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TG Nürtingen gastiert bei der SG Kirchhof

Handball, Zweite Bundesliga, Frauen: Gespielt wird in der früheren Halle der MT Melsungen.

Nach dem Topspiel beim HC Leipzig wartet auf Annika Distel und Co. nun die von der Papierform her weitaus leichtere Aufgabe bei Aufsteiger SG Kirchhof. Foto: Ralf Just

Nichts Zählbares, dennoch gut gestartet, so liest sich die Bilanz des Frauenhandball-Zweitligisten TG Nürtingen nach seinem Re-Start nach der fünfwöchigen WM-Pause. „Wir haben ein paar schlechtere Entscheidungen als Leipzig getroffen“, blickte TG-Abteilungsleiter Gunnar Fischer auf die durchaus vermeidbare, jüngste 29:30-Niederlage der Nürtingerinnen beim dadurch weiter verlustpunktfreien, souveränen Spitzenreiter HC Leipzig. Ob diese insgesamt dritte Saison-Pleite verdaut sei? „Da gibt es nichts zu verdauen“, entgegnete Fischer recht deutlich und weiter: „Man hat dabei wie in den Pokalspielen gegen die Erstligisten aus Metzingen und Oldenburg wieder gesehen, dass wir auch mit den Topmannschaften der Liga mithalten können.“

Auch die Spielerinnen seien alles andere als niedergeschlagen. Stattdessen gehen die „Neckarmädels“ erhobenen Hauptes in die letzte Aufgabe des insgesamt so erfolgreichen Kalenderjahres 2025. Diese führt sie am Sonntag (16 Uhr) zu Aufsteiger SG Kirchhof, ein bekannter Gegner aus früheren Zweitliga-Jahren, allerdings auch einer, der mit den einstigen Mannschaften, des im nicht einmal 500 Einwohner zählenden Melsungener Stadtteil beheimateten Klubs, relativ wenig zu tun hat. Der Trainer, der ist jedoch wieder ein aus der Vergangenheit ebenfalls bestens Vertrauter.

Christian Denk hat den Verein, der seit langen Jahren von seiner Mutter Renate geführt wird, und der ausschließlich Mädchen- und Frauenmannschaften beherbergt, zwischen 2015 und 2020 trainiert, übernahm dann 2022 die Nachwuchsförderung und nach dem Aufstieg 2025 zudem wieder das Zweitliga-Team. Der Fokus liegt mittlerweile nicht nur auf Letzterem. Besonders stolz ist Christian Denk schließlich auch auf das zuletzt Aufgebaute. „Wir haben insgesamt drei Bundesliga-Mannschaften“, erläutert der 42-Jährige, neben besagtem Nürtinger Zweitliga-Mitstreiter „auch noch eine A- und B-Jugend in der Bundesliga.“ Die gelte es nun nach und nach an die Frauen heranzuführen, gerade wegen des guten Unterbaus ist Denk überhaupt nicht bange angesichts der Zukunft. „Früher habe ich hier Spielerinnen aus neun Nationen trainiert, heute ist das ganz anders“, beschreibt er die neue Philosophie des Vereins, der in dieser Saison mit seinem Aushängeschild bislang aber eher in den unteren Tabellengefilden herumdümpelt. „Die Punkte sind noch nicht so da“, sagt Denk – aber auch das: überhaupt kein Beinbruch.

„Insgesamt geht es uns ganz gut, auch wenn der Mix noch nicht so ganz stimmt“, sagt der Trainer des derzeit Drittletzten. Zwei Spiele hat seine Truppe bisher gewonnen, gegen die direkten Konkurrenten Leverkusen (31:26) und in Freiburg (26:23). Die 26:30-Niederlage in Lintfort sowie das jüngste 28:30 beim Rostocker HC haben ihm hingegen etwas missfallen. Dennoch müsse sich das Ganze natürlich auch noch einspielen, denn im Sommer gab es einen großen Umbruch. „Ich habe die Mannschaft ziemlich umgekrempelt und zehn neue Spielerinnen eingebaut. Von denen, die aufgestiegen sind, sind nicht mehr viele übrig“, gibt der Trainer Einblicke.

Eine der Neuen hat auch eine Nürtinger Vergangenheit. Torhüterin Lena Schmid wollte eigentlich zur HSG Bad Wildungen wechseln, als diese aber auch aus der zweiten Liga abstieg, kam es stattdessen zum Transfer zur SG. „Lena hat viel Zweitliga-Erfahrung“, ist Denk froh darüber, die frühere TG-Keeperin nach Kirchhof gelotst zu haben. Die 24-Jährige hat damit zudem vielen ihrer Mitspielerinnen einiges voraus.

Denn Christian Denk schickt eine sehr junge Mannschaft auf die Platte, „die jüngste der Liga“, wie er sagt. Juliana Wagner, die mit 60 Treffern derzeit viertbeste Zweitliga-Torschützin ist 18 und könnte noch A-Jugend spielen, Linksaußen Emilia Damm gar erst 16. Aus besagten Jugendmannschaften sollen weitere Talente ans erste Team herangeführt werden. „Wir können so auch viel Geld sparen“, nennt er einen nicht unerheblichen Aspekt. Kein Wunder, dass der Coach recht entspannt in die Zukunft blickt, aber natürlich zuvorderst hofft, „dass wir unser Ziel Klassenerhalt erreichen“.

Die Partie gegen die TG Nürtingen wird eine besondere. Der „Handball-Silvesterkracher“, wie ihn der Verein auf seiner Homepage tituliert, wird in der Arena Rotenburg ausgetragen, der früheren Spielstätte des Männer-Bundesligisten MT Melsungen. „Eine tolle Halle mit einer besonderen Atmosphäre“, sagt Christian Denk. Er hofft auf 1000 Zuschauer in diesem „Bonusspiel“. Nichts anderes sei die Begegnung gegen die hoch favorisierten Nürtingerinnen für ihn und seine Truppe. Dennoch besteht da ein kleines Fünkchen Hoffnung bei Denk und Co. auf die Sensation gegen das „Top-Team“ aus Nürtingen. „Wir sind heimstark“, so der SG-Coach, hinzu kommt, dass die TGlerinnen ihre drei letzten Auswärtsspiele in Solingen, Regensburg und eben beim HC Leipzig verloren haben, eine Tatsache, die in der Hölderlinstadt allerdings keine allzu große Bedeutung zu haben scheint.

„Diese Erkenntnis spielt für mich keine Rolle“, meint Gunnar Fischer. Zumal der Tabellenvierte in Solingen und Regensburg eher schlechte Tage erwischte. „Da haben wir uns selbst geschlagen“, so der Abteilungsleiter. Viel lieber will er das Leipzig-Spiel als Maßstab nehmen. „Wenn wir so spielen, schlägt uns außer dem HC in dieser Liga wohl niemand. Für uns ist wichtig, dass wir in Kirchhof gewinnen, auch im Hinblick auf unser Heimspiel am 3. Januar“, macht er deutlich. Die TGlerinnen hatten am 23. 24. und 25. Dezember trainingsfrei, sind am zweiten Weihnachtsfeiertag wieder ins Training eingestiegen. Die letzte Einheit vor dem Spiel muss am 27. Dezember in Wolfschlugen über die Bühne gehen. In der Eisenlohrhalle steigen dieser Tage Hallenfußballturniere.

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