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400 fahrbereite und aufpolierte Oldtimer in Grafenberg

Der ganze Stolz der Schrauber stand beim 18. Oldtimer- und Traktortreffen in Grafenberg akurat aufgereiht um die Rienzbühlhalle. Die Schau war der Höhepunkt beim 27. Ferienhock des Gesangvereins Liederkranz.

Große und kleine Oldtimer der verschiedensten Baujahre waren in Grafenberg zu bestaunen. Foto: Angela Steidle

GRAFENBERG. Ein gutes Plätzchen fürs „Schätzchen“ bekommt zum 18. Oldtimertreffen des Gesangvereins Liederkranz in Grafenberg, wer rechtzeitig losfährt. In der Moped- und Pkw-Klasse mit Anfahrtsstrecken von Göppingen bis Stuttgart. Bei den Traktoren aus dem näheren Umfeld heißt es: Stau einplanen. Vor allem den, der hinter dem eigenen landwirtschaftlichen Gefährt in der Dieselwolke steckt. „130 freiwillig“ steht auf dem Aufkleber am Schalensitz mit Lammfelleinlage.

Auf rund einem Hektar spiegelt sich bei der Rienzbühlhalle die Sommersonne in Chrome und Lack. Ente, Käfer, knallroter Mustang, die markanten Kühlerlinien eines Oldsmobile, eine Chevrolet Corvette mit fahrtüchtigem Boots-Kompass statt Navi, der legendäre Flower-Power-Camper von VW mit 60er-Sound und stilechtem weißen Lenkrad und die unvermeidliche Knutschkugel von Fiat sind zu sehen. Bei den Traktoren gab es zum 27. Grafenberger Ferienhock eine Sonderschau zum Thema „McCormick & IHC früher und heute“. Dabei sind die meisten der „Arbeitstiere“ fest in Familienhand. Die nächste oder übernächste Generation saß entweder mit Ohrenschützern auf dem Beifahrersitz oder bei Oma auf dem Arm.

Das Fahren mit dem Moped hat die Ehefrau verboten

Die allermeisten fahrbereiten Modelle – vom Quickly bis zur smarten Lady SL - kommen aus der Bastlerwerkstatt und haben den einen oder anderen Zwilling im Stall. So wie bei Robert Hailfinger aus Sonnenbühl: Er Baujahr 1939, sein aufpolierter „Ford A“ Baujahr 1930. „Alles selbst TÜV gerecht restauriert, Karosserie, Bremsen. Im eigenen Baugeschäft früher stand der Hof voller Fahrzeuge“, erzählt er stolz. „Die wurden auch selber gewartet. Zu Hause steht noch ein 350er SL, in Silber. Und eine Victoria, Baujahr 1928. Das alte Motorrad meines Vaters.“ Beide zugelassen und mit TÜV versehen. Nur fahren darf er mit dem Moped nicht mehr. Das hat ihm seine Frau verboten.

Ein paar Meter weiter glänzt ein stilechter Ford Capri mit Heckflügel. Über der offenen Motorhaube wird heftig darüber diskutiert, wo man Ersatzteile herbekommt und wie viel von denen noch bei irgendwelchen Scheichs in der Garage stehen.

Udo Bauer aus Wolfschlugen lehnt vor seinem Miele Sachs-Einzylinder Motorrad mit Kickstarter, Baujahr 1937, 98 Kubik und unverfälschten 55 Stundenkilometer schnell. Aufgebockt hat er sein Goldstück auf einer „Tempo“-Pritsche von Vidahl & Sohn. Das Nutzfahrzeug aus Pappe stammt aus der Kriegszeit. Foto: Angela Steidle

Das Nutzfahrzeug aus Pappe hat auch schon Filmstars durch das Set gefahren

Udo Bauer aus Wolfschlugen lehnt vor seinem Miele Sachs-Einzylinder Motorrad mit Kickstarter, Baujahr 1937, 98 Kubik und unverfälschten 55 Stundenkilometer schnell. Das originalgetreue Leichtgewicht hat der Wolfschlüger mit 17 Jahren geschenkt bekommen. „Mit der hat der Oldtimer-Bazillus angefangen“, erklärt Bauer. „Inzwischen sind noch ein paar dazugekommen: zwei Heinkel-Roller (Baujahr 1956 und 1958), zwei BMW (Baujahr 1954 und 1974), zwei Zündapp (Baujahr 1936 und 1951) und zwei NSU (Baujahr 1949 und 1952).“ Aufgebockt hat er sein Goldstück auf einer „Tempo“-Pritsche von Vidahl & Sohn. Das Nutzfahrzeug aus Pappe stammt aus der Kriegszeit und fuhr Gemüse sowie auch mal den einen oder anderen Filmstar durch das Set.

Eine Spezialanfertigung hat Karl-Heinz Renzler aus Zizishausen mitgebracht: „Oberbezirkskaminfegermeister Karl Müller aus Nürtingen“, steht auf einem Foto von 1935, auf dem der Handwerker mit seiner neu angelieferten Karosse posiert. Einen großräumigen Alleskönner hatte er bei den Automobilbauern in Hamburg-Harburg bestellt. „Mit Platz für Frau und drei Kinder, Hund, Kartoffel- und Apfelernte und die Geiß vom Farrenstall“, erzählt Enkel Karl-Heinz Renzler. Am Unterboden ist ein etwa 4,5 Meter langes Rohr festgemacht, in das sämtliche Schornsteinfegerbesen passten, die Karl Müller für seinen Job brauchte. Ausrangiert und abgetakelt, sollte das Gefährt verbrannt werden. Der 17-jährige Enkel wehrte sich dagegen: „Jahrzehnte lang habe ich daran gearbeitet. Da hat man viel erlebt. Ersatzteile gibt es ja keine. Der TÜV schlägt jedes Mal die Hände über dem Kopf zusammen.“ Vielleicht sei er ja deshalb Kfz-Meister geworden, meint der Nürtinger augenzwinkernd.

Zwischen 350 und 400 Oldtimer kommen jährlich zum Event des Liederkranzes Grafenberg, der vor 18 Jahren aus einer Benzinlaune beim Ferienhock entstand. Als Initialzündung für etwas Abwechslung in der seinerzeit eher reizlosen Ferienzeit auf der Alb. Davon kann heute in Grafenberg keine Rede mehr sein.

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