Grafenberg
Großes Familientreffen der Oldtimer in Grafenberg
Der Liederkranz hat zum Ferienhock mit Oldtimertreffen an die Rienzbühlhalle eingeladen. Dieses Mal stand eine regionale Marke mit besonderen Eigenschaften im Mittelpunkt.
GRAFENBERG. Holder-Fahrzeuge standen in diesem Jahr im Mittelpunkt des sehr gut besuchten 28. Grafenberger Ferienhocks, der am Sonntag rund um die Rienzbühlhalle stattfand. Gleichzeitig war es das 19. Oldtimertreffen des veranstaltenden Liederkranzes. Das Wetter war bestens, Schlepper, Pkws und Zweiräder füllten schnell den Hof. Der Musikverein Grafenberg sorgte mit Hits von der Klassik bis zur Moderne für beschwingte Unterhaltung.
„Auf gutes Wetter sind wir einfach angewiesen“, sagte Ralf Wurster, Vorstandssprecher des Liederkranzes. „Sonst holt ja niemand seinen wertvollen Oldtimer aus der Garage.“ Mittlerweile sei es 28 Jahre her, dass der Chor sich überlegt hatte, ein Ferienprogramm anzubieten. „In diesen Wochen fand sonst nichts statt.“ Sängerkamerad Peter Gächele, der einige ältere Traktoren besaß, habe dann die Idee aufgebracht, den Ferienhock mit einer Oldtimershow zu verbinden. „Anfangs war es eine kleine Veranstaltung, aber inzwischen reisen die Teilnehmer auch von der Alb, aus Göppingen oder Stuttgart an“, so Wurster. In der Szene sei Grafenberg seit Langem ein Begriff. Zwischen 350 und 400 Fahrzeuge kämen jedes Jahr – mit steigender Tendenz.
Fast jeder Landwirt hatte einen Holder
Jedes Jahr gebe es eine Sonderausstellung mit einer bestimmten Fahrzeugmarke. Holder sei sehr bekannt. „Die Firma war ursprünglich in Metzingen ansässig, viele Grafenberger haben dort gearbeitet“, erläutert Wurster. Fast jeder Landwirt habe einen Holder besessen, denn die schmalen Schlepper mit Allradantrieb und einer Knicklenkung für Wendigkeit seien besonders in den Weinbergen eingesetzt worden. Heute würden Holder-Fahrzeuge vor allem kommunal eingesetzt.
Philipp Keppler aus Pfullingen ist stolzer Besitzer eines Holder von 1969. „Ich nutze ihn noch zum Mähen, Heuwenden oder Holzmachen im Wald, eben weil er so wendig ist“, berichtet er. Sein Fahrzeug sei eines der wenigen mit Breitspur.
Hans Jürgen Gebhardt von den Traktor- und Schlepperfreunden Kleinbettlingen hatte einen orangefarbenen Holder von 2011, einen sogenannten Multifunktionsträger, mitgebracht, den er aus einer Vorserie erwarb. Praktisch sei, dass er als Kipper genutzt werden könne und sowohl vorne ein Mähwerk als auch rückwärtig ein Streuer oder Ähnliches montiert werden könnten. Stolz ist Gebhardt auch auf ein kleines Modell seines Holder, „eins von nur Fünfen weltweit“, das auf einem 3-D-Drucker entstand.
Raritäten auf zwei Rädern
Auch bei den Zweirädern gab es viele Raritäten zu bestaunen. Felix Renz aus Pfullingen, der gerade sein Abitur am Technischen Gymnasium Reutlingen bestanden hat, entdeckte im Internet ein seltenes Mokick der Marke Garelli von 1968 mit drei PS. „Es hat vier Gänge, was damals sehr fortschrittlich war“, berichtet er. Schon lange habe er nach einem Oldtimer gesucht, der ihn optisch ansprach und an dem er aufgrund der schlüssigen Technik auch selbst schrauben könne. 45 Kilometer pro Stunde sind auf dem Mokick erreichbar. „Es war relativ günstig, aber ich habe viel investiert, und es ist nicht ganz einfach, in Deutschland Ersatzteile zu bekommen.“ Doch Felix ist mit seinem Garelli, das er extra fürs Foto noch einmal mit einem weichen Lappen nachpoliert, ein Herz und eine Seele.
Andere Oldtimerfreunde kommen vorbei, gucken, staunen, machen Fotos und fragen nach. Viel und gerne wurde gefachsimpelt – miteinander ins Gespräch kommen und sich austauschen ist ein wesentlicher Teil solcher Treffen. Gegen den Hunger gab es Essen vom Grill, Pommes sowie Kaffee und Kuchen. Auch frisches kühles Bier vom Fass wurde gerne genossen. Kinder kamen durch eine Hüpfburg und einen Eis-, Obst- und Süßwarenstand auf ihre Kosten.