Gesundheit im Alltag

Medizinerin der Medius-Kliniken: Warum Antibiotika nicht bei Erkältungen helfen

Antibiotika gelten als wichtige Medikamente gegen bakterielle Infektionen. Dr. med. Anke Reichelt de Tenorio von der Medius-Klinik Kirchheim erklärt, warum Antibiotika gezielt bei bakteriellen Infektionen eingesetzt werden sollten und welche Behandlung bei einer Erkältung wirklich sinnvoll ist.

Wenn Husten, Schnupfen und Halsschmerzen auftreten, wünschen sich viele Patientinnen und Patienten schnell ein Antibiotikum. Doch in den meisten Fällen ist dieses Medikament gar nicht geeignet, denn typische Erkältungen werden fast immer durch Viren ausgelöst.

„Antibiotika wirken ausschließlich gegen Bakterien und nicht gegen Viren“, erklärt Dr. med. Anke Reichelt de Tenorio, Oberärztin der Klinik für Innere Medizin, Rheumatologie, Pneumologie, Nephrologie und Diabetologie an der medius KLINIK KIRCHHEIM sowie stellvertretende Leitung der Krankenhaushygiene der medius KLINIKEN. „Deshalb helfen sie bei einer klassischen Erkältung in der Regel nicht.“

Erkältungen werden meist durch Viren ausgelöst

Typische Erkältungssymptome wie Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen werden meist von Viren verursacht. Der Körper bekämpft diese Infektion in der Regel selbst. Unterstützend helfen vor allem Ruhe, ausreichend Flüssigkeit und Medikamente gegen einzelne Beschwerden wie Fieber oder Schmerzen.

Antibiotika kommen nur dann zum Einsatz, wenn eine bakterielle Infektion vorliegt, zum Beispiel bei bestimmten Lungenentzündungen oder bakteriellen Entzündungen der Atemwege. In manchen Fällen kann sich aus einer Virusinfektion eine zusätzliche bakterielle Infektion entwickeln. Dann kann eine gezielte Behandlung mit Antibiotika sinnvoll sein.

Insbesondere bei einer Influenza kann es zu sogenannten Superinfektionen kommen. Dabei entwickelt sich auf dem Boden der Virusinfektion eine bakterielle Superinfektion, die im schlimmsten Fall in eine bakterielle Lungenentzündung übergehen kann. Solche schweren Verläufe lassen sich in der Regel durch Impfungen gegen Influenza, RSV und Covid-19 vermeiden. Wichtig ist, dass die Immunisierung rechtzeitig vor Beginn der Grippesaison erfolgt – idealerweise im Herbst.

Antibiotikaresistenzen als zunehmendes Problem

Der unnötige Einsatz von Antibiotika kann langfristig problematisch sein. Werden diese Medikamente zu häufig eingesetzt, können Bakterien Resistenzen entwickeln. Das bedeutet, dass Antibiotika ihre Wirkung verlieren. „Antibiotika sind wichtige Medikamente, die bei schweren Infektionen Leben retten können“, sagt Dr. Reichelt de Tenorio. „Umso wichtiger ist es, sie nur dann einzusetzen, wenn sie wirklich erforderlich sind.“ Die Weltgesundheitsorganisation zählt Antibiotikaresistenzen inzwischen zu den großen Herausforderungen für die globale Gesundheit.

Wann ärztliche Abklärung sinnvoll ist

Auch wenn eine Erkältung meist harmlos verläuft, sollten Beschwerden ernst genommen werden, wenn sie länger anhalten oder sich verschlimmern. „Wenn Fieber auftritt, ein starker, hartnäckiger und schmerzhafter Husten länger besteht oder sich der Allgemeinzustand deutlich verschlechtert, sollte man den Hausarzt aufsuchen, um die Symptome durch gezielte Laboruntersuchungen oder eine Röntgenaufnahme weiter abzuklären“, rät die Medizinerin.

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