Fachthemen und Expertenwissen

Chefarzt der Medius-Kliniken erklärt Vorteile von Roboter unterstützten OPs

PD Dr. Tobias Leibold, der Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie der medius KLINIK OSTFILDERN-RUIT und seit Juli 2026 auch an den Standorten Nürtingen und Kirchheim, erklärt Hightech bei Operationen.

Robotisch assistierte Chirurgie macht Operationen schonender für die Patientinnen und Patienten. Foto: medius KLINIKEN / Fotografie Ebinger
Die Roboter sind quasi eine extrem präzise, ruhige und feinfühlige „Verlängerung“ der Hände des Chirurgen. Foto: medius KLINIKEN / Fotografie Ebinger

Dr. Leibold, Sie gelten als Experte für robotische Chirurgie. Was bedeutet „robotisch assistierte Chirurgie“ – und wie unterscheidet sie sich von herkömmlichen Operationsmethoden?

Robotisch assistierte Chirurgie ist die moderne Weiterentwicklung der minimalinvasiven Chirurgie. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass ich die Instrumente nicht direkt mit meinen Händen bewege, sondern über eine spezielle Steuerkonsole. Dort sitze ich ergonomisch, habe die Operationssituation dreidimensional und bis zu zehnfach vergrößert vor Augen und steuere die Instrumente mit feinsten Bewegungen von Fingern und Füßen. Der Operationsroboter setzt diese Bewegungen millimetergenau um – ohne Zittern, ohne Kraftverlust. Wichtig ist: Der Roboter ist kein Ersatz für den Chirurgen, sondern eine Erweiterung seiner Möglichkeiten.

Welche Vorteile bietet die robotische Chirurgie für Patientinnen und Patienten?

Robotische Chirurgie bedeutet vor allem eine schonendere Behandlung. Weil wir sehr präzise arbeiten, kommt es zu weniger Blutverlust und weniger Reizung des umliegenden Gewebes. Und in der Folge weniger Schmerzen nach der OP. Dadurch, dass sich die Instrumente frei in alle Richtungen bewegen können, können anatomisch enge Bereiche erreicht werden, die mit der menschlichen Hand schwer erreichbar sind. Das ist besonders bei Tumoroperationen im Becken von Vorteil, wo Nervenstrukturen sehr eng liegen.

Viele denken bei „Roboter“ an eine Maschine, die selbstständig operiert. Wie groß ist tatsächlich der Anteil menschlicher Steuerung?

Die Steuerung liegt zu hundert Prozent beim Chirurgen. Der Roboter führt nichts selbstständig aus. Man kann sich den Roboter wie eine extrem präzise, ruhige und feinfühlige „Verlängerung“ meiner Hände vorstellen.

Für welche Operationen wird der Operationsroboter aktuell besonders häufig eingesetzt?

Besonders häufig setze ich das Verfahren bei Tumoren im Bauchraum ein, vor allem bei Enddarmkrebs. Hier zeigen Studien, dass robotische Verfahren der klassischen minimalinvasiven Operation überlegen sein können. Das Risiko, dass ein Tumor erneut auftritt, ist deutlich geringer, und Patienten berichten nach der Operation häufiger über eine bessere Blasen- und Sexualfunktion.

Ein Bereich, in dem der Operationsroboter ebenfalls große Vorteile bietet, ist die Pankreaschirurgie – also Operationen an der Bauchspeicheldrüse. Diese Eingriffe gelten als besonders anspruchsvoll, weil hier viele empfindliche Gefäße, Nerven und Nachbarorgane sehr dicht beieinanderliegen. Jeder Millimeter zählt.

Mit dem da-Vinci-System kann ich in diesem komplexen anatomischen Umfeld deutlich präziser arbeiten, Blutgefäße besser darstellen und Tumoren feiner vom gesunden Gewebe abgrenzen. Gerade bei Teilentfernungen der Bauchspeicheldrüse ermöglicht uns die Robotik eine operative Sicherheit, die klassisch minimalinvasiv nur schwer zu erreichen wäre. Für viele Patientinnen und Patienten bedeutet das: weniger Komplikationen, eine schnellere Erholung – und oftmals eine bessere Chance, die Funktion der Bauchspeicheldrüse zu erhalten.

Erinnern Sie sich an ein Beispiel, bei dem die robotische Technik den Unterschied gemacht hat?

Ja, besonders ist mir ein 58-jähriger Patient in Erinnerung geblieben. Er kam mit einem sehr tief sitzenden Enddarmtumor zu uns. Aufgrund der engen Beckenanatomie war schnell klar: Laparoskopisch würde es schwer werden, wichtige Nerven zu schonen und gleichzeitig den Tumor komplett zu entfernen. Mit dem Roboter konnten wir millimetergenau operieren und einen künstlichen Darmausgang vermeiden. Nur wenige Wochen nach der Operation stand er wieder in meiner Sprechstunde, erzählte, dass er bereits wieder joggen gehe. Er sagte: „Es fühlt sich an wie früher.“

Wie sicher ist die roboterassistierte Technik?

Die Systeme sind äußerst zuverlässig und mehrfach abgesichert. Zusätzlich trainieren wir alle denkbaren Szenarien regelmäßig. Sollte während eines Eingriffs wider Erwarten ein technisches Problem auftreten, sind wir jederzeit in der Lage, während der Operation sofort auf klassischen Verfahren umzusteigen. Die Patientensicherheit hat dabei immer höchste Priorität.

Wie werden Chirurginnen und Chirurgen sowie das OP-Team auf die Robotik vorbereitet?

Bevor jemand mit dem Roboter operiert, durchläuft er ein strukturiertes Schulungsprogramm. Dazu gehören Trainingseinheiten an Simulatoren, Zertifizierungen und Übungsoperationen im Team. Alle Abläufe werden geprobt, damit jeder Handgriff sitzt.

Welche Entwicklungen finden Sie in der Robotik mit Blick auf die Zukunft besonders spannend?

Ich bin überzeugt, dass wir erst am Anfang dieser Entwicklung stehen. Robotische Instrumente werden noch flexibler und kleiner werden. Soft-Robotics, also weiche, bewegliche Instrumente, werden sich der Anatomie noch besser anpassen können. Künstliche Intelligenz wird uns unterstützen – etwa bei der Planung oder Auswertung von Bilddaten. Aber eines wird sich nicht ändern: Die Verantwortung bleibt beim Menschen. Die Technik hilft uns, noch präziser zu operieren, aber sie ersetzt nicht die Erfahrung und das Urteilsvermögen des Chirurgen.

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