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Warum eine Nürtingerin obdachlose Hundebesitzer in Stuttgart beschenkt

Nicht nur zur Weihnachtszeit macht sich Bea Rommel mit einem vollen Leiterwagen in der Landeshauptstadt auf den Weg. Den Menschen auf der Straße und ihren Tieren macht sie dabei eine große Freude. Hier berichtet sie, was sie antreibt.

Voll beladen startet Bea Rommel in der Stuttgarter Innenstadt auf ihre Geschenktour. Foto: privat
Mensch und Tier beschenkt: Unterstützung bekam Bea Rommel von Peta-Tierschützerin Jana Hoger (rechts). Foto: privat
Bea Rommel hatte viele gespendete Geschenke dabei. Foto: privat
Auch bei den Vierbeinern war die Freude groß. Foto: privat

NÜRTINGEN. Für obdachlose Menschen ist der Kampf ums Überleben draußen im Winter noch deutlich schwerer als sonst. Aber viele von ihnen haben auch treue Begleiter auf vier Pfoten. Und auch für die Hunde ist dieses Leben alles andere als einfach. Bea Rommel aus Neckarhausen weiß das. Und deshalb tut sie etwas. Seit vier Jahren ist sie im Winter auf den Straßen Stuttgarts unterwegs, um obdachlose Menschen und vor allem deren Tiere zu beschenken. Was sie dabei erlebt, kann einem in der kalten Vorweihnachtszeit das Herz erwärmen – aber manche Geschichten können einem auch das Herz zerreißen.

Seit vier Jahren macht sie sich mit Geschenken für die Hunde in der Landeshauptstadt auf den Weg. „Ich habe klein angefangen“, sagt die 38-Jährige. Zuerst ging sie einmal im Jahr los. Seit zwei Jahren ist sie zweimal auf Geschenktour. Meist zum Jahresende und dann nochmal zum Jahresbeginn. Und was packt sie dann in ihren kleinen Wagen, der auch in diesem Jahr wieder kaum die Geschenklast bewältigen konnte? „Natürlich Futter für die Hunde“, erklärt die junge Frau, die sich für die Tierrettung und den Tierschutz engagiert – und in Neckarhausen selbst viele Tiere hält. Nicht nur Hunde und Katzen, sondern auch Hühner, Ziegen, kleine Kängurus oder auch Erdmännchen.

Der Vater ist das Vorbild für diese Aktion

Doch nicht nur Futter hat sie für die Vierbeiner dabei. Auch Hundemäntel und Decken, angesichts der winterlichen Kälte kein Luxus, sondern Überlebenshilfe. Hundegeschirre, weiteres Zubehör oder auch Spielzeug hat Bea Rommel in ihrem kleinen Ziehwagen. „Die Obdachlosen nehmen alles an“, sagt sie. Gut, dass sie mit ihrem Netzwerk und mit ihren Aufrufen so viele Spenden für die Menschen und ihre Tiere auf der Straße sammeln kann. Sonst wären die Aktionen nicht möglich. Denn Bea Rommels Engagement ist rein privater Natur.

Diese Geschichte begann indes nicht erst vor vier Jahren. „Ich habe das von meinem Papa übernommen“, sagt die Tierfreundin. Vor vielen, vielen Jahren war das, als die Familie noch in Konstanz lebte. Damals war Vater Dieter Rommel mit Geschenken für die Obdachlosen und ihre Gefährten in der See-Metropole unterwegs. „Ich wollte das dann auch machen“, blickt sie zurück. Die Botschaft, dass hinter jedem Menschen auf der Straße ein Schicksal, eine oft tragische Geschichte steckt, haben ihr ihre Eltern gelehrt. Jeden solle man gleich behandeln, habe sie von ihren Eltern gelernt: „Egal, ob arm oder reich.“ Denn Situationen könnten sich stets ändern.

Manchmal war Bea Rommel zu Tränen gerührt

So hat Bea Rommel bei ihren Einsätzen auch keine Berührungsängste. Auch für die Menschen hat sie etwas in ihrem Wagen. Lebensmittel zum Beispiel. Einfach nur eine Brezel für diesen Morgen. Oder Lebkuchen, jetzt in der Weihnachtszeit. „Die Nachbarin hat mir handgestrickte Socken mitgegeben“, berichtet die 38-Jährige. Aber auch Decken oder Schlafsäcke haben ihr die Spender mitgegeben. Eine Frau hat ihr 20 Euro zugesteckt, damit sie damit den Menschen und Tieren auf der Straße etwas Gutes tun kann. Denn nicht jeder traue sich, auf die Menschen zuzugehen. Ihr Ziel ist dabei klar: „Ich will einfach Mensch und Hund glücklich machen.“

Die Reaktionen der Beschenkten zeigen ihr, dass sie dieses Ziel erreicht. Zwischen zehn und 15 Obdachlose und ihre Tiere konnte sie bei diesem Vorweihnachtseinsatz beschenken. Alle Geschenke wurde sie los. „Ich war oft zu Tränen gerührt“, sagt sie. Auch fünf, sechs Frauen waren unter den Bedachten. Eine davon sagte: „Ihr seid toll! Danke!“ Dabei ist auch die Ansprache für die Menschen oft ein Geschenk. Das Reden. „Man darf nicht einfach an ihnen vorbeigehen“, sagt Bea Rommel, und spricht an, was im Milieu oft zu hören ist: Dass sich die Menschen auf der Straße oft wie unsichtbar fühlen, weil die Menschen, die ein Obdach haben, durch sie durchzuschauen scheinen. Nicht nur zu Weihnachten, auch sonst solle man sie wahrnehmen.

Der Einsatz verändert die Sicht auf das Leben

Eine Begegnung ist Bea Rommel besonders zu Herzen gegangen. Ein obdachloser Mann kam zu ihr, er hatte kein Tier. Für die Tiernahrung habe er trotzdem Interesse bekundet – weil er selbst einfach Hunger hatte. „Das verändert die Sicht auf vieles“, sagt sie nachdenklich. Man entwickle ein ganz anderes Bewusstsein für das, was man alles habe – und andere nicht. Ein gesellschaftliches Leben. Freunde. „Für viele ist der Hund der einzige Lebensinhalt, der einzige Freund“, erklärt sie. Er ist der treue Begleiter. „Sie machen alles für ihren Hund“, weiß Bea Rommel. Achten zum Beispiel auf die Nahrung, wenn das Tier nichts mit Getreide verträgt. Wichtig ist es ihr dann auch, dass keine organisierten Bettlerbanden unterstützt werden. „Ich will nur denen helfen, die es nötig haben“. Dafür habe sie schon ein Gespür entwickelt.

Und warum ist die Nürtingerin in Stuttgart und nicht in der eigenen Heimatstadt unterwegs? Ganz einfach: In Nürtingen trifft sie auf zu wenige, denen sie helfen könnte. Wenn ihr aber jemand einen Hinweis geben könne, würde sie auch hier tätig werden, sagt sie. In der Landeshauptstadt hingegen ist es einfach, an bestimmten Orten Bedürftige zu finden. Rund um die Paulinenbrücke zum Beispiel. Das ist manchmal auch ein heißes Pflaster, auch Drogen spielen dort eine Rolle. Nicht ganz ungefährlich.

Bea Rommel und Jana Hoger sind auf Spenden angewiesen

Allein möchte Bea Rommel dort nicht unterwegs sein. Deshalb ist Jana Hoger an ihrer Seite. Der auch aus dem Fernsehen bekannten Peta-Tierschützerin aus Ludwigsburg liegt besonders das Schicksal von Hunden am Herzen. Kennengelernt hat sie Bea Rommel aber als es galt, ein Kaninchen auf einem Garagendach hinter Müllsäcken zu retten. Bea Rommel hat das gerettete Tier dann aufgenommen. „Seitdem verbindet uns eine Tierfreundschaft“, sagt Jana Hoger. Klare Sache für sie, dass sie Bea Rommel bei ihrer Herzensangelegenheit auf den Straßen Stuttgarts unterstützt. Sie habe die „unglaubliche Freude“ der Menschen auf der Straße genossen. Das zeige, dass auch kleine Dinge helfen können. Einen jungen Obdachlosen mit zwei Hunden habe man mit Spielsachen und Futter beschenkt. Er hatte eine ganz enge Verbindung zu seinen Tieren. „Das ging mir total nah“, sagt Jana Hoger. Und so kann sie diesen Satz von Bea Rommel voll und ganz unterschreiben: „Wir wollen den Menschen am Rande der Gesellschaft helfen.“

Deshalb hoffen die beiden Tier- und Menschenfreundinnen auch auf weitere Spenden. Über die sozialen Medien kann man mit Bea Rommel Kontakt aufnehmen. Und wenn dann wieder genug zusammengekommen ist, macht sie sich wieder auf den Weg – um Mensch und Tier eine kleine, große Freude zu machen.

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