Geschichten aus der Klinik
Unterwegs mit dem Psychologischen Dienst der Medius-Kliniken
Eine schwere Krankheit oder ein Unfall ist eine Lebenskrise, in der oft auch die Psyche Hilfe braucht. Psychologen sind daher an vielen Kliniken ein wichtiger Teil des Behandlungsteams.
In den medius KLINIKEN gibt es bereits seit 1986 den Psychologischen Dienst. Patienten, Angehörige und Mitarbeitende erhalten professionelle Hilfe bei der Krankheitsbewältigung, dem Umgang mit Ängsten und in Krisen. Wir begleiten Gunhild Ilisei, seit 2009 Psychologin beim psychologischen Dienst.
Dienstagmorgen, 8.30 Uhr: Psychologin Gunhild Ilisei betritt ihr Büro. Zuallererst sieht sie die Anfragen durch, die über Nacht hereingekommen sind. „Die meisten Anfragen bekommen wir von Ärzten, Pflegekräften, und dem Sozialen Dienst“, erklärt sie. Zusätzlich werden alle Patienten mit einer Krebsdiagnose automatisch vom Psychologischen Dienst aufgesucht.
Je nach Anfragen entscheiden Gunhild Ilisei und ihre Kolleginnen, wohin sie an diesem Tag zuerst gehen. „Wir suchen die Patienten in der Regel am Krankenbett auf und bieten ein Gespräch an – das die meisten auch dankbar annehmen. Bei den Gesprächen geht es um konkrete Hilfe in einer schweren Zeit, quasi um Erste Hilfe für die Seele. Es handelt sich nicht um Psychotherapie“, erklärt die Psychologin.
Onkologie: Umgehen mit Angst und Ungewissheit
Heute geht es zuerst auf die Onkologie-Station. Herr M., Mitte 50, lebt seit einem halben Jahr mit einer Krebsdiagnose. In ihrem Gespräch geht es heute um Strategien gegen Schlaflosigkeit und die lähmende Angst vor der nächsten Chemotherapie, erzählt Gunhild Ilisei später.
„In der Onkologie erleben wir sehr viele Ängste – vor der Therapie, vor Schmerzen, vor dem Ungewissen“, sagt Ilisei. „Unsere Aufgabe ist es, Halt zu geben und Wege aufzuzeigen, mit dieser Angst zu leben. Auch einfach zuhören und das Leid und die Angst mittragen ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit.“ Häufig arbeitet sie eng mit Ärzten und Pflegekräften zusammen, um den Patienten eine möglichst ganzheitliche Begleitung zu ermöglichen.
In der Onkologie erhalten alle Patientinnen und Patienten automatisch ein Gesprächsangebot des psychologischen Diensts. Das Team bietet Gespräche an oder begleitet auch mal zu einer Untersuchung, wenn jemand große Angst hat. „Wie sehen die Patienten im Durchschnitt zwischen ein- und fünfmal. Falls sich bei jemandem beispielsweise eine Depression entwickelt und eine Psychotherapie angezeigt ist, vermitteln wir weiter.“
Diabetes: Leben mit einer Daueraufgabe
Anschließend geht es für weiter auf die Station für Diabetologie. Dort wartet Frau Z., 32 Jahre alt, frisch mit Typ-1-Diabetes diagnostiziert. „Ein Diabetes ist eine große Herausforderung für viele Patienten. Sie müssen viel Verantwortung für ihre Behandlung übernehmen und viel Neues lernen“, erklärt Ilisei.
In der Sitzung sprechen sie darüber, wie die Patientin ihren Alltag umstellen und die neue Realität Stück für Stück in ihr Leben integrieren kann und über ihre Angst vor den Spritzen. Patienten mit Diabetes müssen täglich ihre Blutzuckerwerte überwachen und sich Insulin spritzen. Dies kann psychisch belastend sein und ein sogenannter „Diabetes Burn-out“ ist nicht selten. Betroffene kümmern sich dann nicht mehr ausreichend um ihre Blutzuckerwerte, mit teilweise fatalen Folgen für ihre Gesundheit.
„Unter Patienten mit Diabetes ist die Depressionsrate erhöht, manche entwickeln auch eine Spritzenphobie“, erklärt Gunhild Ilisei. „Hier ist es wichtig, frühzeitig Hilfe anzubieten und mit den Patienten Perspektiven zu entwickeln, wie sie mit ihrem Diabetes leben können, und Hilfsangebote aufzuzeigen.“
Geriatrie: Zwischen Abschied und Lebensfreude
Am Nachmittag ist Gunhild Ilisei in der Geriatrie. Herr B., 82, ist nach einem Sturz und Hüftbruch zur Rehabilitation da. Seine größte Sorge: dass er nicht mehr nach Hause zurückkehren kann. „Im Alter kommen körperliche Erkrankungen oft zusammen mit Einsamkeit. Depressionen sind bei hochbetagten Patienten recht häufig und müssen von Demenz abgegrenzt werden“, sagt sie später. „In der Geriatrie geht es oft um Abschied, Akzeptanz und um den Erhalt von Lebensqualität – die Menschen müssen sich Stück für Stück von Fähigkeiten und oft auch von Freunden und Angehörigen verabschieden. Diese Situation annehmen, so wie sie ist – das ist oft nicht leicht. Wir hören zu und können uns Zeit nehmen. Manchmal reicht ein Gespräch, das zeigt: Ich bin nicht allein. Meine Gefühle sind ernst genommen. Zugleich sehen wir auf der Geriatrie auch immer wieder Menschen, die ‚lebenssatt‘ und ‚lebensmüde‘ sind: Für diese Menschen ist es oft eine Erleichterung, mit uns darüber reden zu können, was sich mit Kindern und Partnern oft nur schwer teilen lässt.“
Palliativstation: Nähe, wenn Worte fehlen
Der letzte Termin des Tages führt sie auf die Palliativstation. Frau K., 67, im Endstadium einer schweren Erkrankung, liegt im Bett, ihre Angehörigen an ihrer Seite. Hier geht es um Begleitung, um Würde, um das Zulassen von Trauer – und auch um Lachen, wenn es sich ergibt.
Psychologische Hilfe ist normal
Die meisten Patienten, die Gudrun Ilisei und ihre Kolleginnen begleiten, sind wegen einer Krebserkrankung in Behandlung. Hier ist das Angebot psychologischer Begleitung fester Bestandteil des therapeutischen Angebots und Voraussetzung für eine Zertifizierung durch die Deutsche Krebsgesellschaft.
Der Rest der Einsätze verteilt sich auf Patienten mit sonstigen Erkrankungen, aus Geriatrie, Diabetologie und zu einem kleinen Teil auch aus dem Bereich Schwangerschaft und Geburt oder Patienten nach schweren Unfällen.
Die meisten Patienten sehen die Psychologinnen ein bis fünfmal, manche auch deutlich häufiger. „Unser Ziel ist immer, dass die Menschen uns nicht mehr brauchen – wir sind da, wenn wir gebraucht werden, aber das Ziel ist immer, die Menschen dahin zu begleiten, ihr Leben und ihre Krankheit selbstständig meistern zu können.“ Gudrun Ilisei betont zum Abschied: „Psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen ist kein Zeichen von Schwäche.“ Sie sei so selbstverständlich wie Physiotherapie oder Schmerzbehandlung. „Wir kümmern uns um die Seele, wenn der Körper krank ist.“
Geschichten aus der Klinik | 09.09.2026 - 00:00
Geschichten von der Kirchheimer Info der Medius-Kliniken
Sie sind die erste Anlaufstelle für Patienten, Angehörige und Besucher – und manchmal auch das Auffangnetz in schwierigen Momenten: die Mitarbeitenden der Information der medius KLINIK Kirchheim. Wir haben mit zwei von ihnen gesprochen.