Fachthemen und Expertenwissen
Lungenfibrose: Kirchheimer Spezialist erklärt, wie neue Studien Hoffnung machen
Wenn die Lunge vernarbt: Warum Lungenfibrose oft zu spät erkannt wird – und was jetzt hilft, erklärt Dr. Felix Nessyt, Facharzt für Pneumologie und Sektionsleiter Pneumologie der Medius-Kliniken Kirchheim/Nürtingen.
KIRCHHEIM/NÜRTINGEN. Anhaltende Atemnot, trockener Husten und eine zunehmende Einschränkung der Belastbarkeit können Hinweise auf eine Lungenfibrose sein. Dr. med. Felix Nessyt, Facharzt für Pneumologie und Sektionsleiter Pneumologie der Medius-Kliniken, erklärt, warum die Erkrankung oft spät erkannt wird und welche neuen Entwicklungen es in der Forschung gibt.
Erkrankung wird häufig spät erkannt
Die Lungenfibrose gehört zu den sogenannten interstitiellen Lungenerkrankungen. Dabei kommt es zu einer zunehmenden Vernarbung des Lungengewebes, wodurch der Sauerstoffaustausch erschwert wird.
„Viele Betroffene bemerken zunächst nur eine leichte Luftnot bei Belastung oder einen trockenen Husten“, sagt Dr. Nessyt. „Diese Beschwerden werden häufig lange nicht ernst genommen oder anderen Ursachen zugeschrieben.“
Die Erkrankung entwickelt sich manchmal sehr schnell über Monate, gelegentlich jedoch auch schleichend über Jahre – mit der Folge, dass die Diagnose häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium gestellt wird.
Ursachen sind vielfältig – oft bleiben sie unklar
In vielen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen. Dann spricht man von einer idiopathischen Lungenfibrose (IPF). Daneben können Umweltfaktoren (wie beispielsweise organische Stäube, bestimmte Medikamente, Zigarettenrauch), Autoimmunerkrankungen oder auch Infektionen eine Rolle spielen.
Fortschritte in der Forschung machen Hoffnung
Die Lungenfibrose ist bislang nicht heilbar – doch die Forschung entwickelt sich dynamisch weiter.
So zeigen aktuelle Studien, dass neue Medikamente den Krankheitsverlauf verlangsamen können. Seit wenigen Jahren stehen die Wirkstoffe Pirfenidon und Nintedanib bei bestimmten Erkrankungen oder voranschreitenden Verläufen zur Verfügung, der neue Wirkstoff Nerandomilast konnte in aktuellen Studien ebenfalls den Verlust der Lungenfunktion messbar bremsen und wird bald in Deutschland verfügbar sein. Für besondere Härtefälle, die trotz der verfügbaren Therapien an einer voranschreitenden Erkrankung leiden, besteht bei den Medius-Kliniken in Kirchheim schon jetzt die Möglichkeit, Zugang zu den aktuellsten Therapieoptionen im Rahmen eines Sonderprogrammes zu erhalten.
Frühe Diagnose und Behandlung sind entscheidend
Auch wenn die Erkrankung nicht heilbar ist, kann eine frühzeitige Diagnose und Behandlung den Verlauf positiv beeinflussen. Sofern Umweltfaktoren oder eine Autoimmunerkrankung die Ursache sind, kann sich durch die Vermeidung von Auslösern oder die effektive Behandlung der Grunderkrankung die Lungenfibrose unter Umständen sogar wieder verbessern. „Je früher wir eingreifen, desto besser können wir die Lungenfunktion und damit auch die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten erhalten“, so Dr. Nessyt.
Abklärung erfolgt in der Regel zunächst ambulant
Wichtig ist: Die Abklärung von Atemnot oder chronischem Husten sowie der Verdacht auf eine Lungenfibrose erfolgen in der Regel zunächst ambulant über niedergelassene Ärztinnen und Ärzte – insbesondere über Hausärzte und Fachärzte für Lungenheilkunde (Pneumologie).
Ein erster wichtiger Schritt ist das Abhören mit dem Stethoskop (Auskultation). Bereits hier kann der Arzt erste Hinweise feststellen, wenn ein typisches, feines Knistern zu hören ist. Die weitere Basisdiagnostik besteht aus Lungenfunktion, Bildgebung und Laboruntersuchungen und koordiniert die weitere Behandlung.
Wenn sich der Verdacht einer Lungenfibrose erhärtet, ist eine Computertomografie zur genaueren Zuordnung erforderlich. Zur Abklärung der möglichen Ursachen erfolgt ein ausführliches Anamnesegespräch mit Erhebung von Medikamenten, beruflichen Tätigkeiten und eingeatmeten Schadstoffen, sowie möglichen Anzeichen einer Autoimmunerkrankung. Auch werden viele Blutwerte bestimmt, die auf diese Ursachen hinweisen können. Im letzten Schritt ist dann oft eine Lungenspiegelung (Bronchoskopie) notwendig.
Die Medius-Kliniken sind vor allem auf die weitere Abklärung der Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten einer Lungenfibrose sowie komplexe pneumologische Fragestellungen spezialisiert und behandeln Patientinnen und Patienten in der Regel nach Überweisung durch niedergelassene Fachärzte oder im Rahmen einer stationären Einweisung. Hier werden dann die tiefergehenden Untersuchungen (wie zum Beispiel die Lungenspiegelung) durchgeführt und schließlich in einer gemeinsamen Konferenz aus Lungenfachärzten, Röntgenspezialisten (Radiologen), Rheumatologen und einem Spezialisten für Lungengewebsuntersuchungen (Pathologe) die Behandlung festgelegt.
Warnzeichen ernst nehmen
Wer unter anhaltender Atemnot, trockenem Husten oder einer deutlichen Abnahme der Belastbarkeit leidet, sollte die Beschwerden frühzeitig ärztlich abklären lassen.
„Eine Lungenfibrose ist eine ernst zu nehmende Erkrankung“, betont Dr. Nessyt. „Je früher sie erkannt wird, desto besser können wir gemeinsam mit den Patienten und niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen die Behandlung steuern.“
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