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Evangelische Kirche Linsenhofen feiert mit Baustellentour 600 Jahre Chorraum

Noch sind die Bauarbeiten am Dach der Sankt-Georgs-Kirche in vollem Gang. Am Sonntag, 12. Oktober, gibt es in Linsenhofen dennoch einen besonderen Gottesdienst mit Führungen und einem Ständerling.

Die Sanierungsarbeiten am Dach des Chorraums der Sankt-Georgs-Kirche in Linsenhofen schreiten voran. Foto: Kai Müller
Noch ist das Dach über dem Chorraum eine Baustelle. Pfarrer Gerhard Bäuerle zeigt, wo sich dieser befindet. Dass der von oben wie eine Art Erdhügel aussieht, erwarten wohl die wenigsten. Foto: Kai Müller
Viele Balken sind bereits ausgetauscht worden. Foto: Gerhard Bäuerle
Die Schäden an manchen Balken war immens. Foto: Gerhard Bäuerle
Um die Decke zu stabilisieren, musste zeitweise ein Gerüst in der Kirche aufgestellt werden. Foto: Gerhard Bäuerle

FRICKENHAUSEN-LINSENHOFEN. Das kommt überraschend. Wer sich über dem Chorraum der Sankt-Georgs-Kirche in Linsenhofen befindet, der blickt nicht auf eine Kuppel oder Ähnliches, sondern eine Art fester Lehmhügel. Gerhard Bäuerle grinst. „Das erwartet man hier oben sicherlich nicht“, sagt der Pfarrer. Drumherum sind schon erste neue Balken zu sehen. Noch ist die Sanierung des Dachs über dem Chorraum aber nicht abgeschlossen. „Es wird wohl noch bis November dauern“, sagt der Pfarrer. Die Kirchengemeinde setzt dabei, wie schon bei der Sanierung des Turmes, auf die Expertise der Firma Jako-Baudenkmalpflege. Deren Mitarbeiter haben auf der Wiese vor der Kirche einen hölzernen Pavillon aufgebaut. Dort wird das Holz bearbeitet, bevor es dann im Dach eingesetzt wird.

In der Ortschronik erwähnt

Auch wenn die Arbeiten noch ein wenig dauern, feiern will man am Sonntag, 12. Oktober, trotzdem. Denn immerhin blickt der Chorraum auf eine 600-jährige Geschichte zurück. „Die Jahreszahl 1425 steht in der Ortschronik“, sagt Bäuerle. Er hält am Sonntag die Predigt, der Chor Cantale gibt wieder einmal ein Gastspiel in der Sankt-Georgs-Kirche und nach dem Gottesdienst, der um 9.45 Uhr beginnt, steht ein Ständerling auf dem Programm. „Wer will, kann auch die Baustelle besichtigen“, sagt Bäuerle.

Dass Handlungsbedarf bestanden hat, steht außer Frage und das zeigen auch die Bilder, mit denen der Pfarrer den Fortgang der Bauarbeiten dokumentiert hat: „Einige Balken waren bereits verfault“, sagt Bäuerle. Auch über der Sakristei seien Schäden festgestellt worden. Gleichzeitig soll auch das ursprüngliche Dreieck in der Balkenkonstruktion wieder hergestellt werden. Warum irgendwann einmal zwei Balken gekappt und zusätzliche Stützen eingebaut wurden, lasse sich nicht mehr rekonstruieren, sagt Bäuerle. Ob es im Zuge des Einbaus der Treppe passiert ist? Auch das wisse man nicht. Das Denkmalamt habe aber zugestimmt, dass man das so belassen könne. Ob von den früheren Umbauten vielleicht auch der Riss im Torbogen im Kirchenraum herrührt? Denkbar sei das schon, sagt Bäuerle.

Von großer Spendenbereitschaft profitiert

Nach der Sanierung des Turmes ist es das nächste große Bauprojekt, das die Kirchengemeinde stemmt. Möglich gemacht hat dies die große Spendenbereitschaft bei der Turmrenovierung. 90.000 Euro kamen innerhalb von fünf Jahren zusammen. Seit 2022 sind Turm und Turmdach saniert. „So konnten wir auch zeitnah die Sanierung des Daches über dem Chorraum angehen“, sagt Bäuerle. Die Kosten dafür dürften bei rund 270.000 Euro liegen. „Der Großteil ist finanziert, wenn es nicht noch teurer wird“, sagt der Pfarrer. Die Landeskirche steuert einen größeren Anteil bei, der Rest stamme aus den Rücklagen. „Danach gehen wir davon aus, dass die größeren Sachen gemacht sind und wir die nächsten Jahre erst einmal Ruhe haben“, erklärt Bäuerle. Die Planungen für die Renovierung des Dachs über dem Chorraum hätten 2023 begonnen. Im Juni seien dann die Handwerker angerückt. Im Sommer waren noch das Uhrwerk und die Glocken des Turms auf Vordermann gebracht worden. Eine neue Digitaluhr war unter anderem eingebaut worden.

Gerüst mitten in der Kirche

Kleines Kuriosum am Rande: Einige Tage lang musste auch ein Gerüst mitten in der Kirche aufgebaut werden, um von unten die Decke zu stützen. An dem Sonntag vor Erntedank sei dann die Kirche gesperrt gewesen. „Wir haben diesen Gottesdienst dann in Tischardt gefeiert“, erklärt Bäuerle. Tischardt und Linsenhofen bilden eine Kirchengemeinde. Die Kirche in Linsenhofen mit ihren bunten Schindeln ist auch für den Pfarrer etwas Besonderes. Nicht nur, weil es sich um den höchsten Kirchturm im Neuffener Tal handelt. „Es ist ein Markenzeichen mit einer tollen Akustik“, sagt der Pfarrer, der sich natürlich darauf freut, wenn in den nächsten Wochen die Gerüste wieder abgebaut werden.

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