Nürtingen
Wie das neue Besucherleitsystem in Nürtingen für mehr Orientierung sorgt
Gäste und Einheimische sollen von der neuen einheitlichen Struktur profitieren. Dabei wird auf modernes Design gesetzt.
NÜRTINGEN. Seit wenigen Tagen ist das neue Besucherleitsystem in der Nürtinger Innenstadt installiert. Der Bedarf nach einer besseren Verknüpfung der einzelnen Stadtbereiche wurde nicht nur von Besucherinnen und Besuchern geäußert, sondern auch von der Verwaltung selbst. Ziel der Maßnahme ist es, Besucherinnen und Besuchern eine klare, intuitive Orientierung zu ermöglichen – ein Standard, der in vielen Städten und Gemeinden bereits etabliert sei, wie es in einer Pressemitteilung des Amts für Tourismus und Stadtmarketing heißt.
„Das neue Besucherleitsystem ersetzt kein einzelnes Schild, sondern ein ganzes Schilder-Sammelsurium“, erklärt Madeleine Hummel vom Amt für Stadtmarketing. „Es schafft dort Klarheit, wo zuvor viele Einzelmaßnahmen nebeneinanderstanden.“
Fokus auf Fußgängerinnen
und Fußgänger
Das Leitsystem richte sich bewusst an Fußgängerinnen und Fußgänger sowie an den sogenannten Langsamverkehr. Autofahrer seien nicht Zielgruppe der Maßnahme, da für diese bereits etablierte Leitsysteme und digitale Navigationslösungen bestünden. Trotz digitaler Navigation und steigender Bedeutung der Hilfestellung durch KI-Systeme sei ein solches System notwendig, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Denn nicht alle würden mit dem Handy in der Hand durch die Stadt laufen wollen. Zudem gebe es immer wieder Momente, in denen Besuchende ihre Ziele noch nicht genau kennen und erst durch das Leitsystem auf Sehenswürdigkeiten und interessante Orte hingewiesen werden.
Visuelle Identität und klare Signale
Das neue Leitsystem setze auf ein modernes Design mit einem klar strukturierten und stilisierten Stadtplan. Die Farbgebung in Blau und Pink orientiere sich an der Hauptfarbe und einer ergänzenden Farbe der Palette des Corporate Designs der Stadt Nürtingen. Pink wurde gewählt, da es eine hohe Signalwirkung besitzt und damit die Wahrnehmbarkeit des Leitsystems unterstützt. In Kombination mit dem Blau entstehe ein stimmiger, gut lesbarer Gesamtauftritt, so die Pressemitteilung des Amts. Auf die Farbe Gelb sei verzichtet worden, da die Lesbarkeit der vorgesehenen weißen Schrift darauf nicht ausreichend gegeben gewesen wäre. Das Ergebnis sei ein System, das optisch einheitlich und funktional ist, ohne dabei die Stadtgestaltung zu überlagern.
Das Besucherleitsystem biete gezielte Orientierung zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, Aufenthaltsplätzen, öffentlichen Einrichtungen und Mobilitätsknotenpunkten wie dem Bahnhof. Um die Verknüpfung mit dem Kfz-Verkehr herzustellen und das umfangreiche Parkplatzangebot für potenzielle nächste Besuche aufzuzeigen, seien auch Parkflächen ausgeschildert worden, heißt es in der Pressemitteilung. Auf die Ausschilderung einzelner Geschäfte oder Betriebe werde jedoch bewusst verzichtet. Gründe hierfür seien die Dynamik und die kleinteilige Struktur, die ein analoges System schnell unübersichtlich machen würden.
Anstelle einer detaillierten Beschilderung werde derzeit eine digitale Erweiterung erarbeitet, die unter anderem Stadtrundgänge mit Audioinhalten ermöglichen und flexibel Informationen zu Einrichtungen, Gastronomie und Geschäften abbilden soll.
Das Leitsystem wurde barrierearm geplant
Barrierefreiheit sei ein zentrales Thema im Planungsprozess gewesen, erklärt das Stadtmarketing-Amt. Der Inklusionsrat der Stadt sei eingebunden worden, Stelen und Pfeilwegweiser gemeinsam begutachtet und barrierearme Wegelinien definiert worden. Besonders in der Altstadt, in der Kopfsteinpflaster und Steigungen das Vorankommen erschweren, sei dies eine besondere Herausforderung gewesen.
Auf Brailleschrift und taktile Elemente sei jedoch bewusst verzichtet worden. Dies sei nur sinnvoll, wenn ein durchgängiges taktiles Bodenleitsystem vorhanden ist, das direkt zu den Stelen und Pfeilwegweiserstandorten führe. Stattdessen vertraue die Stadt auf digitale Hilfsmittel, die viele Menschen mit Beeinträchtigung bereits auf ihren eigenen Geräten nutzen – etwa Anwendungen mit Vorlesefunktion zur besseren Zugänglichkeit.
Flexibel, langlebig und entwicklungsfähig
Das neue Leitsystem sei bewusst modular konzipiert, um einzelne Elemente im Bedarfsfall auszutauschen oder zu erweitern, ohne das gesamte System zu ersetzen, heißt es in der Pressemitteilung. Dies trage zur Langlebigkeit und Kosteneffizienz bei. Die laufenden Kosten für Pflege und Reinigung seien dabei gering. Die Umsetzung des Projekts werde durch Fördermittel aus dem Tourismusinfrastrukturprogramm des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg unterstützt.
„Ein Besucherleitsystem muss sich im Alltag bewähren. Rückmeldungen von Bürgerinnen, Bürgern und Gästen nehmen wir ernst. Wenn sich an einzelnen Stellen Anpassungsbedarf zeigt, werden wir gezielt nachjustieren – ohne das System aus dem Blick zu verlieren“, so Michael Maisch vom Amt für Stadtmarketing.
Vorerst beschränke sich das Besucherleitsystem auf die Innenstadt. Eine Ausweitung auf weitere angrenzende Stadtbereiche sei angedacht. Das Ziel bleibe, die Stadt in ihrer Gesamtheit besser und intuitiver zugänglich zu machen. Der motorisierte Verkehr sei explizit nicht Teil des Leitsystems und soll auch in Zukunft nicht integriert werden, so die Stadt.