Leserbriefe

Kriegstüchtig statt hitzefest

Johannes Heimann, Nürtingen. Zum Artikel „RKI: Zahl der Hitzetoten 2026 auf Rekordstand.“ vom 28. August.

Am 28. August konnte man in der Zeitung lesen: „Zahl der Hitzetoten 2026 auf Rekordstand.“ 15.800 Sterbefälle, so schätzt das Robert-Koch-Institut. Zum Vergleich: die Zahl der an Corona Verstorbenen in all den Jahren wird auf 189.000 geschätzt. Der Unterschied: Ob eine Pandemie kommt, können wir nicht beeinflussen. Die Rekordhitze 2026 dagegen ist auch Folge des menschengemachten Klimawandels.

Und was sagt die Bundesregierung dazu? Nichts! Das Thema wird nicht einmal erwähnt. Kein Wort der Anteilnahme oder des Mitleids. Keine prophylaktischen Maßnahmen für kommende Hitzeperioden. Kein Programm der Klimatisierung in Kliniken und Pflegeheimen. Notwendige Strukturreformen im Gesundheitssystem werden durch das vor kurzem verabschiedete Gesundheits-Machwerk weiter erschwert. Sollen doch die durch die Hitze gefährdeten Patienten weiter schmachten. Sollen die noch verbleibenden Krankenschwestern, Altenpfleger, Ärzte mitschwitzen und sich überlegen, wie lange sie in diesem Beruf weiterarbeiten wollen oder können. Der Hitzesommer 2026 ist ein klarer Hinweis darauf, dass der menschengemachte Klimawandel schneller kommt als gedacht.

Schlimmer als die, die dies prinzipiell nicht wahrhaben wollen wie die AfD, sind die vielen Politiker und Parteien, die „ja, aber…“ sagen. Der Klimawandel wird zwar nicht geleugnet, aber immer gibt es Wichtigeres zu tun: Wir müssen kriegstüchtig werden. Deutschland soll Europas größte Landstreitmacht haben. Unserem Bundeskanzler geht es offenbar hauptsächlich um Waffenkäufe. Da können Hitzetote nur stören. Ganz zu schweigen von den Hitzetoten in den subtropischen und tropischen Ländern. Das würde ja internationale Verantwortung bedeuten. Das wäre sicher nicht im Sinne von Herrn Merz, der die Dinge von einem klimatisierten Arbeitszimmer beurteilt!

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