Nürtingen
Neues Wollgeschäft in Nürtingen: Ein Lebenstraum auf wenigen Quadratmetern
Angela Gentner hat in der Nürtinger Schlossgartenstraße 12 „Angi’s Wolle-Lädle“ eröffnet. Was sie noch für Pläne hat.
NÜRTINGEN. Es ist eine heimelige Ecke Nürtingens mit Kopfsteinpflaster, Klappläden an den kleinen Fenstern und Fachwerk. Mittendrin, im mittelalterlichen Ackerbürgerhaus in der Schlossgartenstraße 12, hat sich Angela Gentner einen Traum erfüllt und ein Wollgeschäft eröffnet. Ob in zarten Naturtönen oder Knallfarben: In den Regalen finden sich Knäuel in vielerlei Variationen. „Grün geht gut, besonders gefragt sind auch Bordeaux und Blau“, sagt die Betreiberin. Baumwolle, Alpaka, Merino- und Schurwolle sind in „Angi’s Wolle-Lädle“ zu bekommen. Auch auf Kundenwünsche wird eingegangen: „Immer wieder wurde ich nach Sockenwolle gefragt“, so Angela Gentner. Die komplettiert deshalb neuerdings neben Strick- und Häkelnadeln das Sortiment.
Gestrickt werden vor allem Pullover und Stulpen
Wolle kauften Kundinnen derzeit vor allem, um Pullover zu stricken, so die Erfahrung der Wendlingerin. Selbstgemachte Stulpen und Handschuhe ohne Finger seien ebenfalls der Renner. Ihre Kundschaft reiche von alt bis jung. Auch ganz junge Leute würden wieder stricken und häkeln. „Ganz jung“, das sind für sie 18- bis 25-Jährige. „Manchmal warten die Leute schon, wenn ich komme und den Laden aufschließe“, sagt Angela Gentner. An anderen Tagen, wie an diesem tristen und nassen Herbsttag, verirrt sich kaum jemand in die verwinkelten Gassen, die ihr Potenzial bei Weitem nicht ausschöpfen. Wechselvoll auch die jüngere Geschichte des Ladens in der Schlossgartenstraße 12: Vor einem Jahr eröffnete dort die „Schatzkammer“, ein Jahr zuvor die „Zaubervilla“. Davor war in dem Eckladen das „Treibgut“ mit Unikaten aus Holz zu Hause.
Die Inneneinrichtung des kuscheligen, etwa zwölf Quadratmeter kleinen Ladens mit Backsteinelementen und derben Holzbalken ist weitgehend selbst gezimmert: „Die Regale hat mein Mann gemacht“, erzählt Angela Gentner. „Er sagt immer: Was andere können, kann ich auch.“ Sie selbst verfährt nach einem ähnlichen Motto. Die gebrauchte Kommode, die als Verkaufstresen dient, hat sie mit Blumen und einem Welcome-Schriftzug aufgepeppt. Nun sieht er genau so aus, wie sie sich einen Tresen vorgestellt hatte.
Im Laden kann man sich Ideen holen
Hingucker außerdem: Gehäkeltes und Gestricktes in verschiedenen Macharten und Garnqualitäten. Ein rosafarbener Bolero mit Perlmuster und gehäkelter Bordüre etwa hängt an der weißen Wendeltreppe, ein aufwendig gearbeiteter Frosch mit breitem Maul und aufgesetzten Glupschaugen baumelt im Schaufenster. Kleider, Kuscheltiere und Co. sollen den Kundinnen Ideen liefern und ihnen zeigen, wie die Wolle wirkt, wenn sie verarbeitet ist. „Das habe ich alles selbst gestrickt oder gehäkelt. Eine Anleitung brauche ich dazu nicht. Mir reichen Fotos“, so Angela Gentner. „Auch meine Taschen mache ich alle selbst“, sagt sie und präsentiert zum Beweis ein paar geräumige Exemplare zum Umhängen. Derzeit strickt sie sich aus Boucle-Wolle einen Pullover mit doppeltem Faden. Als wäre das mit Noppen und Schlingen durchsetzte Garn nicht einfädig schon schwierig genug zu beherrschen, sollte mal eine Masche von der Nadel fallen.
Schon früh hatte die 54-Jährige von ihrer älteren Schwester das Stricken gelernt. „Häkeln habe ich mir selbst beigebracht. Wenn man möchte, dann geht das“, sagt sie. Sie selbst fertige immer irgendwelche Handarbeiten an. „Ich bin süchtig danach. Ich kann nicht nur dasitzen und nichts tun. Meine Hände müssen arbeiten“, sagt sie. „Wenn du etwas Schönes geschaffen hast, macht dich das glücklich.“
Geplant sind Strick- und Häkelkurse
Zuletzt hatte Angela Gentner in einer Poststelle in einem Unternehmen in Neuhausen gearbeitet. Weil die Post immer weniger wurde, musste sie gehen. Für sie kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Im Gegenteil: Es war für sie der Augenblick, sich ihren Lebenstraum zu erfüllen. Mit der Einrichtung des Ladens in der Nürtinger Altstadt ist ein Anfang gemacht. „Mich mit Leuten zu unterhalten, die die gleichen Interessen haben wie ich und dieselbe Begeisterung teilen, finde ich schön“, sagt sie und schmiedet weitere Pläne: „Ich möchte Strick- und Häkelkurse anbieten.“ Während ihr Blick durch den kleinen Raum schweift, meint sie: „Mit fünf Leuten müsste das hier gehen.“ Wenn es gut laufe, könne sie sich vorstellen, sich zu vergrößern. Wunschtraum wäre ein Laden mit einer Ecke, in der sie Kaffee anbieten könnte und in der die Kunden zusammen basteln oder stricken könnten – egal ob mit Wolle in zarten Naturtönen oder in Knallfarben.
Geöffnet hat „Angi’s Wolle-Lädle“ in der Nürtinger Schlossgartenstraße 12 dienstags bis freitags jeweils von 11 bis 17 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr.
Nürtingen | 17.12.2025 - 05:00
Zunftlade bereichert Nürtinger Stadtmuseum
Die frühere Nürtinger Stadträtin Annemarie Hammelehle hat dem Museum ein besonderes Exponat aus dem Jahr 1768 übergeben. „Es ist eine Traumspende“, sagt Museumsleiterin Melina Wießler. Die Zunftlade soll Teil der Dauerausstellung werden.