Leserbriefe

Musik wird nicht reichen

Maike Pfuderer, Stuttgart. zum Artikel „Ich will junge Leute in die Kirchen holen“ vom 18. Juli.

Popmusik ist eine gute Sache – nur ob sie die Kirche vor weiterem Mitgliederschwund bewahren wird? Als ehemalige Angehörige der Landeskirche habe ich da meine Zweifel. Pop oder Popularmusik kann Menschen ansprechen, sie kann aber auch abschrecken. Die Schwelle vom modernen Kirchenpop zum evangelikalen Lobpreis mit seinen bisweilen sehr speziellen Texten und Botschaften ist schmal. Gerät Kirche damit in den Dunstkreis einer Lobpreis- und Anbetungskultur, stellt sich die Frage: Erreicht sie damit wirklich jene Menschen, die sich längst von ihr entfernt haben?

Sicher darf eine Kirche nicht konservativ am Alten festhalten – was diese Landeskirche in manchen rechtlichen und gesellschaftlichen Fragen durchaus beherrscht. Aber Modernität entsteht eben auch nicht allein dadurch, dass man alte Formen durch neue ersetzt. Mich erinnert das an meine Konfirmandinnenzeit vor 45 Jahren. Damals bekamen wir statt der Lutherbibel die „Gute Nachricht“ – und als Zeichen äußerster Progressivität war die Bibel auch noch in Jeansstoff gebunden. Ein netter, aber letztlich ziemlich hilfloser Versuch, Modernität zu demonstrieren.

Die Landeskirche verliert Menschen. Nicht nur Kirchensteuerzahlende, sondern auch Menschen, die zum Dienst ordiniert oder berufen sind, Pfarrpersonen und Diakoninnen und Diakone. Vielleicht sollte sie sich intensiver fragen, warum Menschen gehen. Eine Kirche, die Missbrauch und dessen Folgen nicht konsequent genug aufarbeitet oder die bei der Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren aus meiner Sicht noch immer Ungleichbehandlung als Fortschritt verkauft, löst ihr Glaubwürdigkeitsproblem nicht mit einem neuen Sound. Musik kann Menschen ins Herz singen. Aber sie kann nicht übertönen, woran Kirche tatsächlich krankt.

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