Dorothea Lottermann, Wendlingen. Zum Artikel „AfD setzt bei Parteitag auf Geschlossenheit“ vom 8. Juni.
Am 6. Juni fand der Landesparteitag der AfD statt. Nach außen wirkte alles völlig geräuschlos – ganz nach dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“. Alice Weidel zeigte sich ausgesprochen zuversichtlich und erklärte, sie rechne fest damit, dass die AfD im Herbst zwei Ministerpräsidenten stellen werde.
Bemerkenswert ist jedoch, worüber auf diesem Parteitag nicht gesprochen wurde. Kein Wort über die Vorwürfe gegen den ehemaligen Schatzmeister, der einen sechsstelligen Betrag unterschlagen haben soll und darüber hinaus der Techniker Krankenkasse einen hohen finanziellen Schaden verursacht haben soll. Auch die Absetzung des Stuttgarter Kreisvorstands wegen angeblichen „Organversagens“ wurde offenbar ohne weitere Diskussion zur Kenntnis genommen. Damit schien das Thema für die Parteiführung erledigt zu sein.
Die Berichterstattung in den Zeitungen nahm für den Parteitag bis zu drei Viertel einer Seite ein. Was jedoch völlig fehlte, war ein Hinweis auf die Proteste in Heidenheim. Dort zogen nach Angaben der Veranstalter und Beobachter rund 500 Menschen – Familien, ältere und jüngere Bürgerinnen und Bürger – friedlich den Schlossberg hinauf, um ihren Unmut über diese Veranstaltung zum Ausdruck zu bringen. Andreas Stoch, Landesvorsitzender der SPD Baden-Württemberg, hielt dabei eine engagierte und emotionale Rede.
Ich frage mich: Warum waren es nur etwa 500 Menschen? Es müssten Tausende sein, die sich öffentlich für Demokratie und gegen die Gefahren des Rechtspopulismus einsetzen. Wann wacht der Südwesten endlich auf und setzt sich ernsthaft damit auseinander, welche Folgen es hätte, wenn diese Partei kommunale oder gar Landesregierungen übernehmen würde?
Ebenso bedauerlich finde ich, dass die Presse über diesen friedlichen Protest kein einziges Wort verlor. Auch durch das Weglassen wichtiger Ereignisse kann Politik beeinflusst und dazu beigetragen eine Partei weiter salonfähig erscheinen zu lassen. Für mich wirft das Fragen nach der Ausgewogenheit und Unabhängigkeit der Berichterstattung auf.
Leserbriefe | 01.07.2026 - 05:00
Ungeschickt und ungerecht
Helmut Hartmann, Nürtingen. Zum Artikel „Diäten der Abgeordneten steigen“ vom 10. Juni.
„Diäten der Abgeordneten steigen“, war die Überschrift in der Zeitung. Dies wunderte mich sehr, da zurzeit in Berlin alle möglichen Anstrengungen unternommen ...