Wendlingen
Über die Bebauung im Oberboihinger Marbachweg waren sich Planer und Gemeinderäte nicht einig
Im Marbachweg soll das letzte Fleckchen Wiese nun auch bebaut werden. Doch die Gemeinderäte konnten sich in der jüngsten Sitzung nicht mit den geplanten Gebäudehöhen anfreunden.
OBERBOIHINGEN. Der Marbachweg verläuft entlang der Bahnlinie. Bebaut werden konnte er deswegen nur auf der gegenüberliegenden Seite. Eine Baulücke gibt es im hinteren Teil der Straße noch. Ein Investor will sie bebauen. Mit einem Mehrfamilienhaus hinten und drei Reihenhäusern vorne. Eine Tiefgarage soll es ebenfalls geben, über sie wäre ein barrierefreier Zugang zum Mehrfamilienhaus möglich. 16 Stellplätze sollen hier geschaffen werden.
Am vergangenen Mittwoch stellte Stadtplaner Jerôme Amiguet den Gemeinderäten die Pläne vor, um abzufragen, ob das Gremium den Plänen des Investors zustimmen könnte. Denn dann müsste der bestehende Bebauungsplan geändert werden.
Die Topografie ist schwierig. Vor allem im hinteren Teil zieht sich das Gelände einen Hang hinauf. Bei der geplanten Bebauung hieße das, dass schon die ersten beiden Stockwerke an der Rückseite des Hauses im Erdreich verschwänden, für das dritte Stockwerk müsste der Hang etwas abgegraben und abgestützt werden, damit wenigstens hier ein wenig Tageslicht in die Wohnung kommt. Sieben Wohnungen soll das Mehrfamilienhaus umfassen. Auch die drei Reihenhäuser an der Straße sind nicht ganz zierlich.
Die Gemeinderäte waren ob der Wucht der Bebauung nicht begeistert. Joachim Scheerer meinte: „Mir ist das Gebäude zu massiv gegenüber der Umgebungsbebauung. Das sticht gewaltig heraus.“ Auch die Reihenhäuser direkt an der Straße hält er optisch nicht für angemessen. Städteplaner Amiguet hält dagegen, dass die andere Möglichkeit darin bestünde, die Reihenhäuser nach hinten zu setzen und an der Straße Stellplätze einzuplanen. Das mache aber den barrierefreien Zugang für das hintere Haus zunichte, da man dann natürlich keine Tiefgarage bauen könne.
Scheerer wollte sich dennoch nicht mit so einer massiven Bebauung anfreunden. Denn nicht nur die Baukörper an sich sind massiv, sie überragen auch die Umgebungsbebauung deutlich. „Wenn hier alte Häuser fallen und die Grundstücke neu bebaut werden, werden auch diese wiederum höher werden“, begründete er seine Ablehnung.
Gemeinderätin Lena Stumpp schloss sich an und fügte hinzu: „Der Profit des Investors sollte nicht der Maßstab für unsere Entscheidung sein.“ Michael Riempp meinte, das Grundstück sei mit dem existierenden Bebauungsplan grundsätzlich bebaubar, „nur eben nicht wirtschaftlich“. Er lehnt eine Bebauung in der vorgestellten Form ab. Jerôme Amiguet warf die Frage in den Raum, ob das Gremium heute noch die gleichen städtebaulichen Vorstellungen habe wie vor 40 Jahren. Das bejahten etliche der Räte. Der Charakter des Marbachwegs solle erhalten bleiben, war der Tenor. „Ist es dann Ihre Vorstellung, vorne an der Straße Stellplätze und Garagen zu haben?“, fragte Amiguet. Nein, meinte Riempp. Er habe ja nichts dagegen, einen neuen B-Plan aufzustellen. „Aber so, wie uns die Bebauung vorgestellt wurde, will ich es nicht.“ Amiguet argumentierte, dass die Höhe der Gebäude auch durch die Tiefgarage bedingt sei.
Florian Schietinger gefallen die Pläne eigentlich ganz gut. Vor allem begrüßte er, dass keine Flächen für Stellplätze verschwendet werden. Er hat kein Problem damit, dass die Reihenhäuser vorne an der Straße stehen. Aber die Höhe hält auch er für ein Problem. „Mir ist aber klar: günstiger Wohnraum geht in die Höhe. Wohnraum ist knapp und wir brauchen günstigen Wohnraum“, sagte er.
Michael Orlando war aufgefallen, dass die Abstände zwischen den Gebäuden vorne und dem Gebäude hinten groß sind. „Könnte man das hintere Gebäude nicht etwas mehr in die Mitte rücken?“, fragte er. Das, so der Städteplaner Amiguet, habe etwas mit Mindestabständen zu tun. Er räumte aber ein, dass es hier noch etwas Luft gebe.
Hans-Jochen Lehmann schlug vor, statt drei Reihenhäusern ein Doppelhaus an die Straße zu bauen und aus den zehn geplanten Wohneinheiten acht zu machen. Auch ein asymmetrisches Dach könnte helfen, der Bebauung die Wucht zu nehmen. „All das können Sie im Bebauungsplan festlegen“, sagte Amiguet.
Schlussendlich meldete sich auch Heinz Vogel in seiner Funktion als Gemeinderat zu Wort. „Hier entsteht ein Gebäude, das über alles hinausragt“, meinte er und findet, dass das den Rahmen dessen sprengt, das sonst in Oberboihingen zugelassen wird. Er fürchtet, eine Ausnahme führe dazu, dass andere dies auch für sich in Anspruch nehmen wollen. „Dann kommen wir zu einer generellen Änderung des Bebauungsplans“, meinte Vogel. Jerôme Amiguet wird in einer der kommenden Sitzungen eine geänderte Planung vorlegen.
Wendlingen | 26.09.2022 - 05:30
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