Leserbriefe

Misstrauen ist angebracht

Jörg Nolle, Nürtingen. Zum Artikel „Hohe Nebeneinkünfte von Matthias Hiller lösen Debatte aus“ vom 26. Juni.

Eine Viertelmillion Euro Nebeneinkünfte zum Mandat im Bundestag – das ist wahrlich ein satter Betrag. Der Leser nimmt selbstverständlich zur Kenntnis, dass diese Einkünfte aus Matthias Hillers „Verantwortung“, wie er der Zeitung gegenüber kundtut, resultieren. Schließlich ist er Mitinhaber einer Steuerberatungskanzlei in Nürtingen mit 20 Mitarbeitern. Wie aber schaut es mit seiner Verantwortung für das Gemeinwesen aus?

MdB Hiller nahm zusammen mit anderen Mandatsträgern und über 30 per Los bestimmten Bürgern am sogenannten Wahlkreistag der Diakonie teil – einer Landtagswahlveranstaltung am 24. Januar im Nürtinger Diakonieladen. Gefragt, wie er als Haushälter und Steuerfachmann der CDU denn die Machenschaften rund um Cum-Ex und Cum-Cum beurteilt, sprach Hiller Folgendes: Ja, Cum-Ex sei eine illegale Praxis gewesen, bei Cum-Cum sei sich die Fachwelt aber nicht einig.

Zur Erinnerung: Allein bei Cum-Cum schätzt die Bürgerbewegung Finanzwende den Schaden für den Staat und damit für uns alle auf 28,5 Milliarden Euro. Also, solange sich der MdB nicht klar von dieser Art des organisierten Diebstahls am Volk abgrenzen kann, ist leider so gut wie jedes Misstrauen angebracht. Da gibt es auch keine branchenübliche Verbrämung im Jargon der kreativen Steuergestaltung. Eher stellt sich die Frage nach der Befangenheit, wenn ein Steuerberater im Haushaltsausschuss sitzt. Die Jusos haben mit ihrem Anwurf so weit recht. Und ja, so weit stimmt auch der Kommentar von Ressortleiter Kai Müller: Man muss schon genau hinschauen, wie es zu den Nebeneinkünften kommt. Übrigens kommen MdBs auf die Liste, weil sie genau in gut dotierten Vorträgen über diesen Diebstahl am eigenen Volk aufklären.

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