Nürtingen
Das Nürtinger Stadtmuseum war ihr Baby – Nachruf auf Angela Wagner-Gnan
Die langjährige Museumsleiterin ist im Alter von 70 Jahren verstorben. Ihre Trauerrede hat sie selbst mit vorbereitet.
NÜRTINGEN. Das Nürtinger Stadtmuseum war Angela Wagner-Gnans Lebenswerk. Die Gründerin und langjährige Leiterin des Museums ist kürzlich im Alter von 70 Jahren verstorben. Ihre Trauerrede hat sie selbst mitgestaltet und auch klar bestimmt, wer sie halten soll. Ihre Wahl fiel auf Stadtführerin und Diplom-Theologin Andrea Böcherer-Baumeister, mit der sie sich vor ihrem Tod ausgetauscht hat. „Bei mir hat sie beispielsweise während der Stadtführerausbildung das intensive Interesse an Hölderlin geweckt, das mich nun schon 25 Jahre begleitet und mich immer besonders mit ihr verbunden hat“, heißt es in der Trauerrede, die auch OB Johannes Fridrich bewegt hat. „Ohne Angela Wagner-Gnan gäbe es unser Stadtmuseum heute nicht mehr. Ihre Begeisterung war einfach ansteckend“, sagt der Rathauschef und ergänzt: „Das Stadtmuseum, 34 Jahre ihre Heimat, bleibt für immer mit ihrem Namen verbunden.“
Auch nach ihrem Ruhestand dem Museum verbunden
Es sei ihr Baby gewesen, das sie ins Leben gerufen, gehegt und gepflegt und zu gegebener Zeit auch losgelassen habe, sagte Böcherer-Baumeister in ihrer Rede. Auch weil sie gewusst habe, dass es bei ihrer Nachfolgerin Melina Wießler in guten Händen sein würde. „Nach ihrem Ruhestand hat sie jede Ausstellung besucht“, erzählt Wegbegleiterin und Kulturamtsleiterin Susanne Ackermann. Sie sei unglaublich glücklich über die weitere Entwicklung des Museums gewesen. Ackermann verweist darauf, dass Wagner-Gnan vor ihrem Ruhestand tatkräftig am Konzept für die Hölderlin-Ausstellung im Hölderlinhaus mitgewirkt habe. „Sie hat das Stadtmuseum mit großem persönlichen Einsatz absolut professionalisiert“, sagt Ackermann. Sie habe kein Heimatmuseum gewollt, sondern sei immer eine Verfechterin eines modernen Stadtmuseums gewesen. Wichtig sei ihr immer gewesen, der jungen Generation Geschichtsbewusstsein zu vermitteln. „Mehr als 34 Jahre waren Angela Wagner-Gnan und das Nürtinger Stadtmuseum praktisch eins“, heißt es auch in der Trauerrede. Sie habe es aufgebaut und für sein Bestehen gegen unterschiedlichste Widerstände gekämpft. Böcherer-Baumeister bezeichnet sie als „starke, durchsetzungsfähige Frau, die immer wieder angeeckt ist“.
Zu Harald Schmidt durchgekämpft
Eine Szene ist besonders in Erinnerung geblieben: So hat sich Wagner-Gnan bei einem Vortrag von Entertainer und Kabarettist Harald Schmidt in Nürtingen im Anschluss mit dem Einsatz ihrer Ellenbogen den Weg durch die Fans gekämpft. Sie wollte ihren ehemaligen Mitschüler von der Mitgliedschaft im Förderverein des Museums überzeugen. Beim 2017 verstorbenen Schriftsteller Peter Härtling ist ihr das gelungen.
Ihre ersten beiden Ehemänner sind an Krebs gestorben. Ihr dritter habe sie liebevoll und fürsorglich in ihrem letzten Lebensabschnitt begleitet. Umso bewundernswerter sei es gewesen, wie sie mit ihrer eigenen Krebserkrankung umgegangen sei, sagt Böcherer-Baumeister, die in ihrer Rede auch kurz den Werdegang Wagner-Gnans schildert. Sie berichtet vom Studium der Germanistik und Volkskunde in Regensburg, von ihrer Mitgliedschaft im MSB Spartakus und der Friedens- und Anti-Atomkraftbewegung und von einer wilden Nachachtundsechzigerin, die Stammgast im „Kuckucksei“ und im „Liedle“ war.
Funken für Geschichte wecken
Doch ihre Berufung war eindeutig das Stadtmuseum, wo sie das Interesse an Geschichte bei vielen jungen, aber auch älteren Besuchern geweckt hat. „Geschichte bedeutet nicht, in der Asche zu stöbern, sondern den Funken weiterzugeben“, war ihr Motto. Das ist ihr in all den Jahren als Leiterin des Stadtmuseums perfekt gelungen.
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