Judith Sauer, Neckartailfingen. Zum Artikel „Wir dürfen uns Debatten nicht kaputt machen lassen“ vom 8. August.
Shitstorm. Aus dem Ruder gelaufen. Wie hätte man das verhindern können? Die Redakteurin sieht die Lösung in der Debatte auf Augenhöhe, im kleinen Kreis. In meinen Augen der falsche Ansatz. Wir leben in einer hyperindividualisierten Zeit, in der Einzelpersonen via Social Media, Onlinepetitionen und so weiter ihren Anliegen rasch Öffentlichkeit verschaffen können. Die Frage ist: Wie geht man mit lautstark geäußerten Partikularinteressen um? Zu viele Menschen haben aus den Augen verloren, dass sie in einer Gemeinschaft leben, in der nicht immer die eigene Befindlichkeit zum Maßstab genommen werden kann. False Balancing in den Medien führt dazu, dass Partikularinteressen ebenbürtig zu den Interessen der Mehrheit dargestellt werden. Und dann wird gefordert, dass man die Interessen aller Beteiligten berücksichtigen möge. Am Ende erreichen Partikularinteressen auf diese Weise einen Einfluss, der ihnen anhand der Kleinheit ihres Anteils an der Gesellschaft eigentlich nicht zusteht. Um Missverständnissen vorzubeugen: Jede:r kann und darf Anliegen und Interessen äußern, keine Frage. Nur sollte sich jede:r dessen bewusst sein, dass man in einer Gemeinschaft kein Anrecht auf die Umsetzung eines persönlichen Interesses hat. An die Medien kann man nur appellieren, nicht jede Debattensau durchs Dorf zu treiben. Auch nicht, wenn man damit das journalistische Sommerloch füllen zu können glaubt.
Leserbriefe | 30.09.2026 - 05:00
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Leserbriefe | 30.09.2026 - 05:00
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