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Im Oberboihinger Marbachweg füllt ein Mehrfamilienhaus die Baulücke

Elf Wohnungen sollen entstehen. Nachdem die Planungen 2022 bei den Gemeinderäten durchgefallen waren, zeigte sich das Gremium nun zufrieden. Die Pläne können auf der Homepage der Gemeinde eingesehen werden.

So könnte die Bebauung im Marbachweg aussehen. Foto: AF/Metaraum

OBERBOIHINGEN. Ein Mehrfamilienhaus mit elf Wohneinheiten und je zwei Stellplätzen pro Wohnung sollen im Marbachweg in einer Baulücke entstehen. Das Bauvorhaben war bereits 2022 Thema im Gemeinderat und wurde damals kontrovers diskutiert. Da das Grundstück topografisch herausfordernd ist, wird ein vorhabenbezogener Bebauungsplan erarbeitet, der nur für dieses eine Grundstück und diese Bebauung gültig ist. Jerome Amiguet vom Stuttgarter Stadtplanungsbüro Baldauf Architekten stellte den Gemeinderäten kürzlich die Details vor.

Das Gelände weist von Ost nach West ein Gefälle auf, das Geländemodellierungen notwendig macht. Das Gebäude wird über den Marbachweg erschlossen. 18 Stellplätze gibt es in einer Tiefgarage, fünf weitere wird es am Marbachweg geben. Die Zufahrt der Tiefgarage erfolgt über den Marbachweg. Über der Tiefgarage wird der Garten angelegt.

Solarmodule fürs Dach

Das Gebäude, das eine Höhe von circa 12,20 Meter aufweist, wird mit zwei Vollgeschossen geplant. Das oberste Geschoss ist als Staffelgeschoss konzipiert und vom Marbachweg zurückgesetzt. Das Erdgeschoss befindet sich knapp drei Meter über dem Marbachweg. Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss sind je vier Wohnungen vorgesehen, im zweiten Obergeschoss sind drei Wohnungen eingeplant. Die Wohnungen im Erdgeschoss haben Terrassen und Gartenbereiche. Für die Stockwerke darüber sind Balkone und eine Dachterrasse geplant.

Auf dem Dach sollen Solarmodule angebracht werden, was Gemeinderätin Alexandra Schweizer veranlasste, nachzufragen, ob die Module nicht die Nachbarn oberhalb des Gebäudes blenden könnten. Das verneinte Jerome Amiguet, denn die Module würden flach auf dem Dach angebracht.

Extensive Dachbegrünung

Das Dach soll begrünt werden. Das hat den Vorteil, dass das Substrat Wärme speichert und so Temperaturschwankungen verzögert werden. So wird sowohl ein schnelles Aufheizen der Dachflächen am Tag, als auch eine schnelle Abkühlung in der Nacht verhindert. Ein weiterer Vorteil: Begrünte Dächer speichern Niederschlagswasser. Ein Teil davon verdunstet und kommt so in den Wasserkreislauf der Atmosphäre zurück. Das restliche Wasser wird zeitverzögert in die Kanalisation abfließen und trägt so dazu bei, dass diese entlastet wird. Zudem wird dadurch ein kleiner klimatischer Ausgleich für die Versiegelung erzielt und Lebens- und Nahrungsraum für Insekten und Vögel geschaffen. Entlang der Straße werden auch zwei neue Bäume gepflanzt, im Osten, also auf der rückwärtigen Seite des Gebäudes, kommen nochmals fünf Bäume dazu.

Während der Bauphase müssen Anwohner mit Lärm, Staub und Schadstoffen sowie Erschütterungen rechnen. Allerdings, so schränken die Planer ein, liege der Bauplatz an der Bahntrasse Stuttgart–Tübingen. Durch den Eisenbahnbetrieb und die Erhaltung der Bahnanlagen entstehen Emissionen. Gegen den Lärm, der von der Bahnlinie ausgeht, müssten die Bauherren womöglich Schutzmaßnahmen für die künftigen Bewohner ergreifen.

Fledermäuse erhalten neue Quartiere

Auf dem Gelände stehen derzeit noch ein Apfel- und ein Zwetschgenbaum. Beide könnten als Unterkünfte für Fledermäuse dienen. Es gibt dort auch Brutmöglichkeiten für Baum-, Strauch- und Bodenfreibrüter. Deswegen sollen die Bäume außerhalb der Zeit entnommen werden, in der Fledermäuse aktiv sind, also zwischen November und Februar. Außerdem sollen vier Fledermauskästen in der näheren Umgebung aufgehängt werden. Beispielsweise entlang des Marbachs.

Michael Riempp erkundigte sich, ob eine Bauverpflichtung notariell beurkundet und im Grundbuch eingetragen wird. „Nein, aber die Satzung ist normatives Recht und damit gilt die Bauverpflichtung“, erklärte Bürgermeister Ulrich Spangenberg. „Und was, wenn nicht?“, hakte Riempp nach. Dann, sagte Planer Amiguet, könne der Bebauungsplan wieder aufgehoben werden.

Die Planung fand die Zustimmung aller Gemeinderäte, sodass nun für einen Monat die öffentliche Auslegung im Internet, auf der Homepage der Gemeinde, erfolgt. So können sich die Oberboihinger Bürger ein eigenes Bild machen. Gleichzeitig werden die Behörden und sonstige Träger öffentlicher Belange, beispielsweise Energieversorger oder Telekommunikationsunternehmen gebeten, eine Stellungnahme abzugeben.

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