Köngen
Maschinenbauer Matec in Köngen stellt Insolvenzantrag
Wirtschaft regional: Laut vorläufigem Insovenzverwalter ist die wirtschaftliche Lage des Unternehmens kritisch. Ein rascher Einstieg eines Investors sei notwendig, um die Fertigung aufrechtzuerhalten. 100 Mitarbeiter sind betroffen.
KÖNGEN. Der Maschinen- und Anlagenbauer Matec hat Insolvenzantrag gestellt. Wie der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Haffa am Freitag mitteilte, sind er und sein Team dabei, sich einen Überblick über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens zu verschaffen und Sanierungsmöglichkeiten zu prüfen.
Die Belegschaft sei über die aktuelle Situation und das weitere Vorgehen informiert, so Haffa in einer Pressemitteilung. Rund 100 Leute arbeiten bei dem Köngener Unternehmen. Ihre Löhne und Gehälter seien bis Ende Januar über das Insolvenzgeld gesichert.
Die Sanierungsmöglichkeiten für Matec sollen über den Winter geklärt werden, so der Stuttgarter Rechtsanwalt weiter. Dabei arbeiteten er und sein Team eng mit dem Prokuristen, dem Betriebsleiter in Köngen und der Belegschaft zusammen. Das Ziel sei es, das Unternehmen und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Dies wäre laut Haffa durch den zeitnahen Einstieg eines Investors in das bestehende Unternehmen, aber auch die Integration von Matec in eine Unternehmensgruppe möglich.
Allerdings dränge die Zeit, so der vorläufige Insolvenzverwalter. Die wirtschaftliche Lage des Unternehmens sei kritisch. Sollte sich bis Ende Januar kein Investor finden, zeige sich bereits jetzt, dass dann zumindest die Fertigung wegen der fehlenden wirtschaftlichen Perspektive „kontrolliert heruntergefahren“ werden müsste, so Haffa: „Das wäre in diesem Fall leider unumgänglich.“
Fertigung vorhandener Aufträge auf der Kippe
Auch gelte es nun zu klären, inwieweit die Fertigung bereits vorhandener Aufträge unter wirtschaftlichen und insolvenzrechtlichen Gesichtspunkten abgeschlossen werden könne. Dies hänge vom Fertigungsstand der jeweiligen Maschine, den noch notwendigen Kosten sowie dem Zeithorizont für die Fertigstellung ab. Neuaufträge seien mit dem Blick auf die wirtschaftliche Situation bis zur Klärung der Sanierungsmöglichkeiten nicht möglich. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Wirtschaftlichkeitsprüfung der bestehenden Aufträge abzuschließen und die Kunden so schnell wie möglich zu informieren“, so Haffa. Der Service für die Matec-Maschinen laufe hingegen uneingeschränkt weiter. So etwa für die mehr als 1400 Maschinen, die derzeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Einsatz seien.
Preissteigerungen und Umsatzrückgänge
Die Gründe für die finanzielle Schieflage seien eine Kombination aus den wirtschaftlichen Folgewirkungen der Corona-Pandemie sowie der Preissteigerungen und Umsatzrückgänge aufgrund geopolitischer Verwerfungen. Hinzu komme die Investitionszurückhaltung in vielen Branchen. „Die inzwischen seit mehreren Jahren andauernden Herausforderungen sind an uns, aber auch an unseren Kunden nicht spurlos vorübergegangen“, wird Prokurist Alfred Könemann in der Pressemitteilung zitiert: „Weniger Umsätze in den Branchen unserer Kunden bedeuten zwangsläufig auch weniger Aufträge für und als Maschinen- und Anlagenbauer.“ Die Aufträge für Maschinen hätten in der Regel große Volumina und seien über Monate angelegt.
2016 schon einmal Insolvenz angemeldet
Der Maschinen- und Anlagenbauer Matec wurde 1992 gegründet. Er ist Spezialist für CNC-Fahrständer-Bearbeitungszentren, Fräs-Drehzentren und Portalmaschinen. Entwickelt und gefertigt werden die Maschinen und Anlagen komplett am Stammsitz in Köngen.
Seit 2017 gehört das Unternehmen zur Anderson Group mit Hauptsitz in Taiwan. Im Jahr davor hatte Matec schon einmal Insolvenz angemeldet. Zur Begründung hieß es damals, der Hauptgesellschafter, die indische Gesellschaft Bahrat Fritz Werner, die seit 2011 Mehrheitseigner war, habe finanzielle Zusagen nicht eingehalten. Mit der Übernahme durch die Anderson Group konnten fast alle damals rund 140 Arbeitsplätze erhalten werden.
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