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In Wernau tagt das Narrengericht

Der neuen Bürgermeisterin Christiane Krieger wird vom Narrengericht der Stadt ein Vertrauensvorschuss eingeräumt.

Narrengericht Wernau; Bürgermeisterin Christiane Krieger reitet als Pippi Langstrumpf verkleidet ein Foto: Tim Kirstein

WERNAU. Der Büttel führt die Kommunalpolitiker vom Wernauer Rathaus zur Bühne. Dort warten bereits die närrischen Richter und Ankläger. Hinter dem Richterpult stehen Zunftmeister Markus Mirbauer, Vizezunftmeister Frank Stolzenberger, Ehrenzunftmeisterin Rita Zink und der Till, verkörpert von Siegfried Großmann. Letzterer steht für die Narren und Possenreißer, die als einzige die Möglichkeit hatten, dem König ungestraft den Spiegel vorzuhalten.

Rathauschefin als Pippi Langstrumpf

Das Rathaus sei zu einer Seniorenresidenz geworden, lautet der Hauptvorwurf des närrischen Tribunals. Die 13 Kommunalpolitiker, verkleidet als vornehme ältere Herrschaften, müssen sich mit Reimen, Gesang und Tanz gegen die Anklagen verteidigen. Die am Schmotzigen Donnerstag „entmachtete“ Bürgermeisterin Christiane Krieger muss sich vor ihrem ersten Wernauer Narrengericht noch nicht verantworten. „Wie will man sie verurteilen, sie hat ja noch nichts gemacht“, heißt es vom Richterpult. Als Pippi Langstrumpf verkleidet reitet sie auf ihrem Holzpferd zur Bühne. Der „neue Wind“ im Rathaus wird gefeiert, die neue Bürgermeisterin soll den Seniorenclub auf Trab bringen. Die Narren fordern Strenge und Konsequenz. „Ich weiß, was ich kann“, antwortet Krieger den Richtern.

Das Narrengericht gehört zur alemannischen Nacht, mit der in Wernau traditionell der Ruaßige Freitag begangen wird. „Heute geht es um vergangene Sünden“, sagen die Richter. Die Stimmung im Ort sei gedämpft, geprägt von Altlasten aus vergangenen Jahren. Die Kommunalpolitiker werden mit fehlenden Warnsirenen, der Frage nach bezahlbarem Wohnraum oder auch dem Personalmangel in den Kindergärten konfrontiert.

„Am Ende des Tunnels gibt es Licht“, versichern die Gemeinderäte. Ein Thema, welches von den zahlreich erschienenen Zuschauern mit spöttischem Lachen quittiert wird, ist die gescheiterte Fusion der Sportvereine. „Sturköpfe haben gewonnen und wir müssen zahlen“, sagt Rita Zink. Bei diesem Thema Erlösung zu finden, grenze an ein Wunder, fügt sie hinzu.

Das Rathaus als Seniorenresidenz

Auch die anstehende Kommunalwahl ist Thema der Gerichtsverhandlung. Die Narren halten die Gemeinderäte für pensionsbereit. „Wir sind zwar älter, aber mächtig erfahren“, kontern die Kommunalpolitiker. In einer Angelegenheit schlagen sich die Ankläger jedoch auf die Seite der Angeklagten. Die Drohung gegenüber dem ehemaligen Bürgermeister Armin Elbl, welche im September vergangenen Jahres am Wernauer Lindenkreuz aufgehängt worden war, wird von allen Beteiligten scharf verurteilt. Nach der Verhandlung ziehen sich die närrischen Richter für ihre Besprechung zurück. Zur Strafe müssen die Gemeinderäte im Publikum „Wehle“, Laugengebäck in Form des Buchstabens W, verteilen. Pippi Langstrumpf verteilt ihr Geld in Form von Schokotalern an die Kinder.

Dann feiert der Geesgassdeifl seinen Auftritt auf dem Rathausbalkon. Allein mit der Verteilung von Gebäck sei es nicht getan, mahnt er die Anwesenden. In den unteren Fenstern erscheinen auch die Figuren der anderen Maskengruppen. Heckarutscher, Baura und Brotlaibla winken zum Rathausplatz hinunter. Auf diesem tanzen die Laichleshexen um einen dampfenden Kessel und zeigen so das närrische Brauchtum von seiner mystischen Seite.

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