Leserbriefe

Es fehlt der politische Wille

Uwe Jirikovsky, Aichtal-Neuenhaus.

Die Diskussion um Palantir bei der EnBW ist weit mehr als eine Debatte über einen einzelnen Softwareanbieter. Sie zeigt, worum es in den kommenden Jahren wirklich gehen wird. Heute sprechen wir über kritische Infrastruktur – über Stromnetze, Verkehr oder Krankenhäuser. In wenigen Jahren werden wir zusätzlich über die kritischen digitalen Betriebssysteme sprechen müssen. Denn egal ob Stromnetz, Bahn, Krankenhaus, Fabrik oder Logistik – sie alle werden künftig auf denselben Grundlagen aufbauen: Cloud, Künstliche Intelligenz, Datenplattformen und Software, die Entscheidungen unterstützt oder selbst trifft.

Wer diese digitalen Schichten kontrolliert, beeinflusst künftig die Handlungsfähigkeit unserer Wirtschaft und unseres Staates. Dass Baden-Württemberg als Haupteigentümer der EnBW europäische Alternativen fordert, ist deshalb folgerichtig. Ähnliche Überlegungen gibt es bereits bei der Bundeswehr und der Polizei Baden-Württemberg. Das zeigt: Es geht längst nicht mehr um einzelne Softwarelösungen, sondern um digitale Souveränität. Vor diesem Hintergrund ist auch die Forderung des Bundesdigitalministers vom 18. Juli 2026 nach einer engeren KI-Zusammenarbeit mit Frankreich zu verstehen. Europa braucht weder nationale Insellösungen noch einen einzelnen „europäischen Palantir“, sondern eine gemeinsame digitale Architektur. Dabei muss Europa nicht auf eine ferne Zukunft warten. Europäische Lösungen existieren bereits – etwa mit Schwarz Digits, Aleph Alpha und Almato. Was fehlt, ist weniger die Technologie als der politische Wille, diese Bausteine zu einer souveränen europäischen Architektur zu verbinden. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, welcher Anbieter heute den Zuschlag erhält. Sie lautet: Wie stellen wir sicher, dass Europa auch morgen die digitalen Schlüsseltechnologien beherrscht, auf denen seine Handlungsfähigkeit beruht?

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