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Schaulaufen der Promis in Neuffen: Der Bergpreis 2026 elektrisiert die Massen

Rund 25.000 Motorsportbegeisterte strömten am Sonntag in die Tälesstadt, die den ganzen Tag über unter dem dröhnenden Sound der Oldtimer bebte. Es war eine Veranstaltung der Superlative – mit einer kuriosen Szene gleich zu Beginn.

Der Bergpreis in Neuffen wurde einmal mehr zum Zuschauemagneten. Foto: Ralf Just
Mehr als 120 Teilnehmer gingen am Sonntag an den Start. Foto: Ralf Just
Letzte Vorbereitungen, bevor es losging. Foto: Ralf Just
Rennsport-Legende Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck verteilte fleißig Autogramme. Foto: Ralf Just
Eröffneten den Bergpreis: Neuffens Bürgermeister Matthias Bäcker am Steuer, VfB-Legende Guido Buchwald auf dem Beifahrersitz und Landrat Marcel Musolf auf der Rückbank. Foto: Ralf Just
Allerlei Schmuckstücke gab es in Neuffen zu bewundern. Foto: Ralf Just
Kurz vor dem Start: Vorne am Steuer „Tatort“-Kommissar Richy Müller. Foto: Ralf Just
Beim Parken war Präzision gefragt: Dafür legten einige selbst Hand an Foto: Ralf Just
Das Auto von Dieter Röscheisen, der 40 Jahre Testfahrer bei Porsche war. Foto: Ralf Just
Ein royales Auto: Der BMW gehört Prinz Leopold von Bayern. Foto: Ralf Just
Die Neuffener Innenstadt platzte aus allen Nähten. Foto: Ralf Just
Einmal im Jahr verwandelt sich Neuffen in ein Mekka für Motorsportliebhaber. Foto: Ralf Just
Die Motorengeräusche waren weit über die Stadtgrenzen hinaus zu hören. Foto: Ralf Just
Die Neuffener Innenstadt als Boxengasse. Foto: Ralf Just
Lokalmatador Helmut Henzler war auch dabei. Foto: Ralf Just
Schauspieler Richy Müller neben seinem Porsche 911. Foto: Ralf Just
Bekannt aus acht Bond-Filmen: der Aston Martin DB5. Foto: Ralf Just
Strahlender Teilnehmer: Ex-Rennfahrer Bernd Schneider. Foto: Ralf Just
Großes Gedränge hinter den Absperrungen im Ortskern von Neuffen. Foto: Ralf Just
„Soko Stuttgart“-Star Michael Gaedt in pinker Lederjacke beim Handschlag. Foto: Ralf Just
Ein letztes Mal im Einsatz: Moderatoren-Urgestein Rainer Klink (rechts), hier neben Michael Petersen. Foto: Ralf Just

NEUFFEN. Der Bergpreis war keine Minute alt. Gerade hatte Moderatoren-Urgestein Rainer Klink am Sonntagmorgen die vierte Auflage der Motorsportveranstaltung eröffnet, und rumms. „Tatort“-Kommissar Richy Müller stoppte, sein Hintermann bremste nicht rechtzeitig – und es war geschehen: oranger Porsche 911 gegen oranger Porsche 911. Zum Glück blieb „nur“ eine kleine Macke zurück.

Seit den frühen Morgenstunden strömten am Sonntag Tausende Motorsportbegeisterte in die beschauliche Tälesstadt. Sie wollten dabei sein, wenn mehr als 120 Oldtimer zunächst über das Kopfsteinpflaster der Innenstadt rollten und anschließend die 18 Kurven der Neuffener Steige hinauffuhren bis zur Hülbener Brille. Ab 10 Uhr heulten in drei Schauläufen beim Bergpreis Schwäbische Alb die Motoren im Minutentakt auf – und brachten Neuffen so zum Beben, dass die Geräuschkulissen weit über die Stadtgrenzen hinaus zu hören war.

Die Neuffener Steige als gutes Omen für „Strietzel“

Dabei ließen es sich etliche Grandseigneurs des Rennsports nicht nehmen, an dem Ort vorbeizuschauen, an dem zwischen 1964 und 1983 noch echte Rennen ausgetragen wurden. Manchem ist die Neuffener Steige dabei noch bestens in Erinnerung. „Ich war gerade 18 Jahre alt“, erzählte Rennsport-Legende Hans-Joachim Stuck im Fahrerlager, während um ihn herum die Autogrammkarten gezückt wurden und auch die Selfiekameras kaum eine Sekunde stillstanden. „Hier in Neuffen bin ich 1969 das dritte Rennen meiner Karriere gefahren.“ Am Ende landete „Strietzel“, na klar, auf dem ersten Platz. Am Sonntag kehrte er nach knapp 60 Jahren an den Ort zurück, wo seine Karriere früh Fahrt aufnahm: „Die Atmosphäre hier, die Menschen, das ist einfach grandios. Der ganze Ort ist so positiv“, sagte der begeisterte Stuck, der im Porsche 911 an den Start ging.

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Es sollte nicht der einzige ehemalige Sieger eines Neuffener Bergrennens bleiben, der für die Schauläufe ins Schwabenland gereist war. Auch Leopold Prinz von Bayern, Gewinner von 1966, war mit seinem orangen BMW gekommen – und versprühte royalen Glanz in der 6000-Einwohner-Gemeinde. Apropos royaler Glanz: Der ehemalige Tourenwagenfahrer Klaus Ludwig, von seinen Fans liebevoll „König Ludwig“ genannt, sorgte mit seinem Mercedes HWA Evo für Aufsehen. Kostenpunkt: rund 750.000 Euro. Die Liste an Bergpreis-Promis ließe sich beliebig weiterführen, so führten unter anderem die Wege von DTM-Urgestein Roland Asch, Porsche-Testingenieur Dieter Röscheisen und Lokalmatador Helmut Henzler nach Neuffen.

Ein Bürgermeister sagt Adieu – oder doch nicht?

Ein Highlight gab es für alle Bond-Fans: Das Esslinger Ehepaar Andrea und Hansi Zweigle, erst vergangene Woche in der SWR-Landesschau zu Gast, fuhr seine originalgetreuen Lotus-Schmuckstücke aus. „Der Lotus Turbo zum Beispiel spielt in ‚In tödlicher Mission‘ mit“, erzählte Andrea Zweigle stolz. Die Blicke auf sich zog auch Michael Gaedt, den viele aus der „Kleinen Tierschau“ oder aus „Soko Stuttgart“ kennen dürften. Sein augenzwinkerndes Fazit nach der Schaufahrt mit seinem Amilcar: „Bergauf hatte ich zu wenig Leistung, bergab zu wenig Bremsen.“

Doch noch bevor die Teilnehmer aus nah und fern die rund vier Kilometer lange Strecke befuhren, war Neuffens Bürgermeister Matthias Bäcker an der Reihe: Wie in jedem Jahr führte er die erste Fahrzeugkolonne des Bergpreises Schwäbische Alb an, diesmal allerdings mit einer besonderen Randnotiz. Bäcker ist das letzte Mal als aktiver Rathauschef bei der Motorsportveranstaltung dabei. „Natürlich ist da ein lachendes und ein weinendes Auge dabei“, sagte er kurz vor Beginn. War es also seine letzte Auftaktrunde? Mitnichten. „Ich habe mir auf Lebenszeit zusichern lassen, die erste Fahrt machen zu dürfen. Das wissen meine Nachfolgekandidaten auch schon“, so der Bürgermeister lachend. Klar ist: Ohne den Einsatz von Bäcker hätte es den Bergpreis in dieser Form wohl kaum gegeben.

Ein Fußballweltmeister nimmt auf dem Beifahrersitz Platz

Auch wenn es also nicht die letzte Eröffnung von Bäcker war, in seinem BMW M6 hat er namhafte Unterstützung bekommen: Auf der Rückbank saß Landrat Marcel Musolf, auf dem Beifahrersitz hatte VfB-Legende Guido Buchwald Platz genommen. Für den Fußballweltmeister sind Motorsportbesuche in Neuffen mittlerweile fast schon Routine geworden. „Es ist immer wieder toll herzukommen“, sagte er. Die Liebe zu Autos wurde ihm in die Wiege gelegt. Und spätestens als Brustringkicker noch einmal verstärkt: „Wir hatten ja beim VfB immer Mercedes. Da waren schon tolle Autos dabei“, erinnerte er sich.

Organisiert wurde das Rennspektakel von der Interessengemeinschaft Bergpreis Schwäbische Alb. Bereits im November vergangenen Jahres hatten die Ehrenamtlichen mit den Vorbereitungen begonnen. Am Sonntagmorgen gipfelte die monatelange Arbeit schließlich in der vierten Auflage der Veranstaltung. „Wir sind seit sechs Uhr hier vor Ort auf den Beinen“, sagte Mitorganisator Gundbert Schall. Insgesamt waren mehr als 350 freiwillige Helfer auf und entlang der Strecke im Einsatz. Besonders stolz ist Schall auf das Teilnehmerfeld: „Wir haben tolle Profis und rund 60 Prozent neue Gesichter.“ Sein Fazit: eine „rundum gelungene Veranstaltung“.

Den Sound der 70er-Jahre noch einmal erleben

Das zeigte sich auch am Besucheraufkommen: Neuffen quoll am Sonntag aus allen Nähten. Die Parkplätze waren überfüllt, hinter den Absperrungen herrschte den ganzen Tag über dichtes Gedränge, sowohl in der Innenstadt als auch entlang der Steige. Nach Schätzungen des Orgateams waren diesmal rund 25.000 Zuschauer dabei, nochmal mehr als die gut 20.000 vom vergangenen Jahr.

Am Streckenrand stand unter anderem ein Senior aus Großbettlingen, selbst stolzer Oldtimerbesitzer. Dass er zum Bergpreis kommen würde, stand für ihn außer Frage. „Schon als Jugendlicher mit 12, 13 Jahren war ich hier, bin auf der Neuffener Steige an einer Kurve gehockt.“ Das Größte im ganzen Jahr sei das gewesen. Schnell zückte der Großbettlinger sein Handy und zeigte Bilder aus der Zeit. Und auch wenn inzwischen einige Jahrzehnte vergangen sind, steht für ihn fest: „Genau für diesen Sound von damals bin ich heute gekommen.“ Nicht erst da wurde am Sonntag deutlich: Der Geist des Neuffener Bergrennens lebt weiter – wenn auch in etwas anderer Form.

Den Live-Ticker zum Nachlesen finden Sie hier.

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