Wernau
Wernau findet Investor für den Bahnhofsplatz
Der Gemeinderat stellt die Weichen für die Bebauung. Auf 770 Quadratmetern soll ein mehrstöckiges Büro- und Geschäftsgebäude entstehen.
WERNAU. Das Ensemble am Wernauer Ortseingang macht längst keinen guten Eindruck mehr. In seiner jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat einstimmig die Weichen für eine Neubebauung am Bahnhofsplatz gestellt: Das städtische Grundstück entlang der Bahnlinie wird an einen privaten Investor verkauft. Die Grund Immobilien Bau GmbH aus Wernau, Wettbewerbssieger eines mehrstufigen Auswahlverfahrens, will auf der 770 Quadratmeter großen Fläche ein mehrstöckiges Büro- und Geschäftsgebäude errichten. Bis zur sichtbaren Umgestaltung des Areals dürften aber trotzdem noch bestimmt fünf Jahre vergehen, weil nun in einem nächsten Schritt der Bebauungsplan für diesen Bereich geändert werden muss.
Meilenstein für die städtebauliche Entwicklung am Bahnhof
Mit der Neugestaltung des Wernauer Bahnhofareals beschäftigen sich die Stadtverwaltung und der Gemeinderat schon seit vielen Jahren. Bereits 2014 fand ein großer städtebaulicher Wettbewerb mit Bürgerbeteiligung für das Areal am Bahnhof statt. Ziel der Stadt war es schon damals, die Aufenthaltsqualität im Bahnhofsviertel zu verbessern und das stillgelegte Bahnhofsgelände für eine hochwertige Nutzung zu aktivieren. 2018 musste die städtebauliche Entwicklung des Areals allerdings gestoppt werden, weil kein städtisches Geld für die Realisierung der Pläne vorhanden war und auch kein Betreiber für die geplante Nutzung zu finden war. Damit hatte sich der Gemeinderat nicht zufrieden gegeben: Es war 2020 ein fraktionsübergreifender Antrag des Gremiums, nach Abbruch des ehemaligen Bahnhofsgebäudes möglichst schnell eine Wiederbebauung des Grundstücks herbeizuführen. Viel Kreativität und Engagement sei notwendig gewesen, um ein qualifiziertes Investorenauswahlverfahren auszuloben, sagte Stadtrat Joachim Gelewski (WBL/JB). Mit dem Ziel, die Grundlagen und Rahmenbedingungen für die Vermarktung zu schaffen, hatte sich die Stadt dafür das international tätige Planungs- und Beratungsbüro Drees und Sommer aus Stuttgart mit ins Boot geholt, um eine Machbarkeitsstudie zu erarbeiten.
In einem 2021 gestarteten, mehrstufigen Auswahlverfahren wurden auf dieser Basis Investoren gesucht, die die Fläche kaufen und es am städtebaulichen Konzept orientiert bebauen. „Dieses Instrument sichert eine besondere Entwicklungs- und Neuordnungsaufgabe für städtebaurechtliche Investitionen in Bezug auf Aufenthaltsqualität am Gebäude, Architektur und Design“, befand Stadtrat Joachim Gelewski. Den Zuschlag des Preisgerichts erhielt im Februar 2022 schließlich der Entwurf der Grund Immobilien Bau GmbH aus Wernau, den das Stuttgarter Architekturbüro „Der Plan“ entwickelt hat.
Der Gemeinderat hat die Verwaltung jetzt einstimmig beauftragt, das städtische Baugrundstück am Bahnhofsplatz an die Grund Immobilien Bau GmbH zum ausgelobten Preis von 550 Euro pro Quadratmeter und somit zum Gesamtpreis von 423.500 Euro zu verkaufen und das für die Bebauung notwendige Bebauungsplanverfahren einzuleiten.
Zudem soll eine Kostenübernahmevereinbarung getroffen werden, weil alle Kosten zur Erstellung oder Änderung des Bebauungsplans vom Investor mitgetragen werden müssen. „Mit diesem Beschluss schaffen wir einen Meilenstein hinsichtlich der städtebaulichen Entwicklung am Bahnhof“, sagte Stadtrat Joachim Gelewski.
Wie geht es mit dem Bike-and-ride-Konzept am Bahnhof weiter?
Auch Stadtrat Jens Müller (CDU) findet es gut, dass es am Bahnhof weitergeht und erkundigt sich nach der Weiterentwicklung des vor längerer Zeit beschlossenen Bike-and-ride-Konzeptes. Stadtbaumeister Patrick Klein verweist auf die Fahrrad- und Pedelec-Verleih-Station, die die RegioRad Stuttgart im Bereich des Bahnsteigs auf der Neckarseite eingerichtet hat. Bereits im Frühjahr 2022 hat die Stadt am Bahnhof und am Quadrium abschließbare Fahrradboxen aufgestellt – eine komfortable Fahrradabstellmöglichkeit für Pendler mit einem Maximum an Sicherheit, insbesondere auch für hochwertige E-Bikes. Diese „Bike-Hotels“ können spontan und kostenlos genutzt oder auch dauerhaft über die Stadt angemietet werden. Der städtische Bauhof sei momentan dran, für die veralteten Fahrradständer am Bahnhofsplatz, an denen die Fahrräder in Reihe mit eigenen Seil- oder Bügelschlössern angekettet werden, eine Alternative zu finden.
Renaturierung des Bodenbachs in Diskussion
Zur Planungssicherheit der Investoren habe sich die Stadt im Anschluss an das Wettbewerbsverfahren entschieden, die Stellungnahme der relevanten, übergeordneten Behörden im anstehenden Bebauungsplanverfahren einzuholen. Das habe Zeit gekostet, berichtet Bürgermeister Armin Elbl. Aufgehalten hätten insbesondere die Verhandlungen mit dem Wasserwirtschaftsamt Esslingen, das gefordert habe, die Bodenbachverdolung, die vom eigentlichen Bahnhofsplatz unter dem früheren Bahnhofsgelände und den Gleisen hindurch in den Neckar führt, in einem Teilstück von wenigen Metern zu öffnen.
Die Ingenieurbüros, die zum einen in Wernau die Bodenbachsanierung betreuen und zum anderen regelmäßig bei Bebauungsplanverfahren für Renaturierungs- und Ausgleichsmaßnahmen tätig sind, seien deshalb eingeschaltet worden. Letztlich haben die Argumente der beiden Büros das Landratsamt umgestimmt. Die Stadt müsse jetzt alternativ am Bachlauf im Außenbereich eine Ausgleichsmaßnahme leisten. „Dabei gehen wir von einer weit sinnvolleren und kostengünstigeren Lösung aus“, sagt der Rathauschef.
Auf Nachfrage von Bernd Altenburg (FWV) und Stadträtin Petra Binz (SPD) erläutert Stadtbaumeister Patrick Klein, dass die konkreten Maßnahmen zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt und der Stadt Land Fluss Ingenieurdienste noch festzulegen sind. Man denke beispielsweise an kleinere Umgestaltungen bereits naturnaher Uferbereiche des Bodenbachs. Die Kosten schätzt er auf maximal 10.000 Euro. „Renaturierung ist auch Hochwasserschutz“, so Klein. Es gebe immer wieder Bachteile, wo sich bei Starkregen Äste aufstauen und einen Rückstau und Überschwemmungen im Außenbereich verursachen, zum Beispiel am Ortseingang beim Gewerbegebiet Brühl-Winklen.