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"Menschenwürde und Arbeit gehören zusammen"

DGB im Kreis Esslingen stellt Aktivitäten am 1. Mai unter das Motto „Würde zeigen“ - Kundgebung auf dem Schillerplatz

Die Kundgebungen des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) am 1. Mai stehen in diesem Jahr unter dem Motto „Würde zeigen“. Die Gewerkschaften wollen damit einen Kontrapunkt setzen zu den nach ihrer Ansicht zunehmend neoliberalistisch geprägten Entscheidungen von Politik und Wirtschaft, sagte Wolfgang Brach, DGB-Vorsitzender der Region Stuttgart, am Freitag bei der Vorstellung der geplanten Aktivitäten. Im Landkreis Esslingen gibt es drei Veranstaltungen: In Nürtingen auf dem Schillerplatz, in Kirchheim vor dem Rathaus und in Esslingen auf dem Rathausplatz.

„Die Menschenwürde und Arbeit gehören für uns eng zusammen“, so Brach. Das gewählte Motto zum 1. Mai solle eine Debatte anstoßen. Wie notwendig die Diskussion sei, zeige die Rede des Bundespräsidenten, der „quasi als Staatsziel verkündet hat, dass Neoliberalismus die Werte prägt“. „Wir wollen aufzeigen, dass es Alternativen gibt zu Kapitalismus und Neoliberalismus“, so Brach.

In Frage gestellt werde die Menschenwürde zum Beispiel dadurch, dass in vielen Unternehmen die Renditeerwartungen der Anteilseigner eine größere Rolle spielten als die Bedürfnisse der Arbeiter, die nur noch als Kostenfaktor behandelt würden. Entlassungen oder die Angst um den Arbeitsplatz seien die Folge. Jeder müsse aber seine Existenz durch Arbeit sichern können. „Wir müssen schon über ein Menschenrecht auf Arbeit nachdenken“, sagte Brach.

Die jüngsten Äußerungen des SPD-Parteivorsitzendenden Müntefering zur Moral des Kapitalismus seien im Hinblick auf die damit angestoßene Diskussion zu Begrüßen, so Brach. Allerdings müssten den Worten nun auch Taten folgen.

Zum Thema Würde gehöre auch das Recht, im Alter nicht arm sein zu müssen. Mit Hartz IV sei aber der Weg in diese Richtung eingeschlagen worden. Auch dies werde bei den Kundgebungen ein zentrales Thema sein. Und nicht zuletzt gehe es um gerechte soziale Sicherungssysteme als Grundlage für sozialen Frieden.

Helmut Hartmann, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Esslingen, berichtete, dass es im Kreis Esslingen zum Glück nicht nur Negativ-Meldungen aus den Betrieben gebe: „Wir haben auch etliche Betriebe, in denen es gut läuft.“ Aber leider auch einige, um die man sich große Sorgen machen müsse. Bei Verhandlungen lege man den Schwerpunkt mittlerweile mehr auf Standortsicherungsvereinbarungen anstatt auf Interessensausgleich und Sozialplan. „Wir brauchen die Standorte, um wettbewerbsfähig zu sein“, so Hartmann.

So groß wie noch nie sei der Druck, der von den großen Unternehmen auf die kleineren Betriebe ausgeübt werde. Die großen Konzerne gäben den Druck, dem sie selbst durch hohe Renditeerwartungen oder von den Banken ausgesetzt seien, an ihre Zulieferer weiter, berichtete Jürgen Groß-Bounin von der IG-Metall-Verwaltungsstelle Esslingen. Einschnitte beim Personal seien dann dort oft als erster Schritt die Folge. In dem Zusammenhang nehme auch der Druck auf die Betriebsräte zu. Groß-Bounin: „Es ist erschreckend, wie sich viele Arbeitgeber über die Rechte der Betriebsräte hinwegsetzen.“

Auch auf die Tarifverhandlungen wirke sich dies aus. Insbesondere im Metall-Handwerk laufe hier momentan ein „Frontalangriff“ der Arbeitgeber: „Zentrale tarifliche Regelungen werden in Frage gestellt und mit dem Austritt aus dem Verband gedroht. Was dort gefordert wird, hat eine ganz neue Qualität und stellt den Flächentarifvertrag insgesamt in Frage“, so der Gewerkschafts-Mann.

Diese Entwicklungen sollen am 1. Mai thematisiert werden. Erwartet werden zu den Kundgebungen wieder mehrere hundert Teilnehmer. In Nürtingen auf dem Schillerplatz wird DGB-Ortsverbandsvorsitzender Hans Schweizer auf die örtliche Situation in den Betrieben eingehen und auf die Aktivitäten des Ortsverbands. Neben den genannten Themen will er auch das Kriegsende vor 60 Jahren ansprechen, das für die Gewerkschaften eine elementare Bedeutung habe. Helmut Hartmann wird dann auf die politische Situation eingehen.

Im Landkreis Esslingen waren vergangenes Jahr 30 235 Personen gewerkschaftlich organisiert. Das sind knapp 1100 weniger als im Vorjahr. Die IG Metall ist mit 20 648 Mitgliedern größte Einzelgewerkschaft vor Verdi mit 8535 Mitgliedern.

Die Gewerkschafter und ihr Motto zum 1. Mai: Von links Bernd Köster, Gewerkschaftssekretär, Helmut Hartmann von der IG Metall, Wolfgang Brach, DGB-Vorsitzender Region Stuttgart, Jürgen Groß-Bounin, IG Metall, Hans Schweizer, DGB-Ortsverbandsvorsitzender Nürtingen, Wolfgang Scholz, DGB-Ortsverbandsvorsitzender Kirchheim. rik

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