Maike Pfuderer, Stuttgart. Zum Artikel „Neues Regenbogen-Banner für die Lutherkirche in Nürtingen“ vom 21. Juni.
Danke für den Mut. Danke für das beharrliche Eintreten für Vielfalt in Nürtingen. Die Lutherkirche ist nicht irgendein Ort. Sie wurde einst als Vorstadtkirche errichtet, im Krieg zerstört und wieder aufgebaut. In diesem Provisorium fand später der Vorläufer der heutigen Bodelschwinghschule eine erste Heimat – gegründet von engagierten Eltern und Bürger und Bürgerinnen, weil es damals noch keine angemessene Beschulung gab. Später kamen Neubau und Gemeindezentrum hinzu, über lange Zeit war die Kirche auch Versammlungsort für aus Eritrea geflohene Menschen.
Sie ist Heimat der Nürtinger Vesperkirche und heute erneut ein sichtbarer Ort für Vielfalt – auch gegen die Einfalt jener, die Banner zerstören, weil sie Vielfalt nicht ertragen. All das verdient Respekt. Und ja: Es ist gut, dass die Gesamtkirchengemeinde an der Lutherkirche erneut Flagge zeigt. Es ist richtig, sich nicht einschüchtern zu lassen und denen, die mit Zerstörung, Ressentiment und Feigheit gegen Sichtbarkeit vorgehen, nicht das letzte Wort zu überlassen.
Gerade deshalb gehört für mich aber auch ein kritischer Satz zur ganzen Wahrheit: So wichtig Regenbogenbanner und öffentliche Solidarität sind – sie ersetzen keine kirchliche Gleichstellung. In der württembergischen Landeskirche gibt es bis heute keine echte Trauung für queere Paare auf Augenhöhe mit heterosexuellen Ehepaaren. Für diese gilt die reguläre Trauordnung, für queere Paare lediglich eine kirchenrechtliche Konstruktion, die den Unterschied eben doch festschreibt. Ein Regenbogenbanner an der Kirche ist ein starkes Zeichen. Glaubwürdig wird es aber erst dann vollständig, wenn queere Paare in Württemberg endlich nicht mehr nur geduldet, sondern kirchenrechtlich wirklich gleichgestellt werden.
Leserbriefe | 16.07.2026 - 05:00
Missgunst statt Solidarität
Kai Hansen, Nürtingen. Zum Artikel „Hohe Dunkelziffer bei Sozialhilfebetrug“ vom 13. Juli.
Das Land ächzt unter einer anwachsenden Alterung, weniger Kinder kommen, Migranten werden ausgeladen und ungenügend integriert, und dazu kommt die ...
Leserbriefe | 13.07.2026 - 05:00
Ein Land als Selbstbedienungsladen?
Ansgar Lottermann, Wendlingen. Zum Leserbrief „Gedanken in der Notaufnahme“ vom 1. Juli.
In dem Leserbrief ist ein kleiner, aber nicht unbedeutender Fehler enthalten: Die im Land neu geschaffenen 60 Stellen gehen nicht auf das Konto von CDU und SPD, ...