Leserbriefe

Auf dem Holzweg

Joachim Braun, Nürtingen. Zum Leserbrief „Fakten statt Mythen“ vom 26. August.

Herr Fink fordert eine ideologiefreie Betrachtung. Blendschutzfrei blendet er die Realität unserer Energieversorgung jedoch selbst aus. Zu behaupten, dass fehlende Speicherkapazitäten nicht zur Unbeständigkeit der Windkraft gehören, verdreht Ursache und Wirkung. Genau diese Fluktuation erzwingt doch erst den massiven, extrem teuren Bau von Speichern und Netzen, deren technische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit in der Praxis noch völlig unzureichend gelöst ist.

Auch beim Wald greift das Argument der Ausgleichsflächen zu kurz. Ein auf dem Papier neu gepflanzter Jungwald kompensiert nicht den unmittelbaren Verlust von intaktem, jahrzehntealtem Waldboden, die Schwerlast- und Mikroklima-Schäden sowie die Zufahrtswege vor Ort im Landkreis Esslingen. Zudem entsteht Reifenabrieb auf asphaltierten Straßen – der Abrieb von Rotorblättern trifft hingegen direkt unberührte Natur- und Wasserschutzgebiete.

Wer die Frage nach Alternativen stellt, muss sich der Realität öffnen: Die Kernkraft ist weltweit längst weiter fortgeschritten, als das in Deutschland gepflegte Dogma vermuten lässt. Moderne Reaktorkonzepte (wie SMRs oder Generation IV) arbeiten flächenschonend, bieten grundlastfähige und CO₂-freie Energie ohne Landschaftszerstörung und wetterbedingte Ausfälle.

Anstatt unseren Industriestandort Baden-Württemberg und unsere Naturräume einer grünen Ausbau-Ideologie zu opfern, die auf flatterhaften Strom und astronomische Systemkosten setzt, brauchen wir wieder Technologieoffenheit. Wer den Wald für Zufahrtswege rodet, um wetterabhängigen Strom zu erzeugen, befindet sich auf einem gefährlichen Holzweg.

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