Leserbriefe

Wie auf dem Fischmarkt

Friedrich Röcker, Nürtingen. Zum Artikel „Was kostet die Östliche Bahnstadt die Stadt Nürtingen?“ vom 18. Juli.

In der Sitzung des Gemeinderats am 16. Juli wurde für das Projekt „Bahnstadt-Ost“ eine Kostenzusammenfassung für die Erschließung, die Freianlagenplanung und die Brückenbauwerke vorgelegt. Dabei wurde der sich aus der Differenz von Einnahmen und Ausgaben ergebende Finanzbedarf zunächst mit 8,9 Millionen Euro angegeben. Danach folgten mehrere Finanzkunststücke. Die Kosten für die Schmutzwasserkanalisation (2,6 Millionen) und das Regenwassermanagement (1,4 Millionen) wurden herausgerechnet. Dies „senkt“ die Projektkosten auf 4,9 Millionen Euro. Die Begründung: Diese Aufwendungen müssen nicht durch den städtischen Haushalt aufgebracht werden, sondern sind durch die Abwassergebühren refinanziert. Dass die Abwassergebühren in Wirklichkeit von uns Bürgern bezahlt werden müssen, wurde wohlweislich nicht erwähnt. Wir müssen folglich diese Baukosten nicht mit dem Bauprojekt, sondern mit unseren Abwassergebühren aufbringen. Ein wirklich signifikanter Unterschied.

Danach ging es weiter wie auf dem Hamburger Fischmarkt: Noch ein Rabatt (Zuschüsse) und noch ein Nachlass (bereits bezahlte Kosten). Am Ende standen „nur noch“ 1,5 Millionen Euro, ein Angebot, bei dem man einfach nicht „nein“ sagen kann. Was für ein groteskes Schauspiel und welch grandioser Einfall, um den Gemeinderat gnädig zu stimmen. Und keiner – außer drei Gegenstimmen - hat‘s gemerkt.

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