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Valentina Weber aus Münsingen ist Geldtransporterfahrerin – warum das so besonders ist
Die 29-jährige Münsingerin wollte schon immer Brummis fahren. Die „Truckerlady“ hat sich in einer Männerndomäne durchgesetzt und ist in ihrer Branche „Geld und Wert“ eine Ausnahmeerscheinung.
FILDERSTADT. Als sie noch ein kleines Mädchen war, spielte sie nicht mit Puppen, nein, sie ließ lieber Brummis von Matchbox in ihrem Kinderzimmer umherfahren. Die Rede ist von Valentina Weber, die vor elf Jahren ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht hat und sich „Truckerlady“ auf den rechten Unterarm hat tätowieren lassen. Sie liebt „große Fahrzeuge und das Brummen der Motoren“. Die 29-Jährige ist Deutschlands einzige 25-Tonnen-Geldtransportfahrerin.
Sie ist schlagfertig, selbstbewusst, charmant und immer mit ordentlich PS unterwegs. Deshalb hat sich die Münsingerin auch in einer Männerdomäne durchgesetzt, in der sich sonst in erster Linie nur harte Burschen mit kariertem Hemd und Vollbart herumtreiben. Die Berufskraftfahrerin weiß, dass man beim klischeebehafteten Bild eines Lkw-Fahrers nicht unbedingt an eine zierliche Frau denkt.
Das hat Valentina Weber schon bei ihrer Ausbildung zu spüren bekommen. „Keiner hat mich ernst genommen, es hat zig Bewerbungen gebraucht, bis mich eine Spedition als Azubine genommen hat.“ Dafür ist sie ihrem damaligen Chef immer noch dankbar, der wegen ihr ein neues WC und einen Umkleideraum für Frauen bauen ließ.
Die Prüfung schaffte sie mit links
Um mit ihren männlichen Kollegen mithalten zu können, hat sie seinerzeit, mit Einverständnis der Vorgesetzten, sonntags mit den 40-Tonnern rückwärts einparken geübt, ebenso das Laden und Entladen von Wechselbrücken. Auch das Hantieren mit dem Hubwagen übte sie in ihrer Freizeit. Ihr Engagement zahlte sich aus. Die Prüfung mit dem fast 19 Meter langen Fahrzeug, das rund 400 Pferdestärken unter der Motorhaube hat, schaffte sie mit links. Schon nach kurzer Zeit war die junge Frau bei ihren männlichen Kollegen, die alle ihre Väter oder Großväter hätten sein können, voll anerkannt. Anders war es, als sie mit ihrem Brummi auf Raststätten Halt machte. „Die schauten mich mit großen Augen an, als wenn Jennifer Lopez aus dem Truck steigen würde.“
Bis 2015 fuhr Valentina Weber Fernverkehr, das heißt, sie war von montags bis freitags auf der Straße, war im Schnitt pro Tag 700 Kilometer hinterm Steuer, übernachtete täglich im Truck und „hatte kein Privatleben mehr“. Deshalb wechselte die Truckerlady zu einer national tätigen Spedition, das heißt, sie konnte jeden Tag im eigenen Bett zu Hause schlafen.
Toi, toi, toi. Bis jetzt habe es noch nie eine gefährliche Situation gegeben, auch sei sie noch nie dumm angemacht worden, erzählt die Berufskraftfahrerin. Und wie sieht es mit Unfällen aus? Immerhin ist die seit Kurzem Verheiratete pro Jahr rund 170.000 Kilometer unterwegs. Einen einzigen Blechschaden, der glimpflich ausgegangen sei, habe sie in den vergangenen elf Jahren verursacht. Diese Bilanz kann sich sehen lassen.
Arbeitgeberwechsel brachte neue Herausforderungen mit sich
Vor drei Jahren hat sich die 29-jährige Valentina Weber „neu entdeckt“. Nein, sie hat nicht den Beruf, sondern vielmehr den Arbeitgeber gewechselt. Sie hat bei der Ziemann Cashservice GmbH in Filderstadt angeheuert, die sich auf Geld- und Werttransporte und alle Services rund um Bargeld spezialisiert hat. Um dort arbeiten zu können, muss man neben einer behördlichen Sicherheitsüberprüfung ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis sowie eine positive Schufa-Auskunft haben. Neu hinzu kam für den neuen Einsatzbereich die Waffenkunde, das heißt, regelmäßiges Schießtraining steht jetzt auf dem Dienstplan.
Zuerst fuhr sie einen gepanzerten Fünftonner, mit dem sie unter anderem verschiedene Supermärkte anfuhr, um dort die Tageseinnahmen abzuholen. Grundsätzlich wird bei Ziemann aus Sicherheitsgründen immer in einem Team mit mindestens zwei Personen gearbeitet.
Noch keine brenzlige Situation erlebt
Inzwischen ist das Aufgabengebiet von Valentina Weber in der Verantwortung und Zuständigkeit erweitert worden, nicht nur was die Größe des Fahrzeuges anbelangt. Nach diversen Weiterqualifizierungen lenkt die 29-Jährige jetzt einen 25-Tonner und ist, laut Aussage ihres Chefs, die ihm bekannt einzige weibliche Mitarbeiterin in der Branche Geld und Wert in Deutschland, die mit so einem Truck unterwegs ist. Das Besondere bei diesen Geldtransporten: Darin liegt das gesammelte Geld zahlreicher Kunden, das gebündelt zu den Filialen der Bundesbank im Südwesten gebracht wird. Wie viel dort transportiert wird, ist ein Geheimnis.
Bekommt man da kein Nervenflattern, wenn man mit so großen Summen unterwegs ist? Nein, lacht die Fahrerin. „Ich habe ja nichts von dem Geld und die Transporte sind besonders abgesichert.“ Eine brenzlige Situation habe sie bislang auch noch nicht erlebt. Sie empfindet einen gewissen Stolz, dass man ihr diese Aufgabe und Verantwortung übertragen hat. Ein deutliches Zeichen, dass bei ihrer Firma Diversifizierung gelebt wird, meint sie. Sie weiß, dass der Transport in spezialgesicherten Werttransport-Fahrzeugen mit permanenter GPS-Überwachung unterwegs ist. Und ein Diebstahl wäre auch deshalb definitiv nicht erfolgreich, da das Bargeld über spezielle Behälter, in denen es transportiert wird, bei einem Überfall eingefärbt wird und damit unbrauchbar gemacht werden. Ein perfektes und absolut sicheres System, weiß Deutschlands einzige 25-Tonnen-Geldtransportfahrerin.