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Trotz Dauerregen: Hunderte sammeln Müll in Nürtingen

Kinder, Familien und Vereine beteiligen sich an der sechsten Nürtinger Stadtputzete – einige feiern sogar ihren Geburtstag beim Müllsammeln.

Von jung bis alt beteiligen sich zahlreiche Freiwillige an der sechsten Nürtinger Stadtputzete im Stadtteil Reudern und posieren trotz Dauerregens gemeinsam für ein Foto. Foto: Jennifer Gneiting
Die siebenjährige Mara und ihre Freunde suchen bei der Stadtputzete in Reudern nach verstecktem Müll statt nach Hinweisen einer klassischen Schnitzeljagd. Foto: Jennifer Gneiting
Ausgestattet mit Regenjacken und Matschhosen haben die Kinder und Erwachsenen des Fördervereins für ein kinder- und jugendfreundliches Nürtingen alle Spielplätze ihrer Route sauber gemacht. Foto: Jennifer Gneiting
Bei der Vesperstation in der Stadthalle K3N konnten sich die Ehrenamtlichen und Bauhof-Mitarbeitenden nach der Stadtputzete stärken. Foto: Jennifer Gneiting
Von links: Michael Maisch, Johannes Fridrich und Esther Lay beim Verteilen des Vespers für die Helferinnen und Helfer in der Stadthallte K3N. Foto: Jennifer Gneiting

NÜRTINGEN. Der Regen prasselt in Strömen vom Himmel, Jacken und Schuhe sind längst durchnässt. Doch mit Greifzangen und Mülleimern ziehen Kinder und Erwachsene trotzdem über Spielplätze, Wege und Wiesen. Trotz des schlechten Wetters haben sich am Samstag zahlreiche Ehrenamtliche an der sechsten Stadtputzete beteiligt – und damit ein deutliches Zeichen für eine saubere Stadt gesetzt.

Rund 350 Helfer hatten sich nach Angaben der Organisatorin Esther Lay im Vorfeld angemeldet. Wegen des Dauerregens seien vermutlich etwas weniger Menschen tatsächlich gekommen. Dennoch sei sie positiv überrascht gewesen, wie viele trotz der widrigen Bedingungen mit angepackt hätten. „Vor allem viele Kinder haben sich vom Wetter überhaupt nicht beeindrucken lassen“, sagt Lay.

Besonders engagiert zeigten sich erneut die Stadtteile Raidwangen und Neckarhausen, wo traditionell viele Vereine teilnehmen – etwa die Freiwillige Feuerwehr, der Reitverein oder auch lokale Sportgruppen. Insgesamt waren im gesamten Stadtgebiet Teams unterwegs.

Kinder sammeln Müll zum Geburtstag

Ein besonderes Beispiel für Engagement gab es in Reudern und im Enzenhardt: Zwei Kinder entschieden sich, ihren Geburtstag im Rahmen der Stadtputzete zu feiern. Eine von ihnen ist die siebenjährige Mara. Sie möchte später einmal Umweltschützerin werden und sammelte deshalb gemeinsam mit Freunden Müll.

Auch Oberbürgermeister Johannes Fridrich war am Samstag unterwegs mit dieser Gruppe unterwegs. Die Motivation der Kinder habe ihn beeindruckt. „Die waren unglaublich engagiert und hatten richtig Spaß beim Sammeln“, berichtet er. Für die Geburtstagskinder gab es von der Stadt eine kleine Aufmerksamkeit als Dankeschön für ihren Einsatz.

Saubere Spielplätze für die Kinder

Auch der Förderverein für ein kinder- und jugendfreundliches Nürtingen war an diesem Tag in mehreren Teilgebieten aktiv. Dabei lag der Fokus klar auf Spielplätzen. „Gerade Kinder in Innenstädten sind auf saubere Spielplätze angewiesen, weil es nur wenige freie Flächen zum Spielen gibt“, erklärt Astrid Fridrich.

Sie und ihr Team aus drei Erwachsenen und fünf kleinen Kindern haben gemeinsam drei Spielplätze gereinigt. Auch wenn das Wetter schlecht und die Kleinen irgendwann nass und lustlos waren, war dieser Tag ein Erfolg: „Uns ist es wichtig, dass Kinder bereits früh lernen, ihren Müll nicht in der Natur zu hinterlassen und auf die Umwelt achtzugeben. Bei Aktionen wie diesen lernen sie spielerisch, dass Umweltschutz und Mülltrennung Spaß machen können“, so Fridrich.

Viel Kleinkram – von Kippen bis Flaschen

Der Großteil des gesammelten Mülls bestand aus kleineren Abfällen: Papier, Verpackungen und leere Flaschen. Besonders häufig würden Zigarettenstummel gefunden, berichten mehrere Helfer.

Der stellvertretende Leiter des Nürtinger Bauhofs, Wolfgang Cieslik, rechnet, dass trotz des schlechten Wetters acht bis zehn Kubikmeter Müll zusammengekommen sind. Sechs Mitarbeitende standen während der Aktion bereit, um größere Fundstücke abzuholen. Nach Ende der Sammelzeit übernahmen sie das Einsammeln der vollen Müllsäcke und verliehenen Werkzeuge. Kuriose Funde gibt es bei der Aktion immer wieder: In früheren Jahren wurden unter anderem Autoreifen und eine Pistole entdeckt.

Engagement von Unternehmen und Familien

Unter den Helfern war auch der Unternehmer Ebrahim Alobid von der Firma Schwarz-Weiss Reinigung. Gemeinsam mit seinem Kollegen beteiligte er sich erstmals an der Aktion.

„Wenn man eine Reinigungsfirma hat, ist es selbstverständlich, sich auch um die Stadt zu kümmern“, sagt Alobid. Von der Aktion habe er über Instagram erfahren. Sein Appell: „Wenn jeder einfach auf seinen eigenen Müll achten würde, wäre die Stadt schon viel sauberer.“

Auch die Familie Klein war wieder mit dabei. Seit fünf Jahren nimmt sie jedes Jahr gemeinsam an der Stadtputzete teil. Neben kleineren Abfällen habe sie in den vergangenen Jahren auch größere Gegenstände entdeckt – darunter einen Couchtisch, Stühle oder sogar einen Kronleuchter.

Müll vermeiden statt nur einsammeln

Für Oberbürgermeister Fridrich steht fest: Solche Aktionen bleiben wichtig. Gleichzeitig müsse Müllvermeidung stärker in den Fokus rücken. Er könne sich deshalb Gespräche mit Fast-Food-Unternehmen vorstellen, um Verpackungsmüll zu reduzieren. Aber auch Bildung und Zivilcourage spielten dabei eine entscheidende Rolle: „Am Ende muss es selbstverständlich werden, dass Müll in den Mülleimer gehört und nicht in die Natur“, sagt Fridrich.

Nach getaner Arbeit konnten sich die Helferinnen und Helfer bei einem kleinen Vesper stärken – mit Getränken, Äpfeln, Schokolade sowie Leberkäsbrötchen und vegetarischen Alternativen. Für viele endete der verregnete Vormittag damit dennoch mit einem guten Gefühl: gemeinsam etwas für die Stadt getan zu haben. Möglich gemacht wurde die Verpflegung der Teilnehmenden durch mehrere lokale Sponsoren: Metzgerei Zänglein, Metzgerei Luz, Ladner’s Ochsen Beck und der Landmetzgerei Scheu und Weber.

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