Unterensingen
Unterensingen: Große Gala zum Abschied von Sieghart Friz
Das Wirken des scheidenden Bürgermeisters wurde am Freitag mit viel Prominenz im Udeon gewürdigt und gefeiert.
UNTERENSINGEN. Am Freitag wurde der Unterensinger Bürgermeister Sieghart Friz nach 32 Jahren im Amt feierlich verabschiedet. Die Wertschätzung für ihn zeigte sich allein an den vielen Menschen, die gekommen waren. Unter ihnen ehemalige und amtierende Gemeinderäte, Abgeordnete, Kollegen und Landräte. Moderiert wurde die Veranstaltung von SWR4-Moderatorin Olivia Powell, die in kleinen Talkrunden mit Weggefährten Schlaglichter auf die vielfältigen Aufgaben des Bürgermeisters warf. Die musikalischen Beiträge kamen von den musiktreibenden Vereinen der Gemeinde, dem Posaunenchor, der Blasmusik, der Musikschule und dem Heimatchor.
Hartmut Scheuter, seit Montag erster Bürgermeisterstellvertreter, hatte einige Bilder aus den 32 Jahren mitgebracht. Mit dieser langen Amtszeit stellt Friz den bisher von Hans-Jörg Kraushaar gehaltenen Rekord ein. Kraushaar war von 1682 bis 1714 Bürgermeister in Unterensingen. Scheuter erinnerte auch an Ereignisse, die Unterensingen bundesweit in die Schlagzeilen gebracht haben. Da war unter anderem die Ablehnung der Kerosinpipeline 2015, aber auch die Inline-Alpin-Weltmeisterschaft 2016.
Den Rekord nach 300 Jahren eingestellt
Landrat Marcel Musolf bleibt mit Friz verbunden, denn dieser bleibt Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag. Musolf erinnerte daran, dass die Wahlergebnisse von Friz von Mal zu Mal besser wurden. „Er bringt neben Fachverstand auch menschliche Qualitäten und einen unbedingten Einsatzwillen mit. Und ab und zu blitzt der Schalk aus ihm heraus“, lobte Musolf und überreichte Friz die große goldene Medaille des Landkreises.
In drei kleinen Talkrunden mit Weggefährten wurde ein Schlaglicht auf die Arbeit und die Persönlichkeit von Friz geworfen. Diese sparten nicht mit Lob und zeichneten das Bild eines loyalen und integren Bürgermeisters, der alles für seine Gemeinde gegeben hat.
Die erste Runde drehte sich um das Netzwerk Politik. Bürgermeister Simon Blessing aus Frickenhausen als Vertreter der Verwaltungsgemeinschaft Nürtingen, die CDU-Landtagsabgeordnete Natalie Pfau-Weller, der Kreisrat und frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Markus Grübel und Ralf Barth, Bürgermeister von Denkendorf und Vorsitzender des Kreisverbandes im Gemeindetag, berichteten von ihren Erfahrungen mit Friz.
Pfau-Weller erinnerte an die Neujahrsempfänge, zu denen Polit-Prominenz wie Heiko Maas, Nancy Faeser oder Sigmar Gabriel nach Unterensingen kamen. Ralf Barth berichtete, wie er als junger Bürgermeister von Friz Orientierung bekommen hatte: „Man kann von ihm Coolness und Gelassenheit lernen.“ Das bestätigte auch Simon Blessing: „Jüngere können sich von der alten Schule etwas abschauen.“ Kreisrat Grübel lobte: „Er ist seriös, gut vorbereitet und sachlich, das ist Champions-League!“
Ein Bürgermeister, von dem man Coolness und Gelassenheit lernen kann
In der zweiten Runde kamen die Geschäftspartner zu Wort. Norbert Neuser von der Kommunalentwicklung der LBBW hat die drei Sanierungsgebiete betreut, Architekt Volker Pfeiffer hat das Udeon geplant, Architekt Fabian Panzer ist für das neue und das alte Rathaus verantwortlich und Günter Baumann von der Firma Geoteck für die Erschließung des Baugebiets Mittlere Braike.
Neuser kam 1991 als junger Projektleiter nach Unterensingen und begleitet die Gemeinde seitdem. „Friz hat immer alle mitgenommen. So hat es die Gemeinde geschafft, 40 Jahre lang im Landessanierungsprogramm zu sein.“ Pfeiffer berichtete davon, wie die „Schmetterlingslösung“ mit zwei Hallentrakten für das Udeon entstanden ist, und Fabian Panzer lobte die gute Zusammenarbeit bei der Erneuerung der Rathäuser. Baumann erinnerte daran, wie die Notgrabungen das Baugebiet Mittlere Braike verzögerten und verteuerten.
Die dritte Runde fand mit Unternehmer Gerhard Schwenk, Rektorin Katrin Köhler, Pfarrerin Hanna Gack und Regina Rommler vom SKV statt. Rommler sprach für die 41 Unterensinger Vereine, die bei Friz immer ein offenes Ohr fanden. Köhler betonte, wie wichtig dem Bürgermeister Kinder und Bildung waren und Gerhard Schwenk lobte, dass Friz immer schnelle und verlässliche Entscheidungen getroffen habe. Pfarrerin Gack sagte, von Friz‘ ruhiger und besonnener Art könne man etwas lernen.
Im Namen der 130 Mitarbeiter dankte Hauptamtsleiterin Yasmin Stoll dem Chef. Sogar eine Delegation aus der Partnergemeinde Mecseknádasd in Ungarn war angereist, um sich bei Friz für die Zusammenarbeit zu bedanken.
Die vierte Amtszeit war die schwerste
Friz selbst, sichtlich gerührt, trat zum Abschluss an das Rednerpult. „Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit“, zitierte er Kurt Schumacher, einen der Gründerväter der Bundesrepublik, und beschrieb damit, was ihn geleitet habe. Es sei faszinierend gewesen, die Gemeinde über eine so lange Zeit zu entwickeln. Von allen Amtszeiten sei die vierte und letzte die schwierigste gewesen, wegen der vielen gleichzeitig stattfindenden Krisen. „Traurig macht mich, dass der Populismus um sich greift, auch bei kommunalen Themen. Da geht es in Schlagworten und Halbsätzen um Emotionen, nicht um Abwägung. Das halte ich für bedenklich, vielleicht sogar gefährlich“, mahnte er. Er sei dankbar, so lange seinen Traumberuf ausüben zu können und wünschte seinem Nachfolger Robin Schmitt alles Gute.
Mit stehenden Ovationen und der Nationalhymne endete der offizielle Teil der Veranstaltung, dann wurde das Büfett eröffnet und der Abend klang noch gemütlich aus.
Die Amtseinsetzung des neuen Bürgermeisters Robin Schmitt findet am Dienstag, 3. März, ab 19 Uhr im Udeon statt.
Landkreis Reutlingen | 01.03.2026 - 13:12
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