den Haushalt 2027 erwartet Bürgermeister Matthias Ruckh ein Minus von einer halben Million Euro. Mit dem Ausbau der Grundschule und dem Bau des neuen Feuerwehrmagazins samt Bauhof rutscht die Gemeinde bis 2030 tief in die roten Zahlen.

Der Ausbau der Grundschule ist das größte Investitionsprojekt, das im kommenden Haushalt der Gemeinde Wolfschlugen veranschlagt ist. Foto: NTZ-Archiv

WOLFSCHLUGEN. Finanziell steht die Gemeinde Wolfschlugen vor mehr als schwierigen Zeiten. Bis 2030 wird die Kommune nicht nur ihre Rücklagen aufbrauchen, sondern zusätzlich hohe Kredite aufnehmen müssen, um Projekte wie das neue Feuerwehrgerätehaus mit angegliedertem Bauhof-Neubau realisieren zu können.

„Heute ist die gute alte Zeit von morgen“, zitierte Bürgermeister Matthias Ruckh zum Auftakt seiner Rede zur Einbringung des Haushaltsentwurfs am Montagabend Karl Valentin. Bezogen auf die kommunalen Finanzen mehr als zutreffend: „Derzeit steht der Kernhaushalt schuldenfrei da, die Gemeinde hat noch einiges auf der hohen Kante.“

Minus von 552.000 Euro droht

Das ist nun Geschichte. Zwar braucht die Kommune noch keinen Kredit, um die Ausgaben zu bewältigen, dafür jedoch greift sie tief in die Rücklagen, um das Loch im Etat zu stopfen. Mit einem Minus von rund 552.000 Euro kalkulieren Bürgermeister und Finanzverwaltung für 2027 derzeit – vorausgesetzt, die Steuereinnahmen brechen nicht ein.

Kämmerin Brigitte Ziegler skizzierte die Eckdaten des Haushalts, der rund 18,86 Millionen Euro an Ausgaben vorsieht. Allein für Personal- und Versorgungsaufwendungen kalkuliert die Finanzexpertin rund 5,73 Millionen Euro. Für Transferleistungen, also vor allem für die Kinderbetreuung und Bildung, gibt die Gemeinde 2027 fast acht Millionen Euro aus. Der Bereich Kindertagesstätten und Schulen nehme inzwischen 61 Prozent des Haushalts ein, ergänzte Ziegler. Die Kreisumlage verschlingt 4,05 Millionen Euro, für den Finanzausgleich und die Gewerbesteuerumlage kommen knapp drei Millionen Euro obendrauf.

Dem stehen Einnahmen aus Steuern und Abgaben von insgesamt 18,31 Millionen Euro gegenüber. An Grundsteuer A und B kassiert Wolfschlugen 2027 rund 1,026 Millionen Euro, die Gewerbesteuer kalkuliert Ziegler vorsichtig auf knapp drei Millionen Euro. Der Anteil an der Einkommensteuer dürfte für die Kommune im kommenden Jahr leicht auf 6,029 Millionen Euro steigen, den Anteil an der Gewerbesteuer setzt die Kämmerin mit 613.000 Euro an. Dazu kommen Zuweisungen und Zuwendungen sowie Umlagen von rund 3,973 Millionen Euro. So bleibt unter dem Strich ein Minus von 552.000 Euro.

Ganztagesschule als nächste große Investition

Investitionsschwerpunkte für 2027 sind der Umbau der Ganztagesschule mit drei Millionen Euro sowie die Arbeiten im Rahmen am Energienetz des Bildungscampus mit 150.000 Euro. Für die Straßenerneuerung in der Hofäckerstraße sowie im Zuge der L 1202 und L 1205 stehen insgesamt 500.000 Euro im Plan. Das Großprojekt Feuerwehr/Bauhof ist mit einer ersten Rate über 250.000 Euro berücksichtigt.

Der Ausblick bis 2030 zeigt, dass sich die Lage weiter zuspitzen wird: Ziegler rechnet für die geplanten Baumaßnahmen und Investitionsfördermaßnahmen mit einem Volumen von satten 26,1 Millionen Euro. Über Grundstücksverkäufe und Zuwendungen kommen voraussichtlich jedoch nur 3,57 Millionen Euro wieder rein. Zudem geht die Finanzfachfrau davon aus, dass Wolfschlugen 1,668 Millionen Euro aus den liquiden Mitteln braucht, um die Kosten aus der laufenden Verwaltungstätigkeit zu decken. Ohne Schulden ist das für die Kommune nicht zu stemmen, wird aber auch die Gemeindefinanzen nach 2030 durch immense Zinszahlungen belasten.

Grundsteuer soll erhöht werden

„Wir sprechen viel über Geld, vor allem machen wir uns Gedanken, wie wir aus Verantwortung für alle Menschen in unserem Dorf die Entscheidungen ausrichten“, so Ruckh. Gleichzeitig bereitete der Bürgermeister die Bürger auf unbequeme Entscheidungen vor. Um durch die finanziell belastende Zeit zu kommen, werde die Gemeinde an einigen Stellschrauben drehen müssen, um die Aufgaben bewältigen zu können, kündigte Ruckh an. Manches Gewohnte werde sich die Gemeinde nicht mehr leisten können, glaubt Ruckh.

So sieht der Bürgermeister angesichts des Fehlbetrags im Haushalt 2027 Handlungsbedarf, was die Hebesätze anbelangt. Eine Erhöhung von zehn von hundert bringe bei der Grundsteuer bereits 60.000 Euro, so der Bürgermeister. Jedoch wolle die Gemeinde zunächst die Ausgaben und die Konsolidierungsmöglichkeiten ausschöpfen, so der Schultes.

Zugleich nahm der Wolfschlugener Bürgermeister die allgemeine Entwicklung der Kommunen in den Blick und forderte von Bund und Land, dringend notwendige Reformen voranzutreiben. „Wo bleibt der Wille auf den politischen Ebenen, unsere staatlichen Strukturen zu verschlanken?“ Kommunen und Landkreise bezifferten den Bedarf zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen auf vier Milliarden Euro, das Land stelle lediglich 1,2 Milliarden parat, von denen 500 Millionen Euro als Unterstützung für Städte und Gemeinden gedacht sind. „Geld, das aber zurückgezahlt werden muss“, so Ruckh. Er resümierte: „Unser Staat hat ein dauerhaftes Ausgabenproblem.“

Die Gemeinde muss also den Rotstift ansetzen. Wo, das werden die Fraktionen des Gemeinderats in ihrer nächsten Klausurtagung noch diesen Monat diskutieren. In der Novembersitzung soll die Generaldebatte zum Haushalt 2027 geführt werden, verabschiedet wird der Plan im Dezember.

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