Grötzingen
Eine Markthalle in Grötzingen?
Die Ortsmitte im Aichtaler Stadtteil soll ein neues Gesicht bekommen. Einem Architekturbüro aus Stuttgart schwebt eine außergewöhnliche Idee vor.
AICHTAL-GRÖTZINGEN. Grötzingen als kulinarischer Mittelpunkt der Region – klingt ungewöhnlich, aber der Stuttgarter Architekt Martin Haas kann sich dieses Image für den Aichtaler Ortsteil gut vorstellen. Aus dem alten Rathaus – das derzeit vor allem Vereinen als Treffpunkt dient – soll eine offene Markthalle werden. „Eine Möglichkeit, Menschen an einem Ort in Kontakt zu bringen“, sagte Haas in der vergangenen Gemeinderatssitzung in der Festhalle Aich. Sofort stellte er klar: „Es ist nur eine Idee.“ Aber schließlich müsse man irgendwo anfangen.
Hinter dieser Vision steckt das Vorhaben, die Grötzinger Ortsmitte zu beleben. Besonders der brachliegende Hindenburgplatz ist vielen Aichtalern ein Dorn im Auge. Gleich mehrere Fraktionen hatten beantragt, Finanzmittel für die Aufwertung des Platzes bereitzustellen. Die Stadtverwaltung möchte dem Wunsch nachkommen, jedoch den gesamten Bereich zwischen Hindenburgplatz und Rathaus in den Fokus nehmen. Das Büro „haas cook zemmrich“ wurde beauftragt, eine erste Einschätzung der Möglichkeiten vorzunehmen.
Stadtcafé und Veranstaltungsraum in der „Stadthalle“
Die Planer haben sich im Vorfeld mit der städtebaulichen Situation, der Historie und den bestehenden Missständen in Grötzingen befasst. Für was könnte Grötzingen stehen? Diese Frage stand ganz zu Beginn der Überlegungen. Schnell kamen Schlagworte wie „Gesundheit“ und „Ernährung“ auf. So sei man schließlich auf eine Markthalle gekommen, sagte Haas. Im Erdgeschoss könne sich ein Stadtcafé ansiedeln, der überdachte Bereich biete genügend Platz für Marktstände und Veranstaltungen. Im Obergeschoss sei ein Veranstaltungssaal für bis zu 170 Personen denkbar.
Auch für den Hindenburgplatz präsentierte Haas konkrete Pläne: Das Kriegerdenkmal soll an die Nordseite in Richtung Hauptstraße versetzt werden, eine Freitreppe soll Sitzgelegenheiten bieten. Die Parkplätze an der Grabenstraße sollen weichen.
Gemeinderäte wollen nicht auf Parkplätze verzichten
Die Gemeinderäte hatten viel Lob für die Entwürfe des Architektenbüros, waren aber auch skeptisch angesichts mancher Ideen. Grötzingen sei ein zu kleiner Ort für eine Markthalle, sagte Ernst Harrer (CDU/BLA). Auf die Parkplätze im Ortskern wollen einige Räte nicht verzichten. „Wir sind vom Dorf und sind es gewohnt, dass wir parken können, wo wir wollen“, sagte Pia Schwarz (CDU/BLA). Gespannt dürften auch die Aichtaler Vereine die Entwicklung in der Grötzinger Ortsmitte verfolgen. Durch die Umgestaltung des alten Rathauses droht ihnen der Wegfall des wohl wichtigsten Treffpunktes.
Trotz der Einwände gab das Gremium einstimmig grünes Licht für das weitere Vorgehen. Anregungen des Gemeinderates und der Bürger sollen in die weitere Planung einfließen. Für das Haushaltsjahr 2024 werden Finanzmittel für die Entwurfsplanung Hindenburgplatz und für die Umgestaltung eingeplant.
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