Gesundheit im Alltag
Antibiotika und Darm – was Patienten wissen sollten: Chefarzt der Medius-Kliniken klärt auf
Für einen gezielten Umgang mit Antibiotika plädiert Professor Dr. Bodo Klump, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie, Tumor- und Palliativmedizin der Medius-Kliniken in Nürtingen und Ostfildern-Ruit.
NÜRTINGEN/KIRCHHEIM. Antibiotika sind aus der modernen Medizin nicht wegzudenken. Sie retten Leben und sind bei bakteriellen Infektionen oft unverzichtbar. Gleichzeitig greifen sie jedoch auch in ein empfindliches System des Körpers ein: den Darm. Im menschlichen Darm leben Milliarden von Bakterien, die eine wichtige Rolle für Verdauung, Immunsystem und Stoffwechsel spielen. Dieses sogenannte Mikrobiom kann durch Antibiotika aus dem Gleichgewicht geraten.
„Antibiotika wirken nicht nur gegen krank machende Bakterien, sondern beeinflussen immer auch die nützlichen Darmbakterien“, erklärt Professor Dr. med. Bodo Klump, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie, Tumor- und Palliativmedizin der Medius-Kliniken in Nürtingen und Ostfildern-Ruit. Viele Menschen kennen typische Nebenwirkungen wie Durchfall oder Bauchbeschwerden. In den meisten Fällen erholt sich der Darm wieder. Studien zeigen jedoch, dass sich die Zusammensetzung der Darmflora teilweise längerfristig verändern kann.
Probiotika: Hilfe oder Hype?
Nach einer Antibiotikatherapie greifen viele zu Probiotika. Doch deren Nutzen ist begrenzt. „Der Begriff Probiotikum ist nicht geschützt und die wissenschaftliche Datenlage sehr unterschiedlich“, so Professor Klump. „Ein pauschaler Darmaufbau durch frei verkäufliche Präparate ist nicht belegt.“ Zwar können bestimmte Präparate das Risiko für Durchfall senken, eine generelle Empfehlung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Für viele Produkte fehlt eine überzeugende wissenschaftliche Grundlage.
Bewusster Einsatz ist entscheidend
Umso wichtiger ist ein gezielter Umgang mit Antibiotika. Nicht jede Infektion erfordert eine solche Therapie, etwa bei viralen Erkältungen. Auch in den Medius-Kliniken wird darauf besonderer Wert gelegt. Im Rahmen eines Antibiotic-Stewardship-Programms wird der Einsatz von Antibiotika gezielt gesteuert. „Wir prüfen sehr genau, ob und welches Antibiotikum notwendig ist“, erklärt der Mediziner. „Dabei geht es nicht nur um eine wirksame Behandlung, sondern auch darum, Nebenwirkungen möglichst gering zu halten.“
Was dem Darm hilft
Nach einer Behandlung kann sich der Darm oft selbst stabilisieren. Unterstützend wirkt vor allem eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten. „Der Darm ist ein sehr anpassungsfähiges Organ“, sagt Professor Klump. „In der Regel gelingt die Regeneration ohne zusätzliche Präparate.“
Mit Augenmaß behandeln
Antibiotika bleiben ein unverzichtbarer Bestandteil der Medizin. Entscheidend ist jedoch ein bewusster Einsatz. „Unser Ziel ist es, Infektionen wirksam zu behandeln und gleichzeitig den Organismus so wenig wie möglich zu belasten“, betont der Chefarzt.