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Klassentreffen nach 50 Jahren: Abiturienten des Högy Nürtingen wieder vereint

Der erste Abi-Jahrgang erinnert sich: Das „Schriftliche“ wurde im Festsaal der Stadthalle abgelegt, weil das Hölderlin-Gymnasium in der Neckarsteige zu verwinkelt und mit Pfosten versehen war

Einige Absolventen des ersten Abiturs am Nürtinger Hölderlingymnasium, die kürzlich ihr 50-jähriges Abitur feierten, vor dem heutigen Hölderlinhaus. 1975 wurde das Gebäude als Schulhaus genutzt, jetzt führte Susanne Ackermann, die Leiterin des Nürtinger Kulturamtes, die Gruppe rund zwei Stunden lang durch das Haus. Foto: Rolf Richter

NÜRTINGEN. Am 27. Mai 1975 wurde ihnen das „Zeugnis der Reife“ bescheinigt – jetzt trafen sich 32 der damaligen Abiturienten aus Anlass des 50-Jahre-Jubiläums des Endes ihrer Schulzeit wieder. Das Besondere: Das „Abi ‘75“ war das erste Abitur des damit zum „Voll-Gymnasium“ aufgestiegenen Nürtinger Hölderlin-Gymnasiums.

Weil das Gymnasium Nürtingen am Fuße des Steinenbergs Ende der Sechziger Jahre aus allen Nähten platzte, wurde zum Schuljahr 1970/71 in der Neckarsteige das Hölderlin-Progymnasium eröffnet – die „alte“ Schule wurde zur Unterscheidung zum Max-Planck-Gymnasium. Am „Högy“ legten 1975 schließlich mehr als 60 Schüler aus drei Parallelklassen ihre Reifeprüfung ab. Sie hatten zum Teil vor ihrer „Gymi-Laufbahn“ noch eine Aufnahmeprüfung machen müssen und waren durch zwei Kurzschuljahre (1966 und 1967) zusätzlich gestresst worden.

Unterricht im Hölderlinhaus

Und weil die Räumlichkeiten im heutigen Hölderlinhaus sehr beengt, verwinkelt und mit mehreren stützenden Säulen versehen waren, mussten die drei Klassen ihr Abitur im Festsaal der Stadthalle schreiben, mit mehreren Metern Abstand zu den Nachbartischen links und rechts, davor und dahinter. Aber immerhin konnten sie sich beim gedankenverlorenen – oder Gedanken suchenden – Blicke aus den großen Fenstern an einem schönen Ausblick auf das pulsierende Leben der einst noch nicht verkehrsberuhigten Heiligkreuzstraße erfreuen.

Auch entdeckten sie vereinzelt Angehörige, die den „kasernierten“ Prüflingen vor der Stadthalle die Daumen drückten und ihnen aufmunternd zuwinkten. Als schließlich alles geschafft und auch das Mündliche vorüber war, wurden die Schüler bei der Abschlussbesprechung im Bio-Saal des Högy von ihrer „Chefin“, Oberstudiendirektorin Liselotte Preis, mit „Liebe Ehemalige“ begrüßt! Bei ihrer Abiball-Rede in der Stadthalle gab sie dann bekannt, dass am selben Tag vom Regierungspräsidium Stuttgart die Zusage für einen Neubau auf dem Lerchenberg erfolgt sei, wo dann erstmals 1978 unterrichtet wurde.

Schwelgen in Erinnerungen

In allen diesen und noch viel mehr Erinnerungen schwelgten jetzt bei ihrem Abi-Jubiläum die damaligen Pennäler. Thomas Strohschneider hatte zahllose alte Fotos eingescannt, und sie wurden in Endlosschleife im Nebenzimmer des Schlachthofbräus mit viel Gelächter begutachtet.

Roland Leitgeb konnte gar einen uralten Super-8-Film eines Schulausflugs ausgraben, der noch aus der Zeit „Als die Bilder laufen lernten“ zu stammen schien. Einige Ex-Schülerinnen hatten Zeitungsausschnitte dabei, die das Schulleben am Högy und bei anderen Gelegenheiten zeigten.

Leider ließ sich ein Rundgang durch das „neue“ Högy nicht verwirklichen, weil die Schulleitung an den „Abi-Ersties“ kein Interesse zeigte, aber Helmut Schier, dem Organisator des Treffens, war es gelungen, einen Besuch des Hölderlinhauses in der Neckarsteige zu vereinbaren. Susanne Ackermann, die Leiterin des Nürtinger Kulturamtes, führte die Gruppe rund zwei Stunden durch das Haus, das allerdings heute mit dem Högy von 1975 nur noch zwei stehengebliebene Außenmauern gemein hat. Das Gebäude löste dennoch viele Erinnerungen aus, sodass am Ende alle sehr beeindruckt vom Ausblick auf die Umgebung und das fast ausschließlich aus Holz gearbeitete Interieur waren.

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