Nürtingen
Höher, weiter, stärker – Nürtingen kürt die Stärksten im Strongman
Von Steinstoßen bis Reifen-Flippen: Die Nürtinger Stadtmeisterschaften im Strongman vereinten die Generationen und zeigten, dass Kraftsport auch Gemeinschaft bedeutet.
NÜRTINGEN. Schwere Steine flogen durch die Luft, Eisenstangen wurden gedrückt und ein 120-Kilo-Reifen immer wieder über den Boden gewuchtet. Am Samstag machten knapp 20 Teilnehmer bei den Nürtinger Stadtmeisterschaften im Strongman im Fitnessstudio Kraftwerk mit. Bei sommerlichen Temperaturen herrschte beste Stimmung, als sich die Teilnehmer aus Nürtingen und der Region miteinander maßen.
Bevor die ersten Gewichte gestemmt und Steine gestoßen wurden, blieb Zeit für das gemeinsame Aufwärmen. Schon dabei zeigte sich, was den besonderen Reiz solcher Wettkämpfe ausmacht: der Zusammenhalt. Unter den Augen von Organisator und CDU-Stadtrat Andreas Deuschle sowie Schiedsrichter Markus Furin erhielten die Sportler wertvolle Tipps zur Technik. Ob beim Griff am Stein, der richtigen Atmung beim Bankdrücken oder der Haltung beim Bizeps-Curl, die erfahrenen Sportler gaben den Jüngeren Hilfestellung, sodass sich jeder optimal vorbereiten konnte.
Vier Disziplinen – eine Herausforderung für Körper und Geist
Der Wettkampf war klar strukturiert. Los ging es mit dem Steinstoßen, bei dem ein 15 Kilogramm schwerer Stein aus dem Stand, einhändig möglichst weit gestoßen werden musste. Jeder Teilnehmer hatte vier Versuche und schon hier zeigte sich, dass kleine technische Unterschiede über viele Punkte entscheiden können. Im Anschluss folgten drei Kraftausdauer-Disziplinen, bei denen es auf maximale Wiederholungszahlen innerhalb von zwei Minuten ankam: Bankdrücken mit 60 Kilogramm, Bizeps-Curls mit einer 20-Kilo-Langhantel sowie das spektakuläre Reifendrehen mit einem 120-Kilo-Traktorreifen. Gerade das Reifen-Flippen sorgte für lautstarke Anfeuerungsrufe, denn hier war nicht nur rohe Kraft gefragt, sondern auch Ausdauer und der Wille, immer wieder das schwere Gummi über den Boden zu wuchten. „Das Schöne ist: Nicht immer gewinnt der Stärkste, sondern jeder kann seine Stärken in einer anderen Disziplin ausspielen“, betonte Andreas Deuschle. Genau das machte den Wettbewerb spannend bis zur letzten Wiederholung. Oft lagen die Athleten nur wenige Punkte auseinander, und der Sieger stand erst nach dem finalen Reifendrehen fest.
Ein Sportfest für alle Generationen
Beeindruckend war das breite Teilnehmerfeld. Der jüngste Starter war gerade einmal 20 Jahre alt, der älteste mit Siegfried Greiner bereits 75. Der frühere Diskuswerfer von der TG Nürtingen ließ es sich nicht nehmen, sich mit den Jüngeren zu messen und zeigte, dass Erfahrung und Technik durchaus mit jugendlicher Power mithalten können.
Besonders im Fokus stand auch der 17-jährige Adrian Golenz aus Großbettlingen. Zwar konnte er altersbedingt nicht am Strongman-Wettkampf teilnehmen, doch parallel startete er bei den Deutschen Meisterschaften der Highland Games in Ostweil. „Ich habe ihn hier im Kraftwerk kennengelernt und hoffe, dass er dort unter die ersten drei Plätze kommt“, so Deuschle, der sich sichtlich über das Nachwuchstalent freut.
Spannende Entscheidungen in drei Altersklassen
Am Ende wurden die Stadtmeister in drei Altersklassen gekürt. In der Klasse bis 22 Jahre triumphierte Tim Fischer aus Neuffen mit starken 195 Punkten. Bei den 22- bis 50-Jährigen setzte sich Valon Ashani aus Beuren souverän durch: Mit insgesamt 301 Punkten war er an diesem Tag der überragende Athlet. In der dritten Altersklasse ab 50 Jahren holte sich Andreas Deuschle selbst mit 258 Punkten den Titel, zur Freude der Zuschauer, die den Stadtrat lautstark unterstützten.
Gemeinschaft statt Konkurrenzdenken
So spannend die sportlichen Entscheidungen waren, die Atmosphäre war von Freundschaft und gegenseitigem Respekt geprägt. Jeder Teilnehmer wurde von den anderen angefeuert, egal ob er gerade beim Bankdrücken kämpfte oder den Reifen über den Boden wuchtete. „Mein persönliches Highlight ist, dass die jungen Sportler mit Ehrgeiz, aber auch mit Spaß dabei sind“, sagte Deuschle. Er ergänzte: „Nach dem Wettkampf sitzen wir zusammen, trinken ein Bier und essen eine Rote, das gehört einfach dazu.“ Dass solche Veranstaltungen möglich sind, liegt nicht zuletzt an der Unterstützung durch die Stadt Nürtingen, die 400 Euro für Pokale bereitstellte, sowie an den Sponsoren. „Ohne Ehrenamt und Sponsoren wäre das alles nicht machbar“, betonte Deuschle. Beim Highland-Games-Event kann er auf 30 Sponsoren bauen, beim Strongman waren es diesmal fünf.