Klaus Doster, Frickenhausen. Zum Artikel „Audi-Milliarden-Investition in den USA“ und Kommentar „Peinliche Wahlkampfhilfe“ vom 26. Oktober.
Ein CEO ist in erster Linie seinem Unternehmen verpflichtet und in der aktuellen Situation von Audi und VW ganz besonders dazu, sein Unternehmen zu retten. Auch wenn der moralische Preis möglicherweise sehr hoch ist. Falls es Moral sowohl in der Politik als auch in der Industrie überhaupt noch gibt. Und falls ja: Wer genau legt dann die moralischen Maßstäbe fest?
So, wie der Audi-CEO seinem Unternehmen verpflichtet ist, wäre die Politik mit ihrem Handeln – sogar per Amtseid – dem Wohl ihres Volkes und ihres Landes verpflichtet. Das Gegenteil ist der Fall: Hohe Energie-, Arbeits- und Sozialkosten sowie Bürokratie und Regularien beziehungsweise Vorgaben sorgen dafür, dass Unternehmen abwandern. Jetzt seitens der Presse die Moralkeule zu schwingen, zeugt von Heuchelei, einseitiger Ideologie und Verdrängung der deutschen und europäischen Politik- und Wirtschaftswirklichkeit. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich sage zum Audi-Chef nicht: „Alles richtig gemacht.“ Ob das im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner hätte sein müssen, darüber kann man diskutieren. Über die Einladung zu dieser Wahlkampfveranstaltung und deren Ablauf sind mir allerdings die Hintergründe unbekannt. Es wäre nicht die erste Veranstaltung, bei der Treffen mit Donald Trump nicht ganz ohne (zweifelhafte) Überraschungen ablaufen. Es gibt auch Veranstaltungen, die „besucht man freiwillig“, bei denen man in der Realität aber keine andere Wahl hat. Sehr viele andere (moralisch bessere) Optionen hatte der Audi-CEO wohl nicht mehr.
Was ich der gesamten Wirtschaftselite, auch dem CEO von Audi, allerdings vorwerfe, ist, dass sie ihren Einfluss auf die Politik hierzulande nicht deutlich geltend macht, sondern dem planlosen Treiben mit zig wirkungslosen Reformankündigungen tatenlos und mehr oder weniger schweigend zuschaut. Bis zum bitteren Ende für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
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