Nürtingen
Weniger Parkplätze, mehr Grün: So wird die Nürtinger Innenstadt umgestaltet
Der Gemeinderat hat Umbauarbeiten in drei Straßen beschlossen. Profitieren sollen unter anderem Fußgänger und Radfahrer.
NÜRTINGEN. Im Sanierungskonzept Schlossberg, für das die Stadt Nürtingen Fördermittel vom Land bekommt, fehlen noch letzte Bausteine: die Neugestaltung der zweiteiligen Lampertstraße, der Heiligkreuzstraße und der anschließenden Hechinger Straße. Der Gemeinderat beschloss am Dienstag in seiner letzten Sitzung des Jahres die Grundzüge der Umgestaltung in diesen Straßen. Neben neuen Belägen soll mehr Grün in den Straßenraum Einzug halten. Außerdem soll Fußgängern und Radfahrern gegenüber dem motorisierten Verkehr mehr Platz eingeräumt werden. Pkw-Stellplätze wird es weiterhin geben, jedoch weniger als bisher.
Die Verwaltung legte zwei Planvarianten vor. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen in der Anzahl der Stellplätze und somit im verfügbaren Raum für neue Gestaltungsmaßnahmen. Derzeit stehen 33 Stellplätze zur Verfügung. In einer Variante reduziert sich die Zahl der Stellplätze auf 29, in der anderen auf 20. Erste Vorschläge des Büros Kommunalentwicklung GmbH Stuttgart, mit dem die Stadt dafür zusammenarbeitete, sahen noch weniger Stellplätze vor, doch dafür fand sich keine Mehrheit.
Beigeordneter plädiert für mehr Grün
Johannes Martin, Technischer Beigeordneter der Stadt, plädierte für die Variante mit weniger Stellplätzen, zumal sich in unmittelbarer Nähe das Parkhaus Stadtmitte befindet. Sie unterscheidet sich von der anderen Varianten vor allem durch weniger Stellplätze in der Heiligkreuzstraße und zwar mit sechs statt 14 Parkmöglichkeiten. In der Lampertstraße verbleiben acht, in der Hechinger Straße sechs Stellplätze.
Während die Variante mit mehr Stellplätzen in erster Linie darauf abziele, die bestehende Situation weitgehend wiederherzustellen, verfolge die alternative Variante einen nachhaltigen Ansatz im Sinne der Klimaanpassung. Es kann mehr Fläche entsiegelt werden, was den Wasserhaushalt verbessert. Bei stärkeren Regenfällen können die zusätzlichen 520 Quadratmeter Grünfläche Wasser aufnehmen, das nicht in die Kanalisation abgeführt werden muss und teils auch den Grünflächen und Bäumen zusätzlich zur Verfügung steht.
Verbesserung des Mikroklimas und der Kohlendioxid-Bilanz
Außerdem werde das Mikroklima verbessert und die Luftqualität erhöht. Die Stärkung bestehender Standorte von Bäumen und neue Bäume, die gepflanzt werden, reduzieren durch Beschattung und Verdunstungskälte die Hitzebelastung und tragen zu einer besseren Kohlendioxid-Bilanz bei.
Darüber hinaus werde dem Fuß- und Radverkehr mehr Platz eingeräumt. Damit sinke die Lärmbelastung im Quartier. Auch Ruhezonen mit Sitzelementen sind geplant. Insgesamt mache die Umgestaltung die Innenstadt attraktiver. Was die Kosten betrifft, gebe es keinen Unterschied zwischen den beiden Varianten.
Im Rahmen der Arbeiten wird in Teilen die bestehende Leitungsinfrastruktur für die Versorgung mit Strom, Gas, Wasser und Telekommunikationstechnik sowie Abwasserkanäle erneuert. Auch Nahwärmeleitungen werden verlegt.
Im Ausschuss eine Woche zuvor hatten alle Fraktionen ihre mehrheitliche Zustimmung zu dieser Variante mit weniger Stellplätzen signalisiert. So gab es dafür am Dienstag im Gemeinderat auch eine große Mehrheit bei nur zwei Gegenstimmen. Zuvor hatte Ellen Fetzer (NT 14) die Anregung gegeben, zwei alte Bäume in der Heiligkreuzstraße nicht zu fällen, um sie zu ersetzen. Sie hätten sich trotz eher ungünstiger Bedingungen durchgesetzt und seien vital. Von Seiten des Tiefbauamts wurde zugesagt, das erneut zu überprüfen.
Einsparungen beim Belag erzielt
Nochmals aufgekommen war im Ausschuss die Frage der Straßenbeläge, für die es im April bereits eine Grundsatzentscheidung gegeben hatte. Einig war man sich darin gewesen, die Fahrbahnen der Heiligkreuzstraße und der Hechinger Straße wieder zu asphaltieren, statt mit Betonpflaster auszustatten, was teurer käme. Dafür spricht die höhere verkehrliche Belastung als Zu- und Abfahrt zum Parkhaus. Bei der Lampertstraße votierte damals eine Mehrheit für Natursteinpflaster, wie es auch in der Fußgängerzone verlegt ist. Die Fraktion NT 14 hatte am Dienstag einen Antrag gestellt, erneut abzustimmen und sich für günstigeres Betonpflaster zu entscheiden. Offenbar führte die Haushaltslage zu einem Umdenken, gab es doch nun eine Mehrheit für diesen Antrag bei acht Gegenstimmen aus den Reihen der Freien Wähler und der FDP, zwei Stadträte enthielten sich.
Die Einsparung beträgt rund 173.000 Euro. Insgesamt wird nun mit Kosten von rund 1,86 Millionen Euro gerechnet, von denen rund 830.000 Euro aus Fördermitteln des Landes bestritten werden sollen, womit für die Stadt Kosten von knapp über einer Million Euro entstehen.
Nürtingen | 17.12.2025 - 05:00
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