Gesundheit im Alltag

Experte Medius-Kliniken: Nickerchen im Alter – harmlos oder Warnsignal?

Ein kurzes Schläfchen am Tag gilt vielen als wohltuende Pause – gerade im höheren Alter. Doch eine neue Beobachtungsstudie aus den USA legt nahe: Nicht nur die Häufigkeit und Dauer von Nickerchen, sondern auch ihre Tageszeit könnte Hinweise auf den Gesundheitszustand geben.

Ein Nickerchen am Morgen kann bei Älteren auf ein erhöhtes Sterberisiko hinweisen. Foto: medius KLINIKEN / Canva

Die Untersuchung, veröffentlicht im Fachjournal JAMA Network Open, begleitete über 1300 ältere Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von rund 81 Jahren über bis zu 19 Jahre. Mithilfe von Bewegungssensoren wurde erfasst, wann und wie lange die Teilnehmenden tagsüber schliefen.

Wenn der Schlaf tagsüber „kippt“

Das Ergebnis: Wer regelmäßig tagsüber schlief, hatte insgesamt ein erhöhtes Sterberisiko. Besonders auffällig war dabei das morgendliche Nickerchen. Menschen, die bereits am Vormittag einschliefen, hatten ein um etwa 30 Prozent höheres Risiko zu versterben als jene, die erst später am Tag ruhten.

Auch die Menge spielte eine Rolle: Jede zusätzliche Stunde Tagschlaf ging mit einem deutlich erhöhten Risiko einher.

Kein Beweis für eine Ursache – aber ein wichtiges Signal

„Die Studie zeigt keine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung. Es ist also nicht das Nickerchen selbst, das schadet. Dennoch kann ein plötzlicher vermehrter Schlafbedarf gerade am Vormittag auf gesundheitliche Probleme hinweisen und sollte beim Hausarzt angesprochen werden“, erklärt PD Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Altersmedizin und Diabetologie der medius KLINIKEN.

Zu diesen möglichen gesundheitlichen Problemen zählen unter anderem:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Stoffwechselstörungen wie Diabetes
  • chronische Schmerzen
  • Atemstörungen wie Schlafapnoe
  • beginnende Demenz oder andere neurologische Veränderungen

Fachleute gehen davon aus, dass ein verschobener oder erhöhter Schlafbedarf am Tag oft ein Hinweis darauf ist, dass der Nachtschlaf nicht mehr erholsam ist – oder der Körper insgesamt stärker belastet ist.

Warum gerade der Vormittag auffällt

Ein Nickerchen am Morgen gilt als besonders ungewöhnlich, da der natürliche Schlafdruck zu dieser Zeit normalerweise gering ist. Wer dennoch einschläft, könnte bereits eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit entwickeln – etwa durch gestörten Nachtschlaf oder eine zugrunde liegende Erkrankung.

Was bedeutet das für den Alltag?

Ein gelegentliches Mittagsschläfchen bleibt für viele Menschen unproblematisch und kann sogar die Leistungsfähigkeit verbessern. Entscheidend ist jedoch der Kontext:

  • • Unauffälliges Nickerchen: kurz, gelegentlich, eher mittags
  • • Warnsignal: häufige, lange oder sehr frühe Schlafphasen am Tag

Wenn sich das Schlafverhalten deutlich verändert oder starke Tagesmüdigkeit neu auftritt, kann eine ärztliche Abklärung sinnvoll sein.

Fazit

Das morgendliche Nickerchen ist kein Grund zur Sorge – aber ein möglicher Hinweis, genauer hinzuschauen. Es ersetzt keine Diagnose, kann aber ein „Frühmarker“ für gesundheitliche Veränderungen im Alter sein. Entscheidend bleibt immer das Gesamtbild aus Schlaf, Leistungsfähigkeit und Allgemeinzustand.

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