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Eigene Wohnung angezündet: Frau aus Kirchheim vor Gericht

Im Landgericht Stuttgart beginnt die Verhandlung gegen eine Frau aus Kirchheim wegen schwerer Brandstiftung. Sie soll in ihrer Wohnung Kleidersäcke angezündet haben.

Vor dem Landgericht muss sich derzeit eine 47-Jährige aus Kirchheim verantworten. Foto: NTZ-Archiv

STUTTGART/KIRCHHEIM. Begleitet von zwei Mitarbeitern der Medius-Klinik Nürtingen hat die 47-Jährige am Mittwochmorgen den Sitzungssaal des Landgerichts Stuttgart betreten. Der gebürtigen Kirchheimerin wird vorgeworfen, im April 2025 in ihrer Einzimmerwohnung Säcke mit Kleidung angezündet zu haben. Dann soll sie die Tür verschlossen haben und über die Küche auf den Balkon geklettert sein. Dort machte sie auf sich aufmerksam. Der Laminatboden brannte durch, das Zimmer in einem Mehrfamilienhaus war nicht mehr bewohnbar. Es soll ein Sachschaden von rund 20.000 Euro entstanden sein.

Beschuldigte handelte im schuldunfähigen Zustand

Nach dem Brand kam die Frau in die Medius-Klinik. Dort soll sie auf eine Scheibe geschlagen haben, die daraufhin zu Bruch ging. Es entstand ein Schaden in der Höhe von 953 Euro. Das Gericht stellte diesen Anklagepunkt der Sachbeschädigung aber sofort ein. Er ist allzu geringfügig im Vergleich zu der schweren Brandstiftung in ihrer Wohnung. Die 47-Jährige handelte im Zustand der Schuldunfähigkeit, da sie laut der Staatsanwaltschaft an einer schizoaffektiven Störung litt. In dem Verfahren geht es nun darum, zu prüfen, ob sie dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss, da sie eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle.

Angeklagte entschuldigt sich

Die Beschuldigte entschuldigte sich im Gerichtssaal sofort für die Brandstiftung. Sie beteuert, damals „schwer krank“ gewesen zu sein. „Ich wollte niemanden umbringen“, sagte sie und faltete dabei die Hände wie zum Gebet. „Wie kann einem Menschen wie mir so etwas passieren?“, sagte sie verzweifelt.

Schon in ihrer Kindheit hat die 47-Jährige bemerkt, dass etwas nicht mit ihr stimmt. Sie habe sich mit vielen Dingen überfordert gefühlt, lässt sie über ihre Verteidigerin zu Protokoll geben. Nach einer Ausbildung als Hauswirtschafterin jobbte sie als Verkäuferin und als Helferin in Friseursalons. Doch immer wieder sei sie „zusammengefallen“, wie sie es nennt. Nachdem sie sich um die Pflege ihrer Mutter gekümmert hatte, zog die Kirchheimerin im Alter von 35 Jahren erstmals in eine eigene Wohnung, in der sie bis zu dem Vorfall im April 2025 lebte. Zwischendurch brachten sie ihre Eltern einmal in die Psychiatrie in Nürtingen, da sie zu viel Geld für Kleidung ausgegeben hatte.

In Wohnung eingeschlossen

Im Jahr 2024 verschlechterte sich der Zustand der Frau. Sie fühlte sich verfolgt, schloss sich in ihrer Wohnung ein. Sie habe „Dinge gesehen, die es in der Realität nicht gibt“. Zum Beispiel den Tod ihrer Eltern, obwohl die noch leben. Die Krise mündete in der Brandstiftung in ihrer Wohnung.

Nun fühlt sich die 47-Jährige besser. Sie bedankte sich im Gerichtssaal bei den Mitarbeitern der Klinik und beteuerte, dass sie dankbar sei, noch zu leben. Wieder rang sie dabei mit den gefalteten Händen. Ihre Medikamente will sie ihr Leben lang nehmen. Die schützen sie schließlich „wie die Polizei“.

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